Tag des offenen Denkmals: Trotz Sommerwetter zog es am Sonntag viele Besucher in Denkmäler in Stadt und Landkreis Bayreuth, die teils in Privatbesitz und sonst nicht zugänglich sind. Ein Besuch in der Vergangenheit am Beispiel von Bad Berneck.
Annabell hält am Tag des offenen Denkmals zwei kleine Steine in ihrer Hand. Sie dreht sie etwas hin und her. Die Steine sehen aus, wie Steine eben aussehen. Wer es nicht besser weiß, würde sie achtlos liegen lassen. Vielleicht noch nicht einmal bemerken. Doch was Annabell in der Hand hält, ist Geschichte. Die Geschichte von Bad Berneck. Mit diesen Steinen wurde hier einst eine Burg gebaut, in einer Zeit, in der Burgen eigentlich nicht mehr der letzte Schrei gewesen sind.
Tag des offenen Denkmals: Trotz Sommerwetter zog es am Sonntag viele Besucher in Denkmäler in Stadt und Landkreis Bayreuth, die teils in Privatbesitz und sonst nicht zugänglich sind. Ein Besuch in der Vergangenheit am Beispiel von Bad Berneck.
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Auch die Ruine Hohenberneck war Ziel einiger Wanderer und historisch Interessierter, wurde doch im Zug des deutschlandweiten Tag des offenen Denkmals über die Burganlage und vor allem deren Renovierung informiert. Außerdem stand die Tür des Schlossturms offen –- das tut sie üblicherweise nicht – und bot dem, der den engen und finsteren Aufstieg nicht scheute, einen atemberaubenden Blick über Bad Berneck.
Hohenberneck wurde zu einer Zeit gebaut, als man eigentlich schon keine Burgen mehr baute, in der Zeit von 1478 bis 1502, als Amtsburg für die Markgrafen. Und die beiden kleinen Steinchen, die die siebenjährige Annabell in ihrer Hand hält, wurden damals dafür verwendet. Zwickersteine nennt man sie, erklärt Architekt Gerhard Plaß. Denn damals, zur Zeit des Burgenbaus, habe es ja noch keine Ziegel im heutigen Sinne gegeben, die Steine wurden aufeinandergeschichtet und mit einem Mörtel aus Lehm und Sand verbunden. In große Lücken wurden kleine Steine gezwickt – die Zwickersteine eben.
Hohenberneck weist Tendenzen auf, dass sich die Menschen vom Bau von Burgen verabschiedeten. Wenn man so will: Eine Burg galt damals schon als recht altmodisch. Und so zeigen beispielsweise riesige Fenster den Übergang zum Schlossbau.
„Gemeinsam Denkmäler erhalten“ war das Motto des diesjährigen Tag des offenen Denkmals. Ein Motto, das gerade in Bad Berneck greift. Der Verein historischer Stätten kümmert sich hier um den Erhalt der Burgenlandschaft. Die Vereinsmitglieder kümmern sich beispielsweise darum, dass Flieder und Efeu das verbliebene Mauerwerk nicht komplett zerstören. Denn Hohenberneck verfällt. Um das zu verhindern, wird die Ruine jetzt saniert. Noch in diesem Jahr will man die Mauer an der Rückseite des Pallas testen, wie man mit dem Mauerwerk der Hohenberneck umgehen kann. Beispielsweise müsse Bewuchs entfernt werden und die Steine neu verfugt werden.
Dabei geht es nicht darum, die Burg wieder aufzubauen, sondern darum, den derzeitigen Zustand zu sichern. Man könne die Burg nicht wieder aufbauen, ohne historischen Bestand zu verändern, sagt der Architekt Plaß. Denn in der Ruine fänden sich tatsächlich Überbleibsel aus der Bauzeit der Burg. Man sehe Flanken historischer Bögen, könne erkennen, wo Balken für eine Decke eingezogen worden waren. „Wir können hier auf Spurensuche gehen und dem Leben in der Historie nachspüren.“
Historie zu erhalten stehe oft, hier in Bad Berneck auch, im Konflikt mit dem Naturschutz. „Das Wesen einer Burg ist ja, dass man sehen kann, wer kommt. Man muss sich also eigentlich das ganze Grünzeug wegdenken“, sagt Plaß. Nur: Inzwischen gibt es hier nämlich nicht nur Burgen, sondern auch Pflanzen, die ganz besonders, also schützenswert sind.
Info: Der Verein historische Stätten wurde 2010 gegründet, ihm gehören rund 100 Mitglieder an. In diesem Jahr wurde dem Verein die Denkmalschutzmedaille verliehen.
Einen Tag des Denkmalschutzes zu etablieren, ist eine Idee, die aus Frankreich kommt. 1984 wurden dort Türen historischer Bauten geöffnet. Eine Idee, die ein paar Jahre später auch in Deutschland umgesetzt wurde. Architekt Gerhard Plaß hält diesen Schritt in die Öffentlichkeit für enorm wichtig.
Warum brauchen wir Denkmäler?
Plaß: Denkmäler geben uns ein Stück Demut gegenüber der Vergangenheit. Durch sie lernen wir, warum und wie wir entstanden sind.
Warum brauchen wir einen Tag des offenen Denkmals?
Plaß: Man hat erkannt, dass mehr nötig ist, als Denkmäler zu haben. Es ist auch wichtig, sie in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Seit wann gibt es Denkmäler?
Plaß: Das Denkmalschutzgesetz entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Denkmäler brauchen einen besonderen Schutz und sie brauchen Menschen, die sich um sie kümmern. Sonst verschwinden die Denkmäler.
Warum entstand der Gedanke eines Denkmals so spät?
Plaß: Ein Denkmal ist auch eine demokratische Angelegenheit. Wir sind alle in der Pflicht, uns um die Geschichte zu kümmern. In diktatorischen Regimen hat nur einer bestimmt, was wichtig und schützenswert ist. Es hat sich auch der Begriff des Denkmals verändert. Es geht nicht immer nur um Schlösser und Burgen, auch Technisches kann ein Denkmal sein, oder Bauernhöfe und kleinste Hirtenhäuser. Sie zu schützen ist sogar wichtig. Sie dokumentieren auch unsere Entstehung, sind aber gefährdeter als beispielsweise Schlösser, weil sie eher verschwinden, wenn etwa der Bauernhof modernisiert werden. Ein Denkmal muss auch nicht zwangsläufig alt sein. Das Münchner Olympiadstadion ist zum Beispiel ein Denkmal, weil es ein bedeutendes Bauwerk ist und die Idee dahinter, in diesem Fall ein Stück Kulturpolitik, wichtig ist.