Den Bann brechen Medi Bayreuth für wichtiges Duell in Chemnitz gerüstet

Immer für eine spektakuläre Aktion gut: Isiaha Mike (am Ball) ist wie die meisten Chemnitzer aber auch ein exzellenter Dreierschütze. Foto: /Ulf Duda/Imago Images

Ein richtungweisendes Duell steht für Medi Bayreuth an. Nach den Spielen gegen die Topteams wartet diesmal ein Gegner auf Augenhöhe.

Basketball - Ein kurzer Blick auf die Tabelle genügt, um die Wichtigkeit der Bundesligapartie am Samstag (18 Uhr) zwischen den Niners Chemnitz und Medi Bayreuth zu ermessen. Mit jeweils vier Siegen belegen der Aufsteiger und die Mannschaft von Trainer Raoul Korner den 13. und 14. Platz, wobei die Chemnitzer ein Spiel weniger ausgetragen haben. Der erste Abstiegsplatz ist gerade einmal zwei Punkte entfernt, doch auch der letzte Playoff-Platz ist in greifbarer Nähe. Es scheint sogar fast so, als wollte ihn in dieser Saison keine Mannschaft so recht haben. Momentan steht Brose Bamberg mit mehr Niederlagen (acht) als Siegen (sechs) an achter Stelle.

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„Es ist ein wichtiges Spiel“, bestätigt Raoul Korner. „Wir haben jetzt zwei Spiele in den nächsten drei Runden gegen Teams auf einer Ebene.“ Nach einem weiteren Auswärtsspiel bei den Hamburg Towers (6.) empfangen die Bayreuther die BG Göttingen (16.). „Wir gehen aber weder in dieses Spiel rein und sagen ‚Oh mein Gott es geht Richtung Playoffs’ noch ‚Oh mein Gott es geht Richtung Abstieg’. Der volle Fokus liegt darauf, dass wir in diesem einen Spiel den Sieg holen“, sagt Korner, der sich auf kein „Was-wäre-wenn-Spiel“ einlassen will. „Es ist eng, da wird es darauf ankommen, welches Team seinen Rhythmus findet und Selbstvertrauen bekommt. Wir müssen den Erfolg hart erarbeiten und alles auf dem Feld lassen, um den Bann zu brechen und vielleicht eine Serie zu starten.“ Denn aktuell haben die Bayreuther mit acht Niederlagen in den vergangenen neun Spielen nur einen Negativlauf.

Beispiel an Ulm nehmen

Die jüngste 78:98-Niederlage gegen Bayern München will Korner aber nicht als Gradmesser hernehmen. „Das ist ein Euroleague-Playoff-Team, das mit Frust aus Mailand gekommen ist. Sie haben ihre Qualität gezeigt und uns den Zahn gezogen.“ Vielmehr gelte es, die positiven Aspekte der vergangenen Wochen nun in einem Spiel unterzubringen, und „das werden wir auch brauchen“. Chemnitz habe zwar zuletzt in Ulm (63:102) „auf die Schnauze“ bekommen, mit dem deutlichen Sieg in Hamburg (95:75) aber auch schon seine Qualität gezeigt. „Ulm hat es sehr gut gemacht und so, wie wir es uns auch vorstellen. Sie sind Chemnitz physisch und aggressiv begegnet und haben sie nicht spielen lassen.“

Was man auf keinen Fall machen sollte: die Niners zu oft von der Dreierlinie werfen zu lassen. Denn von dort haben sie mit Oldenburg die beste Trefferquote der gesamten Liga (41,7 Prozent). „Sie haben ein exzellentes Shooting von außen, werfen viel und treffen häufig. Das muss man ihnen wegnehmen“, weiß auch Korner. Dafür habe Chemnitz „nicht das große“ Low-Post-Spiel, zumal der Einsatz von Filip Stanic fraglich ist. „Sie spielen ohne richtigen Center, sondern mit mobilen Hybriden, die mehr Vier als Fünf sind. Dadurch haben sie einen Nachteil beim Defensivrebound, aber den Vorteil, dass sie viele Lücken reißen, die langsameren Gegenspieler attackieren und die Dreierschützen in Stellung bringen.“

Chemnitz mit neuem Spielmacher?

Erst am Spieltag könnte sich entscheiden, ob John Gillon sein Debüt im Niners-Trikot gibt. Der 26-jährige Aufbauspieler kam am Dienstag als Ersatz für seinen zum Jahreswechsel nach Venedig abgewanderten US-amerikanischen Landsmann Wes Clark. „Wir freuen uns sehr, einen neuen Point Guard gefunden zu haben, und hoffen, dass John uns bald schon auf dem Feld helfen kann“, wird der ehemalige Bayreuther Spieler und jetzige Chemnitzer Trainer Rodrigo Pastore auf der Internetseite des Vereins zitiert. Nach durchschnittlich 14 Punkten und 4,4 Assists in 24 Einsätzen für den litauischen Erstligisten Pieno Zvaigzdes wechselte Gillon zu Darüssafaka Istanbul, konnte beim Eurocup-Champion von 2018 jedoch nicht die Erwartungen erfüllen (4,4 Punkte und 2,6 Assists in elf Spielen). „Dies könnte sich noch als echter Glücksfall entpuppen. John hat zweifellos großes Potenzial und bringt bereits einige Erfahrung in Europa mit“, sagt Pastore und ergänzt: „Außerdem stand er bis vor Kurzem noch im aktiven Spiel- und Trainingsbetrieb. Des Weiteren zeichnen ihn seine Playmaker-Qualitäten aus und die Fähigkeit, auch in entscheidenden Situationen Verantwortung zu übernehmen.“

Für Korner spielt Gillon bei der Vorbereitung keine große Rolle: „Es macht für uns keinen Unterschied, ob er spielt oder nicht. Er wird die Spielanlage der Chemnitzer nicht verändern.“ Nur eine kleine Rolle nimmt mit gut neun Minuten Dominique Johnson ein, der einst in Braunschweig für Korner spielte. „Er ist ein Rollenspieler, ein physischer Kämpfer“, beschreibt der Medi-Coach seinen ehemaligen Schützling. Mehr zu achten gilt es sicher auf Niners-Topscorer Marcus Thornton und Isiaha Mike, der mit seinen spektakulären Aktionen in kaum einer Top Ten fehlt.

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