„Wir stoßen trotz unserer Größe an unsere Grenzen“, sagt Ruckdeschel. Die Betriebsabläufe seien zwar nicht gefährdet, „aber wir müssen täglich nachjustieren“. Nicht nur in der Pflege, einem Standbein der BRK-Palette. Damit verbiete sich jeder Gedanke an neue Projekte. Denn es fehle nun mal an allen Ecken und Enden an Fachkräften, der gerne zitierte Notstand sei keine Mär, sondern Tatsache. Das bestätigt auch sein Stellvertreter Richard Knorr, Hauptverantwortlicher für den Bereich Pflege: „Wir übernehmen Fälle im Zuge laufender Kooperationen, aber mehr können wir im Moment nicht leisten, unsere Kapazitäten sind erschöpft.“

"Ende Fahnenstange"

Etwa im Bereich Bad Berneck, hier sei die Grenze erreicht. Und, ja im Raum Creußen sei das BRK eingesprungen bei der Betreuung, um personelle Engpässe bei der Diakonie Pegnitz zu kompensieren – aber auch da: „Ende Fahnenstange“.

Immer wieder Anfragen

Jede Form einer Expansion sei in der Regel personalintensiv, ergänzt Ruckdeschel, „wir müssen einfach sehen, was machbar ist“. Aktuell jedenfalls keine neuen fest verankerten Stationen für ambulante Pflege, kein Bau von Einrichtungen zur Tagespflege. Auch wenn da natürlich immer Anfragen von Gemeinden kämen, wie vor einem Jahr aus Hollfeld.

Zwei Dutzend Leute fehlen

Was mittel- oder langfristig denkbar ist: „Eventuell eine Investition in den Bereich betreutes Wohnen, da ist der Personalaufwand deutlich geringer.“ Aber auch das sei zurzeit noch kein Thema. Klar, „Lücken“ ließen sich durchaus füllen mit Pflegehilfskräften. Die könnten auch aus anderen Branchen kommen, „bei denen es hinkt“. Aber nicht jeder sei auch für dbayreuen Pflegeberuf geeignet, „da gehört schon auch die Berufung dazu“. Und funktioniere das, komme zwangsläufig das nächste Problem: „Steigt die Quote bei den Hilfskräften, muss auch die Quote der Fachkräfte parallel nach oben gehen, so will es der Gesetzgeber.“ Und da sei man eben wieder beim Stichwort Notstand. Der BRK-Kreisverband könnte ohne weiteres zwei Dutzend zusätzlicher Mitarbeiter im Pflegesektor gebrauchen, „das ist schon eine Hausnummer“.

Tropfen statt Wasserstrahl

Ruckdeschel drückt sich plastisch aus: „Wir müssten ein Wasserbassin füllen, doch im Moment tröpfelt es nur aus dem Hahn.“ Einige dieser „Tropfen“ kommen aus einer Kooperation mit Mazedonien, „dort gibt es viele Menschen, die gerne bei uns arbeiten würden“. Drei seien auch schon da, integrierten sich vorbildlich, hätten rasch Deutsch gelernt. Aber: „Der bürokratische Aufwand, der Kontakt mit ganz verschiedenen Behörden und Ämtern kostet immens viel Zeit.“ Hier sei schlichtweg die Politik gefragt, diese Prozesse zu vereinfachen – „weil die ja auch unsere tägliche Arbeit massiv beeinträchtigen“. Ausländeramt und Jobcenter hier, zentrale Arbeitsvermittlung und Einwohnermeldeamt dort – „so läuft das in jedem Einzelfall wir brauchen da einen schnelleren Vollzug“. Wobei der Kontakt zu den Ämtern „schon gut läuft, da können wir uns nicht beklagen“. Aber das Ganze sei einfach „zu komplex“.

Die Projekt mit Seni-Vita

Komplexer als gedacht erwies sich auch die Kooperation mit dem Unternehmen Seni-Vita. Sie wurde 2018 vereinbart, bezog sich auf Seniorenheime in Gefrees, Hummeltal und Pegnitz. Angedacht war, nicht nur ambulante, sondern auch die Tagespflege durch das BRK zu stemmen, sagt Richard Knorr. Das Modell sei aber nicht so umsetzbar gewesen wie gewünscht, ergänzt Ruckdeschel: „Die Verknüpfung zwischen beiden Bereichen rechnete sich nicht, die erwarteten Synergieeffekte blieben aus.“ Daher konzentriere sich das BRK nun ausschließlich auf die ambulante Betreuung. Auch den in Gefrees gestarteten Versuch, die Versorgung der Patienten mit Essen zu übernehmen, habe man schließlich ad acta gelegt.

Mehr als genug Aufgaben

Der Kreisverband habe auch so genügend Aufgaben zu bewältigen, wie etwa die Erweiterung und Modernisierung des Altersruhesitzes in Bayreuth. „der muss an aktuelle Bedürfnisse angepasst werden“. Zum Beispiel durch lichtdurchflutete Räume für demenzkranke Menschen. Von all den Möglichkeiten, die eine konsequente Digitalisierung bieten würde, will Ruckdeschel gar nicht weiter reden, auch da gebe es noch viel zu viele Schnittstellen, ließe sich vieles vereinfachen im Geflecht zwischen Ärzten, Apotheken und den Heimen mit ihrem überlasteten Personal. Und auch hier sei die Politik gefragt, endlich zu handeln.