Das ISEK, ein ambitioniertes Projekt Schöner, besser, moderner

Bereits abgeschlossen ist die energetische Sanierung des Alten Rathauses.Die Skateanlage bei der Realschule, ein beliebter Treffpunkt für die junge Generation – bis Corona kam. Foto: Udo Fürst

Vier Jahre nach dem Start: Was macht eigentlich das „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“?

Pegnitz - Es ist modern, bestimmte Begriffe mit Zahlen zu kombinieren: „Web 2.0“, „Windows 3.0“ oder „Klimaschutzplan 2050“ sind Begriffe, mit denen man neue Errungenschaften oder überarbeitete Methoden in vielen Bereichen bezeichnet. Auch Pegnitz hat für seine Zukunftsplanung einen solchen Namen gefunden: „Integriertes Stadtentwicklungskonzept (Isek) Pegnitz 2030“ heißt das ambitionierte Vorhaben, das vier Jahre vorbereitet und 2017 vom damaligen Stadtrat auf den Weg gebracht wurde. Was ist seither geschehen, was läuft derzeit und was ist geplant?

„Das Isek soll als Entscheidungs- und Handlungsgrundlage für die zukünftige Entwicklung der Stadt Pegnitz dienen. Es ist somit als zentraler Meilenstein im Hinblick auf die strategische Ausrichtung eines nachhaltigkeitsorientierten Stadtentwicklungsprozesses zu sehen. Die herausgearbeiteten Leitlinien, Ziele, Strategien sowie Handlungsschwerpunkte bilden in der Zusammenschau als Masterplan Pegnitz 2030 eine konzeptionelle Basis der Stadtentwicklung für die kommenden 15 bis 20 Jahre“, schreibt die Stadt auf ihrer Homepage. Als „Isek der Superlative“ und das teuerste, das ihm bekannt sei, bezeichnete Günther Neuberger, zuständig für die Städtebauförderung bei der Bezirksregierung, 2017 das Pegnitzer Projekt. „Jede Kommune braucht ein Stadtentwicklungskonzept. Es ist es eine Bedienungsanleitung, wie die künftigen Aufgaben bewältigt werden sollen“, sagte Neuberger. Erarbeitet hatte das Isek das Bayreuther Büro Klimakom mit Sabine Hafner und Manfred Miosga an der Spitze.

Ein Entwicklungskonzept sei aus einem weiteren Grund unersetzlich, sagt Bürgermeister Wolfgang Nierhoff. „Ohne Isek hast du als Kommune kaum Chancen auf eine finanzielle Förderung durch den Staat.“ Jüngstes Beispiel sei die Sanierung der Christian-Sammet-Halle, für die man bei Gesamtkosten von 1,6 Millionen Euro satte 1,2 Millionen Euro Zuschuss bekommen habe. „Ohne Isek wäre das wohl kaum möglich gewesen“, sagt Nierhoff. Bauamtsleiter Manfred Kohl legt eine sechsseitige Liste mit größtenteils schon erledigten beziehungsweise begonnenen Projekten auf den Tisch. Es ist die Quintessenz aus dem 663 Seiten dicken Buch, in dem das komplette Integrierte Stadtentwicklungskonzept niedergeschrieben ist. Die Aufzählung beginnt bei „Demografie, soziale Infrastruktur, Schule & Gesundheit“ und geht bis „Wohnen & Lebensqualität, Ortsteilentwicklung und Zusammenhalt Ortsteile und Kernstadt“. Konkret gehören zu den Isek-Projekten unter anderem das Innenentwicklungsmanagement zur Revitalisierung des Leerstands und die Aktivierung von Flächenreserven, der Bahnhof und dessen Umfeld mit der Anbindung an die Innenstadt, das Radwegenetz, der Freizeitpark mit Seenlandschaft beim Cabriosol, ein Naherholungsgebiet in den nördlichen Flussauen und am Schlossberg, die Dorferneuerung in den Ortsteilen Bronn, Buchau, Hainbronn, Horlach und Willenreuth, ein Leerstandsmanagement Einzelhandel, ein kommunales Gebäudemanagement oder diverse Baumöglichkeiten.

Vier Jahre wurde des Isek auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Uwe Raab vorbereitet und geplant, ehe es im April 2017 vom Stadtrat einstimmig verabschiedet wurde. Vorher gab es einen städtebaulichen Ideenwettbewerb, 43 Ortsspaziergänge, bei denen Bürger ihre Wünsche, Vorschläge und Klagen äußern konnten, diverse Expertenrunden, Arbeitskreise und eine Stadtratsklausur. Trotz der angespannten finanziellen Situation der Stadt führte der neue Stadtrat mit Bürgermeister Wolfgang Nierhoff an der Spitze die einzelnen Projekte mehr oder weniger nahtlos fort. „Es ist halt als Konsolidierungskommune immer auch ein Abwägen zwischen kann, sollte oder muss“, betont Nierhoff, erinnert aber noch mal daran, dass ohne ISEK wohl viel weniger wichtige Vorhaben realisiert werden könnten.

Ist das Ziel 2030 realistisch? „Ja klar“, sagt Nierhoff, schränkt aber etwas ein: „Manche Projekte können nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt beendet sein. Die laufen immer weiter, der Radwegebau oder be­stimmte touristische Maßnahmen zum Beispiel.“ Insgesamt aber sei er zuversichtlich, dass man den Großteil des Konzepts bis in neun Jahren umsetzen könne. „Wir sind ja noch im ersten Drittel.“

Info: Die Stadt stellt die Projekte des Entwicklungskonzepts allen Interessierten am Tag der Städtebauförderung am Sonntag, 8. Mai, detailliert vor: Dann wird man die Schaufensterflächen im ehemaligen Modehaus Schwarz mit Bildern, Plänen, Grafiken und mehr gestalten und so den Bürgerinnen und Bürgern einen detaillierten Einblick darüber ermöglichen, wie ihre Stadt der Zukunft einmal aussehen soll. „Leider können wir wegen Corona keine größere Ausstellung oder Veranstaltung anbieten. Aber auch so kann man sich ein gutes Bild von unserer Arbeit machen“, sagt Bürgermeister Wolfgang Nierhoff. Die Städtebauförderung unterstützt seit 1971 Kommunen bei 9300 Gesamtmaßnahmen in 3900 Städten und Gemeinden mit insgesamt 19,3 Milliarden Euro. Heuer sind weitere 790 Millionen Euro Zuschüsse geplant.
 

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