Dann 9500 Corona-Schnelltests pro Woche Zwei neue Testzentren für Bayreuth

In der Bayreuther Feuerwache, von wo aus der Katastrophenschutz koordiniert wird, stehen die Paletten mit den Corona-Schnelltest bereit. Harald Burkhardt (links), der Leiter des Ordnungsamts der Stadt, und und Michael Kilchert zeigen die verschiedenen Verpackungen. Foto: Münch

Die Lager sind voll. 95.000 POC-Schnelltests warten in Bayreuth auf ihren Einsatz. Das THW hat sie in den vergangenen Tagen geliefert. Ab nächster Woche soll es für sie zwei neue Testzentren geben – zusätzlich zu dem in Aichig. 9500 Menschen können dann pro Woche getestet werden.

Bayreuth - Das Technische Hilfswerk (THW) ist Stammgast an der Feuerwache. Es liefert Point-of-Care (POC)-Schnelltests. Sie sollen für jeden kostenlos sein. So will es die Bundesregierung. Bayreuth ist vorbereitet.

„Wir haben jetzt 95 000 Tests hier“, sagt Harald Burkhardt, Leiter des Ordnungsamts. Er gehört zur Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK), die die Corona-Aktivitäten der Stadt koordiniert. Das Ziel: mehr Test-Möglichkeiten. An drei verschiedenen Standorten.

„Wir haben genügend Tests eingelagert“

„Seit Tagen laufen alle Räder auf Hochtouren, um die POC-Tests an den Bürger zu bringen“, sagt der Leiter des Katastrophenschutzes, Rechtsreferent und berufsmäßiger Stadtrat Ulrich Pfeifer, am Mittwoch in der Stadtratssitzung in der Schlossgalerie. Die Räder scheinen zu greifen. „Wir haben jetzt genügend Tests eingelagert, um pro Woche etwa 9500 durchzuführen.“

Neben dem bestehenden Testzentrum im Gemeinschaftshaus Aichig soll es ab der ersten März-Woche zwei weitere geben. Eines organisiert die Stadt auf dem La Spezia-Platz. Die Tests führt das Bayerische Rote Kreuz (BRK) durch. Ein zweites kommt ins Rotmain-Center. Dort, wo sonst der Brunner Bäcker verkauft. Erreichbar über den Seiteneingang zur Rotmainhalle. Organisiert vom Team der Apotheke im Rotmain-Center. Tests und Schutzkleidung stellt die Stadt.

Pfeifer antwortet auf BG-Antrag

Die beiden Orte seien perfekt, findet Ulrich Pfeifer. Fußläufig gut erreichbar, an den Nahverkehr angeschlossen und mit Parkplätzen in der Nähe. Bis zu 9500 Tests pro Woche sind in den dann drei Testzentren möglich. Inklusive der Tests in Altenheimen, derzeit etwa 400 am Tag. Jeder über 18 kann sich kostenlos testen lassen.

Mit der Ankündigung neuer Zentren antwortet Pfeifer auch auf einen Dringlichkeitsantrag der BG-Stadtratsfraktion. Sie findet, Bayreuth müsste mehr tun, um Gaststätten und Einzelhandel eine schnellere Öffnungsperspektive zu geben. „Wir wollen vorbereitet sein für den Fall, dass es wieder losgeht“, sagt Karsten Schieseck, der den Antrag mit Frank Hofmann gestellt hat.

BG: Appelle reichen nicht

Dass es eine Öffnungsperspektive geben muss, findet auch Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU). Er appelliere ständig an Bund und Land. Den Antragsstellern der BG ist das zu wenig. „Es muss deutlich mehr getan werden, als zu appellieren“, schreiben sie. Konkret fordern sie die Stadt auf, zusammen mit dem Landkreis Bayreuth eine eigene Öffnungsstrategie zu entwickeln.

Die BG will, dass jeder Kunde und Gastronomiebesucher mindestens zweimal wöchentlich getestet werden kann. Außerdem fordert sie einen Stufenplan für Lockerungen. Bereits bei 75 sollen ein Verkäufer und ein Kunde ins Geschäft dürfen; zwischen 60 und 74 zwei Kunden pro Verkäufer. Und zwar nach Voranmeldung über die „Click-and-meet“-Taktik.

Alles Weitere kann eine Kommune nicht regeln

Ulrich Pfeifer hält zwar die Dringlichkeit des Antrags für gegeben, was auch alle Stadträte befinden. Inhaltlich widerspricht er der BG vehement. „Wir sind gerüstet“, sagt Pfeifer. „Wir haben die Testmöglichkeiten längst auf die Reihe gebracht.“ Alles Weitere könne die Kommune nicht regeln. Öffnungen per Allgemeinverfügung seien laut aktuellen Gesetzen frühestens unter einer Inzidenz von 50 denkbar. „Davon sind wir meilenweit entfernt.“ Ein Bayreuther Sonderweg sei gefährlich. „Wenn jede Kommune selbstständig handelt, erzeugen wir einen gnadenlosen Konkurrenzkampf, was Deutschland in eine größere Katastrophe führen würde.“

Zustimmung von OB Ebersberger. „Wir wollen keinen Einkaufstourismus.“ Der CSU-Fraktionsvorsitzende Stefan Specht findet, der BG-Antrag wecke Erwartungen, die Bayreuth nicht beeinflussen könne. Beate Kuhn (SPD), die als Ärztin täglich mit Corona zu tun hat, sagt: „Mehr vorbereiten kann sich die Stadt Bayreuth überhaupt nicht.“ Für Helmut Parzen (CSU), außerhalb des Stadtrats Metzgerei-Chef, ist ein Einkaufstourismus nicht zu verhindern. „Soll ich jeden Kunden fragen, wo er herkommt, und einem Oberpfälzer nichts verkaufen?“

Launert: „Schaufenster-Antrag“

Silke Launert (CSU) nennt den BG-Vorstoß „Schaufenster-Antrag“. Christoph Rabenstein (SPD) betont, der Stadtrat interessiere sich sehr für eine schnellere Öffnung. Der Antrag wurde vom auf 24 Mitglieder verkleinerten Stadtrat gegen die vier Stimmen der BG abgelehnt.

An welchem Tag die neuen Test-Zentren öffnen, ist noch unklar. „Es ist noch einiges zu tun; auf jeden Fall nächste Woche“, sagt Ordnungsamt-Leiter Burkhardt. Über die Einführung der Schnelltests für jedermann sprechen Ministerpräsidenten und Kanzlerin am 3. März. „Wir sind auf jeden Fall vor der Welle“, sagt Burkhardt. Denn das Bayreuther Lager ist schon voll.

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