Corona-Lage im Landkreis Wunsiedel Stochern im Corona-Nebel

Am Freitag lud das Impfteam des Landkreises zum Impfen in Selb. Schon nach wenigen Stunden hatten gut hundert Menschen ihre Impfung erhalten. Foto: Florian Miedl/FLO MIEDL

Die Kreisräte diskutieren den Stand der Pandemie in der Region. Die Zahlen sind eigentlich nicht schlecht, aber die vierte Welle könnte schon vor der Tür stehen.

Wunsiedel - Respekt. Mit diesem Slogan zeigten erstmals auf internationaler Bühne Fußballer der unterschiedlichsten Nationen bei der WM 2014 Gesicht gegen Rassismus. Respekt hat am Freitag auch der AfD-Fraktionssprecher im Wunsiedler Kreistag, Gerd Kögler, eingefordert. Und zwar für all jene, die sich aus welchen Gründen auch immer nicht gegen Corona impfen lassen. Er selbst sei geimpft, auch sei er weiß Gott kein Corona-Leugner. „Aber man soll Menschen nicht an den Pranger stellen, wenn sie sich eines medizinischen Eingriffs, und nichts anderes ist eine Impfung, verweigern.“

Tanja Höfer, Juristin und Geschäftsleiterin des Bereichs Gesundheit, Soziales und Kommunales am Landratsamt Wunsiedel, hatte zuvor den Stand der aktuellen Corona-Lage im Landkreis und auch global betrachtet. Fazit: Die Zahlen im Landkreis sind nach wie vor relativ gut. Ein Blick in andere Länder zeige aber, wie schnell eine vierte Welle auch Deutschland treffen könnte. „So zeigt sich etwa in Spanien, dass jetzt auch junge Menschen ernsthaft erkranken und in Intensivstationen behandelt werden müssen. In England ist zuletzt die Todesrate in die Höhe geschnellt.“ Allerdings, und das gehöre ebenfalls zur Wahrheit, gibt es bislang erst wenige Erkenntnisse zur Delta-Variante des Virus. „Man weiß, dass die Infizierten weitaus ansteckender sind; ob die Virus-Variante schwerere Krankheitsverläufe verursacht, ist noch nicht klar.“

Nach aktuellem Stand liegt die Quote der Erstimpfungen im Landkreis Wunsiedel bei 73 Prozent (deutschlandweit 60 Prozent), die der Zweitimpfungen bei 53 Prozent (deutschlandweit 53 Prozent). Die Impfungen der Betriebsärzte sind hier nicht eingerechnet, da deren Impfungen nicht in die Statistik einfließen.

Keinen Zweifel, dass die vierte Corona-Welle mit Macht auch die Region treffen wird, hegt Susann Fischer, Allgemeinärztin und Grünen-Kreisrätin aus Selb. „Ich befürchte, sie wird uns von heute auf morgen überrollen. Daher sollten wir jetzt die derzeitige Art von Pause nutzen, uns darauf vorzubereiten. Es geht mir vor allem um die Kinder und Schüler und deren Eltern. Es darf nicht sein, dass wieder Homeschooling notwendig ist.“ Besorgt ist Susann Fischer zudem über die viel zu hohe Quote von Mitarbeitern in Seniorenheimen, die sich nicht impfen ließen. „Ich befürchte, dass das Virus wieder über Mitarbeiter in die Heime eingeschleppt wird. Die Bewohner sind zwar geimpft, aber bei älteren Menschen ist die Impfwirkung wesentlich geringer.“

Wie Tanja Höfer sagte, bereiten sich die Mitarbeiter der Gesundheits- und auch der Schulbehörde mit allen relevanten Institutionen auf jedes Szenario vor. „Wir müssen aber unseren Mitarbeitern eine Verschnaufpause oder zumindest einen freien Sonntag gönnen. Sie haben an etlichen Wochenenden und auch Feiertagen durchgearbeitet.“

Laut der Juristin lässt sich im Landkreis mittlerweile eine gewisse Impfmüdigkeit feststellen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, veranstalten die Verantwortlichen des Impfzentrums nun häufiger Aktionen wie am Freitag auf dem Place de Beaucouzé in Selb.

Auf die Frage von Kai Hammerschmidt (SPD), wie man Bürgern die Notwendigkeit zum Impfen erklären soll, wenn trotz steigender Inzidenzen kein Patient im Krankenhaus behandelt werden muss, antwortet Tanja Höfer, dass dies ein schwieriges Thema sei. Aber der Blick auf Spanien oder England sei natürlich Warnung genug. „Dort laufen in einigen Regionen wieder die Intensivstationen voll.“

Ebenfalls schwer fiel den Vertretern des Landratsamtes eine Antwort auf die Frage von Freie-Wähler-Fraktionssprecher Klaus von Stetten nach der Zukunft des Impfzentrums. Der Freistaat finanziert dieses bis 30. September. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir im Landkreis mit mobilen Teams weiterarbeiten. Aber letztlich hängt dies vom Freistaat ab“, sagte Christa Marx, Impfbeauftragte im Landratsamt.

Landrat Peter Berek ging noch einmal auf die Respekt-Forderung für Impfverweigerer ein, die Gerd Kögler vorbrachte. „Impfen ist nun mal die einzige Chance, die Pandemie zu bekämpfen. Wir verpflichten niemanden, sich impfen zu lassen, wir werben lediglich dafür. Impfen ist eben auch ein Dienst an der Gemeinschaft, damit wir alle irgendwann wieder ein normales Leben führen können.“ Respekt forderte Berek jedoch auch für die Befürworter des Impfens ein. „Es hat nämlich auch nichts mit Respekt zu tun, wenn man, wie ich oder andere Mitarbeiter unseres Hauses, von Impfgegnern Mails bekommen, die weit unter die Gürtellinie gehen.“

 

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