Craft-Beer-Brautag Azubis brauen ein süffiges Bier für sommerliche Grillabende

Alle Prüfungen bestanden nach der Ausbildung bei der Brauerei Gebrüder Maisel? Nein, eine fehlte noch – der selbstangesetzte Biersud.

Bayreuth - Früher stand am Abschluss der Lehre zum Brauer und Mälzer die feuchte „Taufe“. Die frisch gebackenen Gesellen stiegen in einen Bottich und wurden mit Bier übergossen.

Das erste eigene Bier

Eine traditionelle Brauertaufe führt die Maisel-Brauerei nicht mehr durch. Stattdessen dürfen die Azubis ihr eigenes Bier brauen. „Wir sind selbst verantwortlich für die Herstellung bis zur Vermarktung“, sagt Viktor Stompe, der eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolvierte. Vor dem Brautag waren die sieben Auszubildenden ziemlich aufgeregt. Zum ersten Mal durften sie am Freitag eigenverantwortlich ihr eigenes Bier brauen. Schützenhilfe leistete Maisel & Friends Braumeister Markus Briemle.

Welcher Bierstil soll es sein?

Die Vorbereitungen hätten schon Anfang des Jahres begonnen, erzählt Viktor Stompe. Dazu habe zum Beispiel eine Verkostung mit einem Bier-Sommelier gehört. „Das sollte uns helfen, den Stil unseres Bieres festzulegen.“ Die Lehrlinge entschieden sich für ein Indian Pale Ale (IPA). „Es hat eine gewisse Bitterkeit und ist hopfig“, sagt Viktor Stompe, der noch nicht zu viel verraten will. Die Bezeichnung IPA kann er erklären: Sie stamme aus der Zeit des britischen Kolonialreiches. Die Briten hätten das Bier nach Indien transportiert. Und um es länger haltbar zu machen, sei mehr Hopfen hinzugefügt worden.

Nicht zu stark, mit fruchtiger Note

Denn der Hopfen sei wesentlich für den Geschmack eines Bieres. „Verrückt, wie viele Hopfensorten es gibt.“ Für ihr eigenes Craftbier haben sich die Auszubildenden mehrere Hopfensorten ausgesucht und eingebraut. Der Name „Summercrew Session IPA“ stehe für das gemeinsame Abschlussprojekt und das Aroma. Nicht zu stark, mit fruchtiger Note. „Es soll ein sommerliches Bier werden, das gut zu Grillabenden passt.“

Entwickelt wurde das Session IPA nach dem Sortenrezept, das die Azubis zusammen entwickelten. Nachdem der Name gefunden war, überlegte sich das Team ein Etikett für die Bierflasche und eine Marketing- und PR-Strategie. Am 21. Juni soll das neue Craft-Bier auf den Markt kommen.

Die Summercrew, das sind die Industriekaufleute Lena Steinlein, Gina Marie Sell und Viktor Stompe, die Brauer und Mälzer Linda Ammon, Christoph Reichenberger und Johannes Konrad sowie die Veranstaltungskauffrau Emilie Carra.

Lieber Ausbildung statt Studium

Die 21-jährige Linda Ammon kam als Praktikantin zu Maisel. Ihr Lebensmittelstudium brach sie nach zwei Semestern ab. „Das hier hat mich einfach nicht mehr losgelassen“, sagt sie begeistert. „Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.“ Mit Abitur dauere die Ausbildung nur zwei Jahre. Danach könnte die aus der Nähe von Bad Berneck stammende Brauerin noch einmal studieren oder ihren Meister machen. „Aber ich will erst ein bisschen Geld verdienen“, sagt Linda Ammon. „Hier habe ich die besten Arbeitskollegen, die man sich wünschen kann.“

In der Brauwerkstatt ist direkt neben dem Liebesbier. Um sieben Uhr morgens haben die Azubis mit dem ersten Sud begonnen, wie Linda Ammon erläutert. Dafür wird das geschrotete Malz aus der Schroterei über Rohre in die Brauerei transportiert. Das Malz kommt in den Maischebottisch, wo es ein bis eineinhalb Stunden eingemaischt wird. Danach wird der Sud im Läuterbottich ungefähr zwei Stunden abgeläutert. Das Feste wird vom Flüssigen getrennt, übrig bleiben die Würze und der Treber. In der Würzepfanne kommt der Hopfen hinzu. „Das Ganze wird bei 100 Grad gekocht“, erklärt die 21-Jährige, bis sich die Säuren lösen, Enzyme deaktiviert werden und alles steril ist.

Erste Probe aus dem Tank

Der nächste Arbeitsschritt vollzieht sich im sogenannten Whirlpool. Dort wird ein Strudel erzeugt, Eiweiße und nichtlöslicher Hopfen setzen sich ab. Dann wird alles gekühlt und belüftet, damit sich die Hefe bei zirka 15 Grad vermehren kann. In einem Tank im Gärkeller setzt sich der Gärvorgang fort. Dann setzt die Klärung ein. „Nach fünf bis sechs Wochen ist das Bier abfüllbereit“, sagt Linda Ammon. Eine erste Probe könne man bereits aus dem Lagertank nehmen.

Zwischendurch werden die Ergebnisse immer wieder im Labor analysiert. Schließlich soll die Qualität stimmen. Das Ale sei ein obergäriges Bier. „Wir wollten ein helles Bier und einen bestimmten Geschmack, der sich aus der Hopfenmischung ergibt“, sagt die Brauerin. „Ich hoffe, es wird so, wie wir es uns vorstellen.“ Im kalten Zustand komme noch einmal Hopfen hinzu und ergebe zum Beispiel eine Zitrusnote. Eine Grundregel lautet: Je mehr Malz verwendet wird, desto stärker ist das Bier.

Eine Fülle an Variationen aus vier Zutaten

Wie Linda Ammon findet es auch Johannes Konrad faszinierend, was aus vier Grundzutaten für verschiedene Geschmäcker und Aromen entstehen. „Ich wollte etwas mit der Verarbeitung von Rohstoffen machen, weil ich aus einer Landwirtschaft stamme“, sagt der Brauer aus Weismain. „Hier erfahre ich, was alles möglich ist.“ Das Schöne an seinem Beruf sei, dass er gleich die Resonanz auf das Produkt bekomme. „Früher hatte ja jede Brauerei ihr persönliches Geheimrezept.“

Zwei Mal 25 Hektoliter setzen die Auszubildenden von ihrem IPA an. Den Brauprozess erleben alle direkt mit. Die Idee kam von Brauereiinhaber Jeff Maisel. Die Auszubildenden sollten alle Planungs- und Produktionsschritte eines neuen Bieres miterleben und mitbestimmen dürfen. Nach einem erfolgreichen Start wagte sich jetzt der zweite Jahrgang daran. Passend zum bevorstehenden Sommer braute dieser für Maisel & Friends also ein leichtes Session IPA. Das süffige Sommerbier aus dem einmaligen Sondersud zählt dann zu den Limited-Bieren.

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