Das Ukraine-Tagebuch „Ein kleines Steck-Eis mitten im Krieg“

Alexander Wunner
Thomas Simmer mit seiner Tochter Sofia und Mutter Irina. Foto:  

Der aus dem Raum Kulmbach stammende Thomas Simmler hält sich seit Kriegsbeginn im Süden der Ukraine auf. Diesmal erzählt davon, wie wichtig ein kleines Zeichen von Normalität ist – erst recht mitten im Krieg.

Wer glaubt, dass für die Menschen in der Ukraine irgendetwas in ihrem Leben normal ist, den muss ich enttäuschen. Nichts ist normal. Der Krieg macht einen verrückt. Die Ängste und Sorgen, der ständige Luftalarm, die Nachrichten aus dem Osten über die Toten und über die Angriffe, die dieser Wahnsinnige im Kreml zu verantworten hat – all das hat das Leben komplett verändert.

Und doch will ich heute etwas über „Normalität“ sprechen. Über das, was auch im Leben hier passiert. Nebenbei quasi. Und was trotzdem Realität ist. Die Hitze zum Beispiel. In der Ukraine ist es normal, dass die Temperaturen von Mai bis September weit über 30 Grad betragen. So wie dieser Tage in Deutschland, so ist es hier im Süden des Landes im Sommer immer. Klar, dass vor allem bei den Kindern Eis hoch im Kurs steht.

Sie holen sich alle Steck-Eis am Kiosk und sind glücklich damit. Eisdielen gibt es hier keine, schon gar keine italienischen. Bei den Pizzerien ist es so, dass Ukrainer sie betreiben. Ich reise ja seit vielen Jahren beruflich durch die Region hier. In Moskau habe ich vor 16 Jahren in Moskau meine erste Pizza gegessen. Die war ganz schön gruselig. Inzwischen ist das anders. Die Pizza schmeckt überall. Und sie ist nicht anders belegt wie bei den Italienern in Deutschland.

Schwieriger wird es, wenn man Lust auf andere Länder hat. In Dnjepropetrowsk hatte ich vor Jahren einmal Heißhunger auf etwas griechisches. Ich habe gegoogelt und die ganze Stadt abgesucht, aber: Nicht ein griechisches Lokal, auch nicht in dieser Millionenstadt. Am Ende bin ich bei einem Armenier gelandet – dort war es toll.

Protokoll: awu

 

Bilder