Commerzbank zufrieden Mehr Kunden, mehr Einlagen, mehr Kredite

Sie informierten über das abgelaufene Geschäftsjahr der Commerzbank in der Niederlassung Bayreuth/Hof (von links): Holger Perrey, Gisela Ertl und Wolfgang Bauer. Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Deutsche Bank, Hypovereinsbank oder doch die niederländische ING? Die Spekulationen um eine Übernahme der Commerzbank werden immer konkreter. Dinge, die die Verantwortlichen vor Ort nicht beeinflussen können. Ganz anders das eigene Geschäft - und da blickt man in der Niederlassung Bayreuth/Hof auf ein angesichts der Herausforderungen gutes Jahr 2018 zurück.

Bei der Zahl der Kunden kann Niederlassungsleiter Wolfgang Bauer seit Jahren steigende Zahlen vermelden. Mittlerweile sind es im Bereich Bayreuth/Hof mehr als 121.000, ein Zuwachs von gut 1300 im vergangenen Jahr. Unter anderem das kostenlose Basis-Girokonto sei weiter ein Zugpferd, sagt Bauer, der in der Niederlassung das Geschäft mit Privatkunden sowie Selbstständigen und Unternehmen bis 15 Millionen Euro Umsatz verantwortet.

"Menschen verschenken Geld"

Das gesamte in der Niederlassung betreute Kundenvolumen wuchs im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro. Allerdings: Allein die kurzfristigen und damit meist unverzinsten Einlagen der Kunden legten um rund 50 auf jetzt 700 Millionen Euro zu, weshalb Bauer sagt: "Bei der Geldanlage verschenken viele Menschen weiter Geld."

Volatile Finanzmärkte

Das Neugeschäft mit Wertpapieren betrug 20,6 Millionen Euro. Dennoch schrumpfte das in diesem Bereich betreute Gesamtvolumen zum Jahresende um rund zehn Prozent auf gut 900 Millionen Euro, was der vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2018 rückläufigen Entwicklung an den Finanzmärkten geschuldet sei, so Bauer. Dieser Rückgang sei allerdings im laufenden Jahr schon wieder aufgeholt worden. Es falle auf, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der in Wertpapieren investierten Gelder in professionell verwalteten Produkten stecke.

Mehr Privat- und Unternehmenskredite

Gut lief laut Bauer wegen der niedrigen Zinsen und der guten wirtschaftlichen Lage das private Kreditgeschäft. So wurden 35 Millionen Euro an neuen Verbraucherkrediten ausgereicht - ein Plus von 22 Prozent. Bei den Immobilienkrediten konnte das hohe Niveau nach einem Ausnahmejahr dagegen nicht ganz gehalten werden. 126 Millionen Euro (Vorjahr 144 Millionen) wurden neu ausgereicht. Insgesamt beträgt das Kreditvolumen der Niederlassung jetzt 658 Millionen Euro, davon 510 Millionen Euro Immobilienfinanzierungen. Bauer betonte, dass in der Region momentan noch keine Immobilienblase drohe, auch wenn die Preise vielerorts natürlich deutlich gestiegen seien.

Auch bei den Unternehmerkunden bis 15 Millionen Euro Umsatz, von denen die Niederlassung rund 10.300 betreut (plus 80), legte das Kreditgeschäft deutlich zu - und zwar um 23 Prozent auf 50 Millionen Euro.

Reiche Kunden

Ein zwar zahlenmäßig überschaubarer, aber lukrativer Bereich ist das Wealth-Management. Hier geht es um Kunden, deren frei verfügbares Vermögen mindestens 500.000 Euro umfasst. Die Zahl der Kundenbeziehungen stieg hier um gut 150 auf nunmehr über 1000, wobei in dieser Zahl zum Beispiel mehrere Beziehungen zu einer Familie enthalten sein können. Hier gebe es teils deutlich komplexere Herausforderungen als im normalen Privatkundenbereich, sagt Bauer.

Filialen plus online

Allen Kundengruppen gemeinsam sei, dass vor allem beim Girokonto und einfacheren Finanzprodukten wie etwa Ratenkrediten der Kontakt immer öfter online laufe. Dennoch werde am Filialnetz festgehalten, "denn schon bei leicht komplizierteren Problemstellungen wird weiter der Kontakt zu unseren Beratern gesucht", sagt Bauer.

Mittelstand zunehmend international aufgestellt

Auch Unternehmen mit mehr als 15 Millionen Euro Umsatz, die bei der Commerzbank in der Mittelstandsbank betreut werden, nutzen zunehmend die digitalen Möglichkeiten, sagt Holger Perry, der diesen Bereich für Ober- und Unterfranken verantwortet. Obwohl das Kreditvolumen hier im vergangenen Jahr um drei Prozent zulegte, sei doch zu beobachten, dass sich die Unternehmen angesichts der Unsicherheiten wegen des Brexits oder der Handelsstreitigkeiten derzeit etwas zurückhalten. "Der Mittelstand in der Region ist zunehmend international aufgestellt und deshalb davon tangiert", sagt Perry. Umso wichtiger sei es, die Unternehmen auch international begleiten zu können. Nicht selten gehe es um Finanzierungen im Volumen von 100 Millionen Euro und mehr. Doch auch kleinere Summen seien spannend und wichtig, um das Risiko breit zu streuen.

Immer wichtiger würden für die Unternehmen auch Fragen rund um die Lieferketten, um zum Beispiel nicht über Themen wie etwa internationale Sanktion zu stolpern. Da müsse oft bis in die dritte oder vierte Ebene nachgeforscht werden, um Beteiligungsverhältnisse herauszubekommen.

Zu den Übernahmegerüchten sagten Bauer und Perry, dass diese unter den Mitarbeitern natürlich Gesprächsthema sind: "Alles andere wäre ja auch komisch." Klar sei aber auch: "Wir haben in der Region gut 120.000 Kunden. Und die müssen auch in Zukunft beraten werden."

180 Mitarbeiter

Mit rund 180, davon aktuell neun Auszubildende, blieb die Zahl der Mitarbeiter in der Commerzbank-Niederlassung Bayreuth/Hof konstant. Auch bei den gut 20 Filialen blieb alles beim Alten.


Zur Person

Gisela Ertl ist seit Anfang des Monats für das Firmenkundengeschäft in der Niederlassung Bayreuth/Hof und darüber hinaus auch für die Bereiche Coburg und Bamberg zuständig. Die 36-Jährige ist gebürtige Österreicherin, kam 2007 nach dem Abschluss ihres BWL-Studiums in Passau zur Commerzbank und durchlief in dem Konzern seither mehrere Stationen in Frankfurt, Schanghai und vor allem in München.

 

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