Das zweite Todesrinnla

Von Andrea Pauly

Barrierefreiheit - das bedeutet, dass jeder Mensch ohne Hilfe überall hin gelangt. Im Bayreuther Bahnhof ist das gut gelungen. Mit einer Ausnahme: wenn es um die Züge nach Nürnberg geht.

Nicht jeder Fahrgast kann locker die Lücke zwischen Zug und Bahngleis überwinden. Für Senioren oder Menschen mit Behinderung ist der Übergang eine echte Herausforderung. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Immer wieder beschweren sich ältere oder körperlich eingeschränkte Fahrgäste beim VdK-Bezirksvorsitzenden Roland Sack. Und diese Kritik hat keine baulichen Gründe: Der Bahnhof selbst sei mit dem Fahrstuhl und dem flachen Zugang wunderbar. „Das nutzt aber alles nichts, wenn man versucht, mit dem Koffer oder Stock in der Hand in den Zug nach Nürnberg zu steigen“, sagt er. „Kraft, Geschick und sehr viel Mut gehören dazu, den breiten Spalt zwischen Zug und Bahnsteig zu überwinden und die steilen Einstiegstreppen zu erklimmen.“

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Ein großer Schritt für die Menschen

Das Problem ist der Zugtyp: Die früheren Pendolino-Züge haben einen hohen Einstieg. Ganz anders sehe das in Nürnberg aus, wenn die Elektrozüge ihre Podeste ausfahren und den Bahn-Kunden „einschweben“ ließen. Auch mit den Zügen von Agilis in Richtung Lichtenfels und Weiden sei die Fahrt bequem.

Bis 2023 keine Änderung in Sicht

Von Montag bis Freitag sind nach Angaben des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) täglich 31 Züge von Bayreuth nach Nürnberg unterwegs - grob gesagt zwei pro Stunde. Diese Verbindungen nach Nürnberg werden weiterhin eine Herausforderung für Menschen mit Einschränkungen sein: Der Vertrag für den Betrieb dieser Strecke ist nach Angaben der DB bis 2023 abgeschlossen. „Das heißt, bis dahin werden diese Fahrzeuge nach aktuellem Stand auch noch im Einsatz sein“, sagt der Sprecher der Deutschen Bahn.

Mitarbeiter sollen helfen

Die Bahn versucht, das Problem zu lösen, indem Mitarbeiter den Fahrgästen Unterstützung anbieten: „Wir haben in Bayreuth Servicepersonal vor Ort“, sagt der Bahn-Sprecher. „Eingeschränkte können immer um Hilfe bitten.“ Auch Zugbegleiter würden beim Aussteigen helfen, wenn sie bei der Fahrkartenkontrolle darum gebeten werden. Außerdem bestehe immer die Möglichkeit, die Fahrt anzumelden über die Mobilitätsservice-Nummer 01806-996633 - dann sei auf jeden Fall ein Helfer vor Ort.

Barrierefreie Bahnhöfe in Bayern

Von 1017 Bahnhöfen und Haltestellen in Bayern sind nach Angaben der Deutschen Bahn mittlerweile 400 barrierefrei. Weil dazu auch die größten Bahnhöfe gehören, erreichen mehr als 80 Prozent der Reisenden im Freistaat die Bahnsteige ohne Hindernisse, sagt der Bahn-Sprecher. Um weitere Bahnhöfe barrierefrei zu gestalten, haben der Freistaat und die Deutsche Bahn ein Aktionsprogramm vereinbart. Das so genannte Bayern-Paket II beinhaltet zwölf Bahnhöfe. Davon sollen acht zwischen 2019 und 2021 barrierefrei ausgebaut und vier weitere bis zur Baureife geplant werden. Dazu zählen bis 2021 die Bahnhöfe in Ansbach und Pleinfeld; der Umbau der Bahnhöfe Amberg, Pegnitz und Fürth wird bis zur Baureife geplant.