Computerschach Ein Weltmeister für Bayreuth

Johannes Zwanzger (links) und sein Gegner Erdogan Günes am Schachbrett bei der Computerschach-Weltmeisterschaft im chinesischen Macau. Foto: red

BAYREUTH. Bayreuth ist eigentlich keine große Schachhochburg. Die Schachabteilung des TS Bayreuth spielt in der Bezirksliga. Trotzdem kommt einer der besten Schachspieler der Welt aus der Festspielstadt. Jonny hat bei der Weltmeisterschaft in Macau den Titel im Blitzschach geholt. Bloß ist er kein Mensch, sondern ein Computerprogramm.

Menschliche Gegner sind für Jonny überhaupt kein Problem. Selbst der beste Schachspieler der Welt, der Norweger Magnus Carlsen, hätte keine Chance gegen ihn. „Die Zeiten, in denen Menschen Computer schlagen können, sind lange vorbei“, sagt Johannes Zwanzger. Er ist der Programmierer hinter Jonny und der Grund, warum sich Bayreuth eines Weltmeisters rühmen kann.

Programm spielt gegen sich selbst und wird besser

Der 37-Jährige hat an der Uni Bayreuth Mathematik studiert und auch 2011 promoviert. Seitdem arbeitet er in München, aber unterhält noch Beziehungen zur Uni und seinem alten Lehrstuhl. Er selbst ist begeisterter Schachspieler und hat für Forchheim auch schon in der Bundesliga gespielt. Jetzt spielt er aber nur noch hobbymäßig – bei der Schachabteilung von Bayern München. Schon 2002 hat er mit der Programmierung von Jonny begonnen. Über die Zeit hat er das Programm immer wieder verbessert. „Eine Herausforderung waren die Suchalgorithmen“, sagt Zwanzger. Ohne geeignete Regeln würden Schachprogramme alle möglichen Varianten durchrechnen. „Das ist sehr ineffizient. Es werden auch sinnlose Züge berechnet“, sagt er. Dem Programm beizubringen, nur die sinnvollen Züge zu berechnen, sei eine große Herausforderung gewesen.

Eine Neuerung, die Zwanzger vor der Weltmeisterschaft in das Programm eingepflegt hat, ist die bessere Bewertung der Spielsituation. „Früher musste ich die Bewertungen per Hand einprogrammieren“, erzählt Zwanzger. Jetzt kann Jonny mit einem neuronalen Netzwerk, einer Art Nervensystem für Computer, das Spielbrett besser bewerten. Die Technik ist sehr innovativ. „Google hat damit vor eineinhalb Jahren damit angefangen. Ich war einer der Ersten, die die Technik dann verwendet haben“, sagt Zwanzger.

Training am Supercomputer der Uni

Da Jonny eine Künstliche Intelligenz ist, muss er lernen. Sprich: Er muss trainiert werden. „Das sieht so aus, dass der Computer Partien gegen sich selbst spielt. Am Anfang sind das fast nur zufällige Züge. Wenn man etwas Schachverstand hat, sieht das sogar sehr lustig aus“, erläutert Zwanzger das Trainingsprogramm. Jonny ist so programmiert, dass er aus den Partien gegen sich selbst lernt. Aus der alten Version des Programms entstehe so eine neuere, bessere Version, die wieder weiter lernt. So entwickele sich das Programm als Schachspieler. Wo werde Jonny deutlich feiner und besser, als man es von Hand überhaupt programmieren könne, sagt sein Programmierer. Für die Übungen braucht es einen schnellen Computer, der das Programm ablaufen lassen kann. An seiner Alma Mater hat Zwanzger einen solchen Rechner gefunden. Der Lehrstuhl für Konstruktionslehre an der Uni Bayreuth unterhält ein Rechencluster – einen Supercomputer. Das vom europäischen Sozialfond und der Oberfrankenstiftung geförderte Projekt ermöglicht es normalerweise oberfränkische Unternehmen komplexe Berechnungen deutlich schneller durchführen zu können (siehe hier).

Drei Siege bei der Weltmeisterschaft

Im Sommer waren an dem Rechner Kapazitäten frei, weshalb Zwanzger Jonny trainieren konnte. „Ohne das Cluster wäre mein Programm nicht so gut trainiert gewesen“, sagt er. Auch für die Weltmeisterschaft im chinesischen Macau war Zwanzger mit seinem Laptop mit dem Cluster verbunden. Jonny lief auf dem Computer in Bayreuth und seine Züge wurden via Internet an Zwanzger übermittelt. Gespielt wird bei der WM aber bemerkenswert analog: Die Züge werden nicht nur auf dem Computerbildschirm vollzogen, sondern auch auf einem Spielbrett. „Das ist Tradition und der Zuschauer hat dann auch etwas zu sehen“, sagt Zwanzger.

Beim Spielmodus Blitzschach haben die Kontrahenten jeweils zehn Minuten Bedenkzeit – pro Partie. Das bedeutet, dass für jeden einzelnen Zug fünf bis sieben Sekunden Zeit bleibt. Fünf Teilnehmer spielten so jeder gegen jeden. Am Ende der Runden standen Johannes Zwanzger und Jonny mit 5,5 von acht möglichen Punkten an Platz eins. Der Zweitplatzierte hatte vier von acht Punkten. Zwanzger und Jonny konnten drei Siege erringen – ein hoher Wert. „Die Remis-Quote ist sehr hoch. Das ist ein Zeichen dafür, wie gut die Schachcomputer geworden sind.“

 

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