Das Nikosia der BBL Medi Bayreuth reist aus Zypern nach Hamburg

So überfordert wie hier gegen Bamberg (rote Trikots) waren die Hamburg Towers oft in dieser Saison. Michael Carrera (Nr. 42), der mit 13 Punkten und sieben Rebounds in 16:33 Minuten sein bestes BBL-Spiel machte, soll jetzt beim Aufsteiger für den Umschwung sorgen. Foto: Imago Images

BASKETBALL. Es scheint nur eine Frage der Höhe zu sein, wenn Medi Bayreuth am Samstag um 20.30 Uhr in Hamburg bei den Towers antritt. Der ambitionierte Emporkömmling präsentierte sich bislang wenig bundesligatauglich und ziert nur deswegen nicht das Tabellenende, weil der Mitteldeutsche BC zwei Minuspunkte mehr auf dem Konto hat.

 

Bei der Korbdifferenz (-158) sind die Hansestädter, die ihre Spiele im Schnitt mit 23 Punkten Unterschied verlieren, hingegen klares Schlusslicht und weisen starke Parallelen zum Bayreuther Europe-Cup-Gegner Apoel Nikosia auf.

Mithalten konnten sie bisher nur beim einzigen Sieg (am dritten Spieltag 79:75 in Gießen), beim 78:83 in Frankfurt und beim 87:93 gegen Göttingen, wobei die Towers zur Halbzeit schon mit 34:61 zurücklagen. „Ein flauer Start hat nichts mit Spielsystem oder Taktik zu tun. Da geht es um unser Team und die Wettkampfmentalität“, bemängelte Trainer Mike Taylor nach dem jüngsten Heimspiel. „Die Fans verdienen ein Team, das den Kampfgeist im dritten Viertel 40 Minuten zeigt.“

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Hoffnungslos unterlegen

Die erhoffte Reaktion blieb jedoch aus. Beim 69:102 in Ulm präsentierten sich die Hamburger zuletzt ebenso überfordert wie zum Auftakt in München (55:111), beim 83:104 gegen den MBC und beim 59:89 gegen Bamberg. Und wieder kritisierte Taylor die Einstellung. „Wenn die Ulmer nach der Pause, nach einer Führung mit 22 Punkten, mit mehr Kampfgeist aufs Feld zurückkehren, ist das inakzeptabel. Wir müssen schnell auf Bundesliganiveau kommen, nicht irgendwann, möglichst schon am nächsten Sonnabend zu Hause gegen Bayreuth“, sagte der 47-Jährige nach der Niederlage bei seinem Ex-Verein.

Lange hatte es überhaupt gedauert, bis Hamburg auch im Basketball eine Bundesligamannschaft hatte. Als Pro A-Meister sind die erst 2013 gegründeten Towers – schon damals hatte Pascal Roller große Pläne mit dem Klub aus dem südlichen Stadtteil Wilhelmsburg – nach dem Rückzug der Freezers aus der DEL vor drei Jahren, dem Abstieg des HSV in die zweite Fußball-Bundesliga (2018) und der Insolvenz der Handballer (2016) jetzt sogar der einzige Erstligist in den vier „großen“ Sportarten in der mit etwa 1,8 Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt Deutschlands.

Zwei Nachverpflichtungen

Damit das nicht bald schon wieder Geschichte ist, hat der jetzige Towers-Geschäftsführer und Rollers ehemaliger Nationalmannschaftskollege Marvin Willoughby erneut Geld in die Hand genommen und nach dem ehemaligen NBA-Profi Jorge Gutierrez auch den in Bamberg nach kurzer Zeit wieder vor die Tür gesetzten Michael Carrera nachverpflichtet. Ob jedoch der als Kämpfer und vielseitig geltende Flügelspieler für den Umschwung sorgen kann? Mike Taylor ist seit der Weltmeisterschaft in China, wo er mit der polnischen Nationalmannschaft erst im Viertelfinale am späteren Titelträger Spanien scheiterte (78:90), jedenfalls ein großer Fan des 26-jährigen Venezolaners. „Es ist mir sofort ins Auge gefallen, mit welcher Energie Michael spielt. Sein Motor läuft immer auf Hochtouren, er gibt alles.“

Aber wenngleich die Hamburger in zahlreichen Statistiken Letzter sind, eine führen sie dann doch sogar an: Mit 26,5 Versuchen pro Spiel stehen sie am häufigsten an der Freiwurflinie.

Für die Bayreuther ging es gestern aus Zypern direkt in die Hansestadt. „Es ist gut, dass wir zwischen den zwei wichtigen Spielen gegen Bonn und Hamburg kein emotionales Hoch mehr haben“, hatte Trainer Raoul Korner gesagt, nachdem das Erreichen der zweiten Gruppenphase im Europe Cup bereits nach dem Sieg in Pristina feststand. Obwohl die Partie bei Apoel Nikosia keinerlei Bedeutung mehr hatte, war der 45-Jährige mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden: „Unter dem Strich haben wir das Spiel gewonnen, die Spielzeit gut auf alle zwölf Spieler aufgeteilt und die Spieler schonen können, die wir auch schonen wollten. Zudem hat sich niemand wehgetan, daher kann man das Spiel letztendlich als Erfolg verbuchen.“

Letztes Spiel von Justin Raffington

Zu diesen zwölf Spielern gehörte auch Justin Raffington, der bei seinem Ex-Klub in Hamburg letztmals das Medi-Trikot tragen wird, wie Geschäftsführer Björn Albrecht bestätigt. Dann endet der Vertrag des Seiferth-Vertreters. Eine positive Tendenz gebe es hingegen, Nate Linhart bis zum Saisonende verpflichten zu können. Schließlich waren die anvisierten 20 000 Euro bereits gestern, also sieben Tage vor Ende der Crowdfunding-Aktion beisammen. „Wir freuen uns, dass die Aktion so gut angenommen wird, aber das alleine reicht nicht aus. Jeder weitere Euro hilft, und es gibt intensive Gespräche mit Partnern und Sponsoren, um den Rest auf die Beine zu stellen. Mitte nächster Woche sollten wir ein klares Bild haben.“

 

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