CSU-Kandidatensuche Wenn Frauen pokern

Symbolfoto: dpa

KOMMENTAR. Die einen sagen so, die anderen sagen so. Es kommt halt immer auf den Blickwinkel an. Wenn bei einer Partei/Gruppierung mehrere Bewerber ihr Interesse bekunden, ein wichtiges Amt zu übernehmen, lässt sich das natürlich als gelebte Demokratie interpretieren. Aber eben auch als mangelnde Geschlossenheit, gestörte Einheit, als Lagerbildung.  

Nehmen wir da mal die CSU. Die hatte ja mal den über Jahrzehnte hinweg sorgfältig gepflegten Ruf, im gerne zitierten Hinterzimmer ihre Personalangelegenheiten zu bemauscheln. Um das Ergebnis dann von einer weitgehend auf eine eigene Meinung verzichtenden Delegiertenversammlung absegnen zu lassen.

Das läuft heute nicht mehr so ohne weiteres. Auf der Führungsebene ist größtenteils eine neue Generation aktiv. Und die Mitglieder – querbeet durch die (kommunal-)politische Landschaft – sind längst mündig, manchmal sogar aufmüpfig. Und: Nicht nur im Bund haben in der einstigen Männerdomäne Politik Frauen das Sagen.

All das weiß auch die Kreisvorsitzende Gudrun Brendel-Fischer. Die hat bekanntlich keine Scheu, sich mit den Altvorderen anzulegen. Mit jenen, die noch in den ehrwürdigen Hierarchiestrukturen verwurzelt sind. Die christsozialen Spatzen pfeifen von jeder Dachrinne in der Region, dass sie nicht gerade die beste Freundin von Landrat Hermann Hübner ist. Und auch mit Kreistagsfraktionssprecher Günter Dörfler trifft sie sich nicht stündlich zum Kaffeetrinken.

Mal ganz abgesehen davon, dass sie auch bei den Turbulenzen im Klinikum Bayreuth völlig anders tickte als so manche Spitzenkraft ihrer Partei im Zweckverband und im Aufsichtsrat. Brendel-Fischer hat ihren eigenen Kopf. So war es ihr auch ziemlich egal, dass ihr Vorgänger Hartmut Koschyk – nach unseren Informationen ausdrücklich unterstützt vom noch amtierenden Landrat – mit Christian Porsch einen eigenen Wunschkandidaten für den Landratsposten ins Spiel brachte.

Was Brendel-Fischer nicht ignorierte, Porsch aber nach einem Vorstellungsgespräch in kleinerer Runde als nicht geeignet befand. Und mit dem Quereinsteiger Klaus Bauer, Verwaltungsleiter in Weidenberg und zuvor in Speichersdorf, jemand in den Ring holte, der aber auch so rein gar nichts mit dem traditionsbehafteten Ich-diene-mich-mit-Ja-sagen-hoch-in-meiner-Partei zu tun hat. Ein cleverer Schachzug.

Brendel-Fischer hat hoch gepokert. Und gewonnen, weil sie alle Ortsverbände eingebunden und dabei ein fast einstimmiges „bassd scho so“ eingeholt hat. Vielleicht doch ein Fingerzeig dafür, dass die erwähnten Altvorderen mal loslassen und sich einfach raushalten sollten.

Und was macht die andere CSU-Top-Frau, was macht Silke Launert in der Stadt Bayreuth? Sie macht voll einen auf Diplomatin. Hat zumindest offiziell kein Problem damit, dass nach dem Rückzug von Michael Hohl jetzt in Person von Thomas Ebersberger ein Altvorderer Favorit für die OB-Bewerberkür ist.

Sie sagt aber auch – ganz wertfrei und mit Pokerface –, es gebe da auch einen „Jüngeren“, der sich noch nicht entschieden habe. Auch eine Form des Pokerns? Wir wissen es nicht, lassen uns aber gerne überraschen. Spannend wird diese Wahl in jedem Fall. Überall ...

stefan.brand@kurier.de

 

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