Wenn’s dringend ist, muss der Hausarzt helfen
In einigen Punkten sind sich Megerle und Heinz mit der Ministerin aber einig: Gesetzlich Versicherten müsse klar sein, dass sie sich Zeit nehmen müssten, wenn sie einen nicht dringenden Termin beim Facharzt brauchen. In vielen Fällen kämen Patienten trotz vereinbarter Termine nicht und blockierten so Arzttermine, sagt Heinz.
Dass eine Patientin bei zehn Frauenärzten keinen Termin bekommt, „ist nicht zufriedenstellend“, sagt Huml. Megerle stellt klar: Eine Versicherte könne es sich nicht aussuchen, dass sie eine Frau als Frauenarzt haben wolle. Wenn die KV ihr einen männlichen Frauenarzt vermittle, habe sie ihren Auftrag, ärztliche Versorgung zu gewährleisten, erfüllt. Eine Befragung im Raum Bayreuth vor wenigen Monaten habe ergeben, dass bei Frauenärzten noch Kapazitäten frei seien, sagt Dr. Heinz. Einen Termin beim Nervenarzt in Bayreuth zu bekommen, sei dagegen „ein echtes Problem“, sagt Megerle. Aber auch hier gelte: Wenn ein Arzt erkenne, dass kurzfristig und dringend behandelt werden müsse, wird er zum Telefon greifen und den Kollegen der Fachrichtung persönlich anrufen. Das funktioniere meist innerhalb von zwei bis drei Wochen. In Notfällen gebe es das Nervenkrankenhaus.
Fachärzte gehen demnächst in den Ruhestand
Ärzte und Ministerin raten Versicherten, die keinen Facharzttermin bekommen, sie sollten sich auf jeden Fall zuerst an die Terminservicestelle wenden. Wenn ihnen dort nicht geholfen werden könne, auch an die KV direkt, die dann den Kontakt zu Kollegen herstelle.
Nach Ansicht von Brendel-Fischer sind die ihr geschilderten Wartezeiten und vergebliche Suchen nach Fachärzten unhaltbare Zustände. „Das ist ein großer Auftrag an die neue Koalition in Berlin, diese Missstände abzuschaffen“, sagte sie. In Deutschland, nicht nur in Bayern, müssten deutlich mehr Medizinstudienplätze geschaffen werden. Der Freistaat könne das nicht alleine stemmen, ein Medizinstudienplatz koste 250 000 Euro.
Unterstützt wird Brendel-Fischer von Gesundheitsministerin Huml. „Oberfranken ist derzeit zwar gut versorgt, aber wir brauchen mehr Ärztenachwuchs“, sagte sie. Andernfalls dürfte sich das Problem verschärfen. Viele Fachärzte würden demnächst in den Ruhestand gehen. Im Raum Bayreuth sind Frauenärzte mit 55,9 Jahren im Schnitt zweieinhalb Jahre älter als in Bayern und gehen entsprechend früher in den Ruhestand. Spätestens dann dürfte aus dem gefühlten ein akuter Facharztmangel werden.