Ganz nah und irgendwie auch nicht David Garrett verzaubert den Volksfestplatz

Von Christina Fleischmann

David Garrett polarisiert. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Seine Fans stellte der Wundergeiger am Samstagabend auf dem Volksfestplatz vollkommen zufrieden. Nicht zuletzt wohl auch wegen der gigantischen Show mit viel Pomp auf der Bühne.

 Foto: red

Es hat sich ja schon angekündigt. Im zweiten Teil, nach der Pause, läuft er dann also ein. In einem goldglänzenden Mantel, die Kapuze weit in die Stirn gezogen, und umgeben von Fackelträgern und Sicherheitspersonal bahnt sich David Garrett seinen Weg durch die Fanblöcke auf die Bühne. „Runde 2“ kündigt ein Schild an. Seine Geige hat Garrett unters Kinn geklemmt, er spielt, während er läuft, „Eye of the Tiger“. Auf den riesigen Leinwänden an der Bühne sieht man Garrett aus verschiedenen Kameraperspektiven, von oben, von vorne. Reihenweise stehen die Zuschauer auf, machen Fotos von dem Star, der seinen Fans nun ganz nahe ist. Es ist die perfekte Show. Und das ist der ganze Abend: gute Unterhaltung.

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Als wäre er eine Legende

Das ist bei Popkonzerten ja üblich. Dass nicht unbedingt nur die Musik im Mittelpunkt steht, sondern eben der Künstler. In diesem Fall David Garrett. Um ihn geht es, schon vor seinem Auftritt. Über die Leinwände sieht man ihn hinter der Bühne, in Schwarz-weiß-Aufnahme, das wirkt ein bisschen so, als wäre er jetzt schon eine Legende. Das Orchester, die Neue Philharmonie Frankfurt, und die Band spielen schon auf der Bühne, sorgen für die dramatische Spannung. Genauso wie der Countdown, der die Zeit bis zum Erscheinen des Künstlers herunterzählt. Noch eine Minute. Die Geige hat Garrett schon in der Hand, den Kopf konzentriert gesenkt. Er läuft ein bisschen herum, ganz gelassen, tauscht kurz noch ein paar Worte mit jemandem aus. Noch 30 Sekunden. Garrett schreitet Richtung Bühne, die Kamera ist immer mit dabei, als folge sie einem Boxer in den Ring. „We will rock you“ ist das erste Lied des Abends. Der Geiger steht im Scheinwerferlicht, die Leinwände zeigen wildes Gewirbel, passend zum Rhythmus. Kamerabilder, Licht und Spezialeffekte wie Feuer- und Nebelwerfer sind perfekt getaktet.

Klassische Musik massentauglich verpackt

Wie gesagt, so eine Show kennt man von Popkonzerten, gerade von denen weltbekannter Musiker, wie David Garrett einer ist. Aber es ist doch ein bisschen anders, weil da kein Sänger auf der Bühne steht, sondern ein Geiger. Noch dazu ein sehr guter. Einer, der beim Spielen mit seinem Instrument zu Verschmelzen scheint, so leicht sieht es aus, wenn Garrett mit dem Bogen in Höchstgeschwindigkeit über die Saiten hastet. Einer wie er hat so ein Tamtam wahrscheinlich gar nicht nötig. Doch genau das ist das Konzept hinter David Garrett: klassische Musik massentauglich machen. Gerade die Geige sei geeignet für ganz verschiedene Musikstile, sagt Garrett bei seinem Open-Air-Konzert auf dem Bayreuther Volksfestplatz. Also präsentiert er sie, Lieder aus verschiedenen Genres, die jeder kennt. Alles arrangiert für die Geige und alles, auch klassische Stücke, mit Rockelementen aufbereitet. Und immer wieder kommen ein paar Tänzer auf die Bühne, zeigen einen argentinischen Tango oder schweben zum Lied „Over the Rainbow“, an weißen Tüchern befestigt, vor dem Wolkenpanorama im Hintergrund.

Alles wirkt so locker

Man hört schon mal ein beeindrucktes „Boah“ aus dem Publikum. Oder ein entzücktes „Der wirkt so normal, so auf dem Boden geblieben“. Und das stimmt auch irgendwie. Garrett steht da in Jeanshosen und Turnschuhen auf der Bühne, die Haare locker nach hinten gebunden, und redet mit seinem Publikum. Er holt zwei Zuschauerinnen auf die Bühne, beantwortet Briefe einiger anwesender Fans. Einer bekommt sogar einen Backstage-Pass, um sich nach dem Konzert ein Foto mit dem Stargeiger abzuholen. Alles wirkt locker, so spontan, so nah. Und irgendwie gerade nicht. Man wird dieses Gefühl nicht los von einer durchgeplanten Inszenierung. Denn auch wenn Garrett etwas erzählt, klingen seine Worte einstudiert, ein wenig hölzern im Tonfall. Trotzdem ist das Publikum begeistert, wenn er erwähnt, dass ihn, den weltberühmten Geiger, Menschen nicht erkennen. Dass ihm am Flughafen zwei Jugendliche mit Stift und Zettel entgegenkamen – er sich schon vorgebeugt habe – und sie an ihm vorbeigelaufen sind, um von Günther Jauch, der hinter Garrett stand, ein Autogramm zu bekommen. Solche Anekdoten machen ihn sympathisch. Das gehört dazu.