50 Millionen Euro will die HWK in den nächsten fünf Jahren in Neubau und Modernisierung der Berufsbildungs- und Technologiezentren in Oberfranken investieren. In Bamberg ist ein kompletter Neubau geplant, das 3,25 Hektar große Grundstück dafür hat sich die Kammer bereits gesichert. Hof bekommt einen Teilneubau plus Modernisierung, Bayreuth wird schrittweise modernisiert.

Coburg soll Verwaltungssitz bleiben, ein Bauzentrum bekommen und "Innovativer Lernort" werden, an dem gemeinsam mit der Hochschule Werkstätten betrieben werden. Aber Coburg hätte kein BTZ mehr, wogegen die Region und ihre Handwerker Sturm laufen und Klage eingereicht haben.

HWK-Präsident Thomas Zimmer befürchtet einen jahrelangen Rechtsstreit. Um den zu verhindern, lotet er nun mit Coburg ein Mediationsverfahren am Verwaltungsgericht in Bayreuth aus. "Wir haben den Vorschlag gemacht, Coburg muss darauf eingehen." Eventuell könne man in Coburg neben dem geplanten Bauzentrum auch ein Elektrozentrum etablieren und dies dann koordiniert mit Bamberg betreiben. Zimmer beklagte, es sei bundesweit einmalig, "dass unsere Innungen gegen ihre Kammer klagen".

Die GTO, bei der, wie mehrfach berichtet, über zwei Millionen Euro veruntreut wurden, kann mithilfe eines Darlehens fortgeführt werden. Laut Hauptgeschäftsführer Thomas Koller geht es nun um Schadensregulierung und Regressansprüche. Weitere Unregelmäßigkeiten oder eine höhere Schadenssumme seien nicht erkennbar.

Freuen können sich Zimmer und Koller darüber, dass es den oberfränkischen Handwerksbetrieben auch im letzten Jahr wieder gelungen ist, in einem schwierigen Umfeld über 2300 neue Ausbildungsverträge abzuschließen. Damit bewegen sich die Oberfranken auch bayernweit im Spitzenfeld und konnten das gute Niveau der letzten Jahre fortschreiben.

Zur Nachhaltigkeit, der die Branche immer mehr strategische Bedeutung geben will, gehört auch die Mitarbeitergewinnung, die die HWK künftig mit einem neuen Konzept "Karriereplanung" attraktiver gestalten will. Das Serviceangebot der Kammer soll "von der Ausbildung bis zur Betriebsübernahme" reichen, so Koller und eine maßgeschneiderte Bildungsplanung ermöglichen. Gedacht ist dabei auch an eine Seminarreihe "Talentschmiede" und "Erfolgsschmiede" sowie eine "nachhaltige Begleitung von Betrieben und deren Auszubildenden". Im Herbst soll mit den Seminaren begonnen werden. Das Handwerk arbeitet damit weiter systematisch an der Image-Verbesserung seiner Berufe und will beim Thema Personal ein neues Kapitel aufschlagen, auch, um der zunehmenden Akademisierung im Land wirksam zu begegnen.

Auch mit Blick auf viele anstehende Betriebsübergaben ist dies von besonderer Bedeutung. Nach Auskunft von Präsident Zimmer sind 60 Prozent der Firmeninhaber 51 Jahre oder älter, 40 Prozent 56 Jahre oder älter. "Da ist verdammt viel Dampf im Kessel." Der HWK-Präsident forderte erneut die finanzielle Angleichung akademischer und beruflicher Bildung. Berufsorientierung sollte es verpflichtend an allen Schulen geben.

Scharfe Kritik übte Zimmer an den "andauernd neuen Anforderungen", ein krasses Negativbeispiel sei die neue Bon-Pflicht. Auch Vizepräsident Matthias Graßmann beklagte die ausufernde Bürokratie. Wenn man in Bayern einen öffentlichen Auftrag bekommen wolle, müsse man zunächst einmal ein 47-seitiges Papier ausfüllen - auch noch mit vielen Links. Handwerker, die 45 Jahre lang Beiträge gezahlt haben, bekämen oft nur 1100 bis 1200 Euro Rente. "Da stimmt was im System nicht mehr."