Ein Ziel sei es, für den Verbraucher auf den ersten Blick erkennbar zu machen, wenn Produkte wirklich aus der Region kommen. „Wirklich“ deshalb, weil der Begriff regional nicht geschützt sei, so Reinert-Heinz: „Es wird viel damit geworben, aber im Handel kann regional viel bedeuten – von Oberfranken bis Deutschland.“ Das sei bei „Bayreuther Land“ dank der strengen Kriterien (Kasten rechts) anders: „Wo Bayreuther Land draufsteht ist auch Bayreuther Land drin – garantiert.“

Wertschöpfung in der Region halten

Ein weiteres Ziel sei es, Produkterzeuger wie Landwirte, Verarbeiter wie Metzger oder Bäcker und den Handel zusammenzubringen. „Lebensmittel werden heute leider oft verramscht. Wir wollen erreichen, dass sie im regionalen Kreislauf wieder die richtige Wertschätzung bekommen“, sagt Reinert-Heinz. Dafür müssten allerdings auch die Verbraucher bereit sein, etwas mehr zu bezahlen. Das falle vielen leichter, wenn sie sicher sein könnten, dass die Produkte aus der Region kommen und damit auch die Wertschöpfung hier bleibt. Deshalb sei die Vermarktung unter der Dachmarke „Bayreuther Land“ über Discounter auch ausgeschlossen. Mit selbstständigen Supermarktbetreibern aus der Region sei man aber im Gespräch. Auch die Gastronomie wolle man ins Boot holen.

Schon dabei ist der Dorfladen Emtmannsberg. „Das Konzept der Dachmarke passt einfach super zu uns. 86 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit regionalen Produkten“, sagt Geschäftsführer Stefan Bauernfeind. Er verhandle aktuell mit drei Erzeugern aus dem Netzwerk, dass auch sie ihre Produkte im Dorfladen anbieten.

Bio keine Voraussetzung

Bio-Produktion ist übrigens keine Voraussetzung, um unter die Dachmarke zu schlüpfen, betonen Reinert-Heinz und Kirsch, auch wenn einige Mitglieder die Kriterien erfüllen. Einer von ihnen ist Rinderhalter Norbert Böhmer aus Schrenkersberg (Plankenfels), der das Fleisch seiner Tiere schon seit rund 20 Jahren selbst vermarktet. Er hat kein Problem, mit konventionell arbeitenden Kollegen unter einem Dach zusammenzuarbeiten: „Die brauchen wir natürlich auch. Gemeinsam können wir bei Bayreuther Land zeigen, welch tollen Produkte unsere Region zu bieten hat. Wir produzieren in Deutschland die sichersten Lebensmittel der Welt, da muss man nichts aus fernen Ländern herschaffen. Und wer regional kauft, tut auch noch etwas für die Umwelt.“

50.000 Euro für drei Jahre

„Bayreuther Land“ wird für zunächst drei Jahre gefördert, und zwar mit insgesamt rund 50.000 Euro, so Kirsch. Geld, das unter anderem in die Entwicklung des Labels, Marketing, Veranstaltungen aber auch Beratung oder Unterstützung der Mitglieder bei Werbung fließt. Davon kommen 90 Prozent vom Freistaat. Den Rest teilen sich Stadt und Landkreis. „Die Zusammenarbeit läuft richtig gut“, sagt Reinert-Heinz. Eine einmalige Verlängerung um weitere drei Jahre ist möglich. Dann müsse das Netzwerk, das auch eng mit der Genussregion Oberfranken zusammenarbeite, auf eigenen Füßen stehen, sich auch über Mitgliedsbeiträge finanzieren, die bislang noch nicht erhoben werden.

Übrigens: „Jeder, der die Kriterien erfüllt, kann Mitglied werden und soll sich an uns wenden“, betont Reinert-Heinz: „Wir können nicht jeden kennen, der in Frage kommt.“ Noch sei man am Anfang und wolle die Zahl der Mitglieder deutlich steigern. Die Bekanntheit der Marke steigern sollen neben Auftritten in der Region auch Präsentationen außerhalb – wie etwa bei der Grünen Woche in Berlin oder bei der Consumenta oder dem Christkindlesmarkt in Nürnberg.

Kriterien

  • „Bayreuther Land“ umfasst den Landkreis Bayreuth und die kreisfreie Stadt Bayreuth. Der Standort des Betriebs liegt im „Bayreuther Land“.
  • Der Betrieb ist inhaber- beziehungsweise familiengeführt und die Herstellung der Produkte erfolgt in handwerklicher Qualität.
  • 100 Prozent der Grund- und Rohstoffe des Produktes stammen – soweit verfügbar – aus dem „Bayreuther Land“.
  • 80 Prozent der Rohstoffe stammen bei verarbeiteten Produkten – soweit verfügbar – aus dem „Bayreuther Land“.
  • Verarbeitung und Herstellung der Produkte finden zu 100 Prozent im „Bayreuther Land“ statt.
  • Alle Mitglieder sind dem Primat der kurzen Wege verpflichtet.
  • Die Erzeugung der Produkte erfolgt ohne Einsatz von Gentechnik.
  • Es findet keine Vermarktung über Discounter oder unter Wert statt.