Darum hat es gekracht: Polizei und Straßenverkehrsamt legen Verkehrsstatistik vor Unfallflucht in Bayreuth auf Rekordhoch

Von Katharina Wojczenko

Mehr Unfälle mit Schülern, deutlich mehr Fälle von Unfallflucht - und ein einziger Ort, an dem es gehäuft gekracht hat: Die Verkehrsstatistik 2015 birgt Überraschungen und eine gute Botschaft.

Das Gute zum Beginn: Die Gesamtzahl der Unfälle ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgeganegn - auf 2272 Unfälle.

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Trauriger Rekord: Erstmals seit Erhebung der Verkehrsstatistik hat es in der Stadt Bayreuth mehr Unfallfluchten gegeben als Verkehrsunfälle, bei denen der Verursacher bekannt war. "Unfallflucht ist ein Riesenproblem", sagt Heinz Pfister, der Leiter des Straßenverkehrsamts. Anders als die Polizei zieht Pfister bei seiner Statistik Kleinunfälle und Unfälle auf der Autobahn ab.

Von den 855 Unfällen im Stadtgebiet waren demnach 54 Prozent, in denen sich der Verursacher aus dem Staub machte und nur der Geschädigte bekannt ist. Ein Großteil dieser 459 Fälle waren Parkplatzrempler. Wer sein Auto mag, sollte die Parkplätze am Real und am Klinikum meiden, laut Pfister mit Abstand die Rempler-"Hotspots" von Bayreuth. Die Aufklärungsquote lag laut Polizei bei knapp 38 Prozent, bei den Unfällen, bei denen es Verletzte gab, bei 50 Prozent.

Der Unfallschwerpunkt:Im Vorjahr gab es davon noch vier. 2015 ist noch einer übrig - und der ist ein alter Bekannter: die Kreuzung Nürnberger Straße/Dr.-Konrad-Pöhner-Straße. 13 Mal hat es im vergangenen Jahr dort gekracht. Zum Vergleich: 2014 kam es dort zu sieben Unfällen. Das Problem ist immer noch dasselbe: die Linksabbieger. Sechsmal gab es Kollisionen mit dem Gegenverkehr. Sechs Autofahrer haben die rote Ampel ignoriert, als sie aus der Nürnberger Straße kamen. Die Ampel funktioniert einwandfrei. Zu schnell ist kaum ein Autofahrer dort, sagt Heinz Pfister. Diese frühere Vermutung habe eine Messung widerlegt.

Aber die Autofahrer unterschätzen immer noch die Geschwindigkeit der entgegenkommenden Autos. Die meisten Unfallfahrer gaben zu Protokoll, sie hätten den Gegenverkehr übersehen. "Bei einem 32-Tonner kann man sich schon fragen, wie das möglich ist", sagt Pfister. Im Verkehrsausschuss kamen daher am Montag zwei alte Ideen wieder aufs Tapet: ein Kreisverkehr, der allerdings zweispurig sein müsste und einen gewaltigen Umweg für Radfahrer und Fußgänger bedeuteten würde - oder eine Ampelschaltung speziell für Linkabbieger.

Dann müsste die folgende Ampel zur Autobahn ebenso für Linksabbieger geschaltet werden. Für diese ist das staatliche Bauamt verantwortlich - und auch dort passieren häufig Unfälle. Am Mittwoch wird Pfister bei einem Treffen mit dem Staatlichen Bauamt darüber sprechen. Was schon passiert ist: Die Ortstafel steht früher und das Tempo-70-Schild rückt näher an den Verkehr.

Gefährlicher Schulweg: Die Zahl der Unfälle auf dem Schulweg hat sich von einem auf sieben erhöht, was die Stadträte im Verkehrsausschuss alarmierte. Neun Schüler wurden dabei 2015 verletzt. Leicht, wie Polizist Wolfgang Moder betont. Konkrete Verbesserungsvorschläge hat er nicht: Dazu sind die Orte und Unfallhergänge zu verschieden: Manche verletzten sich, weil der Schulbus abrupt bremsen musste. Manche missachteten die Vorfahrt beim Radfahren, andere hatten einen Unfall, als sie zu Fuß unterwegs waren. Daher nur Moders allgemeiner Rat: mit Verkehrserziehung und Schulwegtraining weitermachen.

Weniger Rad-Unfälle: Nach dem Hoch im Vorjahr sind 2015 wieder weniger Fahrradfahrer verunglückt: Bei 96 Unfällen wurden 82 Radler verletzt (2014: 113 mit 97 Verletzten). Bei mehr als der Hälfte war der Radler allein- oder mitschuldig - und in neun Fällen war er betrunken.

Mehr Fußgänger-Unfälle: Autofahrer sollten langsamer fahren, wenn sie Kinder und alte Menschen sehen, sagt Polizist Moder. Dann würde ein Grund für die gestiegenen Unfälle mit Fußgängern wegfallen. Bei den 51 Unfällen (20 mehr als 2014) haben in 16 Fällen die Fußgänger den Unfall verursacht. Insgesamt wurden 44 Menschen verletzt.

Alkohol und Drogen: Die Unfälle unter Alkoholeinfluss blieben mit 27 fast unverändert. Drogen- und Medikamentenmissbrauch spielt auch 2015 kaum eine Rolle: Nur bei einem Unfall war ein Fahrer auf Droge. Das führt die Polizei auch darauf zurück, dass die Stadt bei Drogenmissbrauch schnell den Führerschein entzieht.

Mehr Schwerverletze: Die Gesamtzahl der Unfälle ist leicht gesunken (2272), ebenso die Zahl der Verletzten. Aber: Deutlich mehr Menschen haben sich schwer verletzt. Waren es 2014 noch 41, sind es im vergangenen Jahr 64 Menschen. Eine Frau starb bei einem Verkehrsunfall. Allerdings ohne Fremdeinwirkung. Die betagte Dame fiel vom Fahrrad und starb an den Folgen ihrer Kopfverletzung.

Info: Unfallschwerpunkt neu definiert

Die Definition von Unfallschwerpunkt hat sich seit der letzten Statistik verschärft. Waren 2014 noch drei gleichartige Unfälle an derselben Stelle Kriterium, sind es mittlerweile fünf. Würden die alten Kriterien noch gelten, hätte Bayreuth zwei weitere Unfallschwerpunkte: den Berliner Platz und die Kreuzung Spitzwegstraße/Adolf-Wächter-Straße. Hier krachte es jeweils drei Mal, weil Fahrer die Vorfahrt missachteten.