Dächer abgedeckt Sturm zieht Schneise durch Tressau

Nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei: Drei zerstörte Scheunen, abgedeckte Dächer, entwurzelte Bäume. Erheblichen Schaden richtet am Montagabend ein Gewittersturm in Tressau, Gemeinde Kirchenpingarten, an.

Josef Bauer ist noch immer geschockt. Er habe noch nie einen solchen Sturm erlebt. Er saß auf dem Balkon, als sich eine schwarze Gewitterfront auf Tressau zubewegte. „Ich bin nach unten in den Hof gelaufen“, erinnert er sich. Als er die Haustür öffnet, liegt die uralte Eiche am Boden. Der Sturm hat den stattlichen Baum und den Wurzelballen in Sekunden aus der Erde gerissen.

Verheerende Schäden

Der Sturm habe keine drei Minuten gedauert, sagt Bauer am Dienstagvormittag im Gespräch mit dem Kurier. Es war gegen 21.30 Uhr, als der Sturm sich auf Tressau zubewegte. Zuerst riss er eine Feldscheune ein, dann warf er zwei Strommasten um, die Kabel zerreißen. In Tressau und anderen Ortsteilen geht das Licht aus. Dachziegeln werden von den Dächern gefegt. Blechverkleidungen großflächig von Scheunenwänden und -dächern gerissen. Eine weitere Feldscheune und eine Scheune mitten im Ort fallen unter dem Sturm wie Kartenhäuser zusammen. Die Dorfstraßen und Höfe sind bedeckt mit Ästen und Zweigen. Außerhalb von Tressau liegen Bäume über den Straßen. In den nahen Wäldern, sagt Bauer, habe der Sturm verheerende Schäden angerichtet. Dort herrsche regelrecht Chaos.

Keine zehn Minuten

„Der ganze Spuk hat keine zehn Minuten gedauert“, sagt Katja Kopp. Fast genau um 21.30 Uhr sei der Gewittersturm über Tressau gezogen. Es habe kaum geregnet, ein bisschen gehagelt. Der Sturm habe regelrecht eine Schneise durch den kleinen Ort gezogen, sagt Katja Kopp. Während des Gesprächs hat sie ihren Mann und Schwiegervater im Auge, die hoch droben auf dem Dach des Wohnhauses Ziegel ersetzen.

Josef Bauer kann es noch immer nicht glauben. 100, wenn nicht sogar 150 Jahre alt sei die Eiche gewesen. Der älteste Baum im Ort, ortsbildprägend sozusagen. Den Stammumfang schätzt er auf rund drei Meter. Jetzt liegt er auf der Seite, der Wurzelballen ragt in die Luft. Das Loch ist metertief. Die Äste haben das Dach eines Schuppens durchschlagen. Die neue Mauer zum Nachbargrundstück ist unter der tonnenschweren Last zerstört. Er habe schon seinen Versicherungsvertreter angerufen. Ein Waldarbeiter werde ihm helfen, den Baum zu beseitigen. Glücklicherweise blieb das im Hofe stehende Auto des Nachbarn verschont, sagt Bauer erleichtert.

Ohne Strom keine Sirene

In Kirchenpingarten hat man wenig vom aufkommenden Gewitter gemerkt. Auch die Tatsache, dass gegen 21.30 der Strom ausfiel, nahm man eher gelassen. „Wir haben unsere Handys gezückt und als Taschenlampen genutzt“, sagt Markus Brauner. Der Bürgermeister von Kirchenpingarten saß mit seinen Gemeinderäten noch im Rathaus, Gemeinderatssitzung. Eine Sirene war nicht zu hören, sagt er am nächsten Tag. Kein Wunder, war doch in der gesamten Gemeinde der Strom ausgefallen. „Erst als die ersten Kollegen, die in der Feuerwehr sind, über ihre Handys verständigt wurden, erfuhren wir von den Schäden in Tressau“, sagt Brauner. Sie eilen in den kleinen Ort und beginnen mit den Aufräumarbeiten. Gegen 2 Uhr war das Gröbste beseitigt, sagt Brauner. Die Straßen sind wieder frei, das Bayernwerk hat die Stromversorgung wieder hergestellt. Nicht auszudenken, sagt Brauner, wenn der Strom früher und länger ausgefallen wäre. Gott sei Dank seien fast alle Landwirte mit dem Melken bereits fertig gewesen, als der Sturm aufkam. „Ohne Strom funktionieren die Melkanlagen und die Kühlungen nicht“, sagt Brauner.

Blechverkleidung losgerissen

Am Morgen machen sich die Tressauer daran, die ersten Schäden zu beheben. Dachziegel werden ausgetauscht, umgestürzte Bäume auf den Grundstücken zersägt. „Bereits am Vormittag war von den Hinterlassenschaften des Sturms auf den Straßen und in den Höfen nichts mehr zu sehen. Die zerbrochenen Dachziegeln waren aufgesammelt, Zweige, Äste und Blätter zusammengefegt“, sagt Brauner. Am Anwesen von Stefan Schmidt und seiner Familie lassen sich die Schäden nicht so schnell beheben. Der Sturm hat die Blechverkleidung an der Scheune teilweise losgerissen und gegen das gerade erst sanierte Wohnhaus geschleudert. Ein daneben stehendes, gläsernes Gewächshaus hat nur noch Schrottwert. Besonders hoch dürfte aber der Schaden an der Photovoltaikanlage auf dem Garagendach sein, auf das Teile der Fassadenverkleidung herabgefallen sind. „Den Schaden an der PV-Anlage wird die Versicherung übernehmen“, ist Schmidt sicher. Die blecherne Fassadenverkleidung war hingegen nicht versichert. „Zu teuer. Das macht hier keiner“, sagt er.

Gegen Mittag sind Monteure der Telekom vor Ort, um die Schäden an den Kabeln zu reparieren. „Da merkt man erst mal, wie man auf das Handy angewiesen ist“, sagt Brauner. Die Einwohner haben mittlerweile fast alle Aufräumarbeiten beendet. „Hier hilft jeder jedem“, freut sich der Bürgermeister.

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