Chefarzt warnt Klinikum: fast 900 Corona-Patienten

Nach einem Jahr mit Corona warnt Prof. Christian Stumpf, Sprecher der Chefärzte: Es ist Druck auf dem Kessel. Foto: Ralf Münch

Wegen lauter Corona nicht die anderen Schwerkranken vergessen. Verantwortliche im Klinikum Bayreuth fordern ein Umdenken – und Umverteilen der Corona-Patienten. Damit auch Patienten mit anderen Krankheiten wieder schneller behandelt werden können. Mehr als 700 schwer an Corona erkrankte Patienten hat die Klinikum Bayreuth GmbH in den vergangenen 13 Monaten erfolgreich behandelt.

Bayreuth - „Wir haben das maximal Mögliche gegeben“ , sagt Prof. Christian Stumpf. Jetzt allerdings plädiert der Sprecher der Chefärzte der Klinikum Bayreuth GmbH dafür, Weichen neu zu stellen, damit die Klinikum Bayreuth GmbH auch weiterhin „dem Anspruch gerecht werden kann, alle Patienten optimal zu behandeln“.

Am 12. März 2020 wurde der erste Corona-Patient im Klinikum aufgenommen. Weitere 866 folgten, die Pandemie hatte Priorität. Über Monate hinweg konnte das Klinikum Bayreuth kranken Menschen, die nicht an Corona litten, nur ein eingeschränktes Behandlungsangebot machen. Betten mussten freigehalten werden, denn niemand wusste, wie hart die Pandemie zuschlagen würde. Was aufschiebbar war, wurde aufgeschoben.

Ewig aufschieben geht nicht

„Damit ist es irgendwann vorbei“, sagt Stumpf. „Ewig aufschieben – das geht nicht.“ Stumpf zitiert aus einer Studie der Uni Gießen, die während des ersten Lockdowns in Hessen lief. Demnach sind während dieses Zeitraums „die kardiovaskuläre Mortalität um acht Prozent und die rein kardiale Mortalität um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraums angestiegen“. Auf Deutsch: Es starben mehr Menschen mit Herz-Erkrankungen als zu nicht-Corona-Zeiten.

Gründe dafür seien: weniger Voruntersuchungen aufgrund fehlender Kapazitäten im niedergelassenen Bereich. Außerdem die angeordnete Patienten-Triage, nach der nur noch Notfälle zu behandeln seien und dabei auch dringliche Patienten als elektiv auf eine Warteliste gesetzt wurden. Und: Nicht alle Patienten hatten sich mit einem Arzt besprochen. Sie haben selbst entschieden, nicht ins Krankenhaus zu gehen. Die Corona-Angst war zu groß. „Diese Patienten sehen wir jetzt zum Teil auf unseren Intensivstationen“, sagt Chefarzt Stumpf.

Anlaufstelle für Schwerkranke

Ein Maximalversorger sei Anlaufstelle für Schwerkranke, für Schwerverletzte. Auch für jene, für die andere Krankenhäuser nicht optimal ausgestattet sind. Aber auch ein Maximalversorger könne Betten nur einmal belegen.

„Ja, unsere Aufgabe ist es, Corona-Patienten zu behandeln. Nicht zuletzt wegen unserer personellen und apparativen Möglichkeiten sind wir gleichermaßen aber auch den Non-Covid-Patienten verpflichtet.“ Seit über einem Jahr sei „Druck auf dem Kessel des Klinikums Bayreuth. Nicht nur die Pflegeteams auf den Intensivstationen, diese aber in besonderem Maß, leisteten „Übermenschliches“. „Wenn wir weiter so viele Corona-Patienten mit erheblichem Behandlungsaufwand aufnehmen müssen, werden die Kollegen in der Pflege in absehbarer Zeit über die Belastungsgrenze kommen“, sagt Pflegedirektorin Angela Dzyck. So weit, sagen Stumpf und Dzyck , dürfe es nicht kommen. Die Zuordnung von Corona-Patienten müsse „neu gedacht werden“.

Wirtschaftliches Problem

Zudem sei Corona zu einem „veritablen wirtschaftlichen Problem“ für Kliniken geworden ist. „Wir sind froh, dass wir den aus Bundesmitteln finanzierten Rettungsschirm für Krankenhäuser haben“, sagt Alexander Mohr, Kaufmännischer Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH. 90 Prozent der Erlöse aus den Vergleichsmonaten des Jahres 2019 kommen so in die Kassen. Bleiben allerdings zehn Prozent Einbußen – und die horrenden Mehrkosten, die die Pandemie mit sich bringt. Schutzausrüstung und Sicherheitsdienst, Tests und Impfaktionen – die Liste der zusätzlichen Belastungen ist lang.

Nicht systematisch überfordern

„Einzelne Krankenhäuser dürfen nicht systematisch überfordert werden“, sagt der Medizinische Geschäftsführer der Klinikum Bayreuth GmbH, Prof. Hans-Rudolf Raab. Nicht überall in Deutschland ist die Pandemie-Situation so angespannt wie in Oberfranken und den angrenzenden Regionen.

Dass aufgrund politischer Vorgaben an Landesgrenzen Schluss sein solle mit der Hilfe für Patienten und der Solidarität der Krankenhäuser, kritisiert Raab. Bessere Konzepte müssten her. Gerade auch im Sinne der Non-Covid-Patienten. „Denn die haben gerade so gut wie gar keine öffentliche Aufmerksamkeit“.

 

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