Christoph Höreth wird 95 Der pfeifende Menschenfreund

Christoph Höreth feiert am Samstag seinen 95. Geburtstag. Foto: Christian Höreth

Der Mann ist ein Unikum. Einer mit besonderem Humor, mit einer besonderen Liebe für seine Mitmenschen, einem ungeheuren Wissen. Das er eingesetzt hat, um tausende Schüler zu unterrichten und unendlich viele Artikel für den Nordbayerischen Kurier zu schreiben. Christoph Höreth feiert am Samstag seinen 95. Geburtstag.

Bayreuth - Es ist so typisch für Christoph Höreth. Die Art der Selbstwahrnehmung, die so treffend ist für sein ganzes Wesen, das von einer besonderen Art Humor geprägt ist. Als er vor eineinhalb Jahren umziehen sollte von seinem Reihenhaus in der Altstadt in ein Bayreuther Seniorenheim, da habe er mit dem Umstand doch deutlich gefremdelt, sagt Christian Höreth, sein Sohn. „Er hat sich nicht so wohl gefühlt, weil er gesagt hat: ,Da leben ja fast nur alte Leut’“, sagt Christian Höreth am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung.

Da hatte Christoph Höreth schon ein paar Monate lang seinen 93. Geburtstag hinter sich. Am Samstag wird er 95. „Gehen kann er nur noch am Rollator“, sagt Christian Höreth über seinen Vater, der in Bayreuth bekannt ist wie der sprichwörtliche bunte Hund. „Aber im Oberstübchen ist er noch topfit.“

Er wäre gerne mehr unter Leuten

Was bei Christoph Höreth schwer ankommt: dass er wegen der Pandemie nicht mehr so unter Leute kann, wie er es sein Leben lang getan hat. Denn zu seinem 90. Geburtstag hat er über die ihn antreibende Kraft im Gespräch mit dem Kurier gesagt: „Mich treibt nichts an. Ich treib mich rum.“

Lehrer aus Leidenschaft

Selbst im hohen Alter war er noch unterwegs, hat ungeachtet seiner vielen Lenze auf der Uhr selbst da noch für den Kurier geschrieben, mehr als 60 Jahre lang hat er das getan, hat vor allem – aber natürlich längst nicht nur – schulische Themen als freier Mitarbeiter abgedeckt. Weil er Lehrer war, Oberlehrer stand im Telefonbuch hinter seinem Namen, obwohl er Rektor war zum Schluss seiner Laufbahn, die ihn von Bronn über Creußen nach Bayreuth gebracht hat.

Viele lernten von ihm Eislaufen

„Das ist mir auch erst klar geworden, als ich neulich mit ihm gesprochen habe“, sagt Christian Höreth: „Als das Eisstadion in Bayreuth war er der erste Lehrer, der auf die Idee gekommen ist, dass man da den Kindern doch prima das Schlittschuhfahren beibringen könnte. Hunderte oder vielleicht sogar tausende haben das von ihm gelernt bekommen. Ebenso vielen hat er Schwimmen beigebracht.“

Der Umtriebige

Höreth, der Umtriebige, ist sein Leben lang ein Mensch gewesen, „der sich sehr für andere engagiert, sich anderer Menschen annimmt“. So hat ihn sein langjähriger Stammtisch- und Schafkopf-Bruder aus der Altstadt, Wolfgang Fuchs, beschrieben. Das Engagement geht auf eine der hervorstechenden Eigenschaften zurück, die Höreth hat: Er ist ein guter, ein ernsthafter Zuhörer. Den seine Neugier – typische Höreth-Aussage: „Ich bin nicht neugierig – aber ich will halt alles wissen.“ – für den Menschen auch ehrenamtlich in das eine oder andere Engagement treibt: für die Lehrer-Pensionisten, für den Kirchenvorstand in der Altstadt, aber auch für den Verein Christen schaffen Wohnungen, den er mit aufgebaut und lang geleitet hat. Obwohl er da 1993 doch nur aus Neugier bei der Gründungsversammlung war – und als Vorsitzender nach Haus gegangen ist.

Der Neugierige

Höreth, der Neugierige, hat sich stets Zeit genommen für ein Schwätzchen. Wenn er in die Kurier-Redaktion gekommen ist mit seinem verschmitzten Lächeln und seinem Stoffbeutel, in dem er Manuskripte und die Digitalkamera dabei hatte, mit einem fröhlichen, leisen Pfeifen auf den Lippen – „das macht er auch heute noch“, wie sein Sohn sagt – hat er sich immer irgendwo an einen der Schreibtische gesetzt, das Gespräch gesucht. Mit einem echten Interesse an den Menschen, mit denen er teilweise über Jahrzehnte zusammengearbeitet hat. Schließlich hatte Höreth seit 1956 erst für die Fränkische Presse, seit 1968 dann für den Kurier gearbeitet. Und akribisch über jeden Artikel Buch geführt. Nach seiner Devise: „Allgemeinverständlich, volksnah halt – so dass man kein Lexikon braucht.“

Die Enkel sind sein ganzer Stolz

Hat er seinen 90. Geburtstag noch groß – sogar acht Mal insgesamt – gefeiert, wird es diesmal deutlich kleiner werden. „Corona-gerecht“, wie Christian Höreth sagt. Bereits zwei Mal geimpft sei er worden, der Familienmensch Höreth, der sich darauf freut, am Samstag zum Geburtstag seine Enkel zu sehen, „sein ganzer Stolz“.

 

Autor

 

Bilder