Corpsphilister-Verband 100-Jahr-Feier ohne Festakt

Roman Kocholl

Üblicherweise trifft man sich jeden zweiten Mittwoch im Monat zum Stammtisch. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Corpsphilister ist das nicht möglich. Sowohl der Stammtisch als auch der geplante Festakt zur 100-Jahr-Feier müssen Corona bedingt ausfallen.

Vor Schinners Braustuben: der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Christoph Magiera (links) und der Vorsitzende Steffen Gießübel. Foto: red

Bayreuth - An diesem Donnerstag, 3. Dezember, kann der Corpsphilister-Verband (CPV) Bayreuth, einer der ältesten und größten Stammtische der Stadt, auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken. Dazu erklärt der Paragraph 1 der Satzung, dass der CPV seinen Sitz in Bayreuth hat und er die Alten Herren des Kösener und Weinheimer Seniorenconvent-Verbands von Bayreuth und Umgebung umfasst. „Alte Herren“ – das waren und sind Männer in Amt und Würden, die in ihren Universitätsjahren Mitglieder von Studentenverbindungen, hier speziell von den sogenannten Corps, waren.

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Wie der Verband mitteilt, gab es im 19. Jahrhundert insbesondere nach dem Studium an der Alma Mater meist nur lose Kontakte zwischen den einzelnen Verbindungen, so beschloss man nach den Notjahren des Ersten Weltkrieges mit dem Ziel gegenseitiger Hilfe und Vertiefung der Freundschaft enger zusammenzurücken. Aus dem Raum Bayreuth schlossen sich daher rund 80 Corpsstudenten zusammen und riefen vor 100 Jahren den hiesigen Corpsphilister-Verband ins Leben.

Wie der heutige Vorsitzende Steffen Gießübel im Gespräch mit dem Kurier sagt, zählt man in Bayreuth derzeit 90 Mitglieder. Darunter einige Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, Juristen, Ärzte und Unternehmer. Zu den Corphilistern zählen unter anderen der langjährige Oberbürgermeister Dieter Mronz und der Gründungs-Präsident der Universität Bayreuth, Prof. Klaus Dieter Wolff. Stolz ist man auch darauf, dass mehrere Mitglieder von der Stadt mit der Benennung von Straßennamen geehrt wurden. Dazu zählen etwa Leopold von Casselmann (Oberbürgermeister von 1900 bis 1919), Rudolph Freiherr von Roman (Regierungspräsident und Ehrenbürger der Stadt) sowie Justizrat Christian von Langheinrich.

In der Mitteilung des Verbandes heißt es weiter: „Einen schmerzlichen Einschnitt erlebte der Verband im Dritten Reich, als er, nachdem man sich dem vom NS-Staat geforderten Ausschluss der jüdischen Mitglieder verweigert hatte, von den nationalsozialistischen Machthabern verboten wurde. Die Corpsphilister aber hielten weiter Kontakt und bald nach dem Kriegsende 1945 wurde der Stammtisch wieder aktiviert und blüht und gedeiht seither bis heute.“

Traf man sich früher in der heute nicht mehr existierenden „Harmonie“, so wurde in den 1950er-Jahren die Eule zum Stammlokal. Heute, beziehungsweise bis vor Ausbruch der Corona-Pandemie, lädt der Vorsitzende Steffen Gießübel seine Corpsphilister stets am zweiten Mittwoch im Monat ab 18.30 Uhr zum Herrenabend in Schinners Braustuben ein. Abgerundet wird das Jahresprogramm durch kulturelle Veranstaltungen, Besichtigungen und gemeinsame Familien-Ausflüge. Immer mit dem Ziel: die freundschaftliche Verbundenheit der Mitglieder zu fördern.