Corona in Kulmbach Die Lage hat sich zugespitzt

75 neue Corona-Fälle an nur einem Tag: Das hat den Landkreis Kulmbach in der Inzidenz knapp an die Marke von 300 gebracht. Das Ausbruchsgeschehen in zwei Altenheimen hat sich weiter ausgebreitet.

Das Seniorenheim in der Brenkstraße ist neben dem Am Rasen nun bereits die zweite Pflegeeinrichtung in Kulmbach, in der es in den vergangenen Tagen zu einem Corona-Ausbruch gekommen ist. Foto:  

Kulmbach - Es war ein anstrengender Tag am Mittwoch. Im Gesundheitsamt und im Landratsamt blieb die vorweihnachtliche Stimmung ebenso aus wie bei der Arbeiterwohlfahrt. Während dort die Verantwortlichen hart darum kämpften, das Ausbruchsgeschehen in den Seniorenheimen in der Brenkstraße und Am Rasen in den Griff zu bekommen und nach zahlreichen coronabedingten Ausfällen auch beim Personal die Versorgung der Bewohner sicherzustellen, musste Landrat Klaus Peter Söllner am Nachmittag bekannt geben: Mit 75 Neuinfektionen an einem einzigen Tag hat der Landkreis Kulmbach seinen neuen traurigen Rekord in der Geschichte der Pandemie geschrieben.

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Das gilt auch für die 7-Tage-Inzidenz. Die hat mit 293,44 ebenfalls einen absoluten Spitzenwert erreicht. Dass nun ausgerechnet an Weihnachten so viele schlimme Nachrichten zusammenkommen, trifft auch den Landrat hart. Er bekennt: „Ich bin ein Weihnachtsmensch und habe es immer genossen, wenn die ganze Familie zusammengekommen ist. Für mich und viele andere ist das diesmal leider anders. Aber die Zahlen zeigen: „Es war die richtige Entscheidung, die Reißleine zu ziehen, sonst wären wir in der Katastrophe gelandet."

Einen Tag vor dem Heiligen Abend habe sich die Lage in Kulmbach zugespitzt, sagte Klaus Peter Söllner. Ihm ist bewusst, dass ein erheblicher Anteil der bekannt gewordenen Neuinfektionen die AWO-Seniorenheime in der Brenkstraße und Am Rasen in Kulmbach betrifft. Wenigstens Am Rasen scheint das Ausbruchsgeschehen langsam zum Stillstand zu kommen. Dort wurden am Mittwoch keine neuen Fälle bekannt. 29 Bewohner und 16 Mitarbeiter sind infiziert. Anders sieht die Lage in der Karl-Herold-Seniorenwohnanlage in der Brenkstraße aus. Am Dienstag waren dort 20 positive Fälle unter den Bewohnern bekannt. Am Mittwoch stieg die Zahl auf 38 an, vier der alten Menschen mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

In den betroffenen Heimen herrscht Hektik. Durch positive Tests und Quarantäne fehlt allein Am Rasen mehr als die Hälfte der Belegschaft. Jetzt wird es auch in der Brenkstraße eng: Dort wurden neun Beschäftigte positiv getestet. Und noch sind nicht alle Ergebnisse der zahlreichen Tests bekannt. „Wenn nicht noch massiv etwas dazukommt,“, sagt AWO-Hauptgeschäftsführerin Margit Vogel, „können wir bis nach Weihnachten alle Dienste abdecken.“ Wenigstens etwas.

Der Landkreis hat seinen erst am Dienstag ernannten Fachberater Pflege, der nun den Katastrophenstab im Landratsamt ergänzt, zur AWO entsendet. Maximilian Türk und sein Kollege Yves Wächter von der FüGK unterstützen die Organisation in der Krisensituation. In beiden Heimen gibt es jetzt Corona-Stationen, Besucher müssen draußen bleiben, das Personal arbeitet in voller Schutzkleidung. „Durch eine klare Abgrenzung kann man das Geschehen in den Griff bekommen“, ist sich Landrat Söllner sicher. Er ist allen dankbar, die nun schon seit Monaten keine Überstunden mehr zählen und selbst am späten Abend und an Wochenenden arbeiten, um die Pandemie zu bekämpfen. Jetzt komme es noch einmal mehr darauf an, denn ein Ausbruch in einem Seniorenheim, sagt der Landrat, sei der Worst Case. Man habe es mit einem „erheblichen Ausbruchsgeschehen“ zu tun.

Das habe auch zu einer verstärkten Belastung der Corona-Station am Kulmbacher Klinikum geführt. Die Lage sei nicht Besorgnis erregend, aber in der Tendenz durchaus schwierig, wenn Altenheime von Infektionen betroffen sind.

23 Menschen, darunter elf aus den beiden Kulmbacher Altenheimen, unddrei aus anderen Landkreisen werden derzeit laut Geschäftsführerin Brigitte Angermann auf der Corona-Station im Klinikum behandelt. Glücklicherweise benötige keiner von ihnen intensivmedizinische Betreuung. Den Verantwortlichen ist bewusst: Das kann sich schnell ändern, auch das gehört zu den traurigen Nachrichten vom Mittwoch: Im Landkreis ist nun das 16. Corona-Todesopfer zu beklagen.

Geändert hat sich nun auch die Situation im Landkreis Kulmbach, der bei den Corona-Zahlen lange Zeit immer weit unter dem bayerischen Durchschnitt gelegen war und jetzt binnen eines einzigen Tages deutlich darüber liegt. 293,44 ist der Kulmbacher Wert, der bayerische liegt bei 210,38. 210 Infektionsfälle gab es in den vergangenen sieben Tagen, seit Ausbruch der Pandemie wurden 1194 Fällegezählt. 243 gelten als aktiv infiziert. 147 davon leben in der Stadt Kulmbach. 618 Menschen aus dem Landkreis befinden sich derzeit in Quarantäne.

Söllner fasst zusammen, was in diesen Tagen wohl viele denken: „Wir hätten uns Weihnachten anders gewünscht.“