Chefarzt-Prozess: Erneute Verlängerung

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Der Prozess gegen den ehemaligen Bamberger Chefarzt Heinz W. (50) nimmt kein Ende. Das Landgericht Bamberg hat neue Termine bis Juli bekannt gegeben. Wann das Urteil unter anderem wegen Vergewaltigung von Patientinnen fällt, ist trotzdem ungewiss.

Es läuft nicht gut für ihn: Heinz W. (50), ehemaliger Chefarzt mit einem seiner Verteidiger Klaus Bernsmann (rechts). Foto: Lapp Foto: red

 

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Der Saal bleibt im Vergleich zum Anfang des Prozesses vor mehr als einem Jahr leer. Selbst in mehr als 40 Verhandlungstagen hat das Gericht noch kein endgültiges Licht in den Fall gebracht. Der 50-jährige W., einst angesehener Chefarzt der Gefäßchirurgie am Klinikum in Bamberg, hatte über Jahre immer wieder Fotos vom Intimbereich seiner Patientinnen gemacht. Vorher soll er sie, so die Anklage, sediert haben und sich an manchen der Frauen sexuell vergangen haben. Auch Sexspielzeug hat er dabei eingesetzt. Die Staatsanwaltschaft sieht darin unter anderem Vergewaltigung, W. selbst sagt, er habe alles nur zu Forschungszwecken gemacht. Er sagt, es habe keinerlei sexuelle Konnotation gegeben.

Die Sympathiewerte des Arztes, dem gleich nach Bekanntwerden der Fälle, fristlos gekündigt wurde, sind inzwischen tief gefallen. Im Laufe des Prozesses räumte er ein, die Frauen sediert und fotografiert zu haben. Außerdem musste er einräumen, dass er das Patenkind seiner Frau, ein 18-jähriges Mädchen, betrunken gemacht hat und sich dabei gefilmt hat, als er mit einem Dildo an ihrem Körper entlangfuhr. Die Liste der intimen Fotos, die W. mit seiner Nikon D80 gemacht hat, ist lang. Auch kleine Filmchen zwischen zwei Minuten und 17 Minuten 46 Sekunden hat er von seinen „Untersuchungen“ aufgenommen. Die Polizei sicherte die Aufnahmen kurz nach seiner Verhaftung im August 2014 auf seinem Laptop. Darunter auch Fotos, wie er das Sexspielzeug bei sich selbst anwandte. Auch dies, sagte er, habe einen medizinischen Hintergrund gehabt.       

DSC0025kuef.jpg, DSC0026kuef.jpg, DSC0027kuef.jpg – im Gerichtssaal werden die Fotos der Zeuginnen zu bloßen Datensätzen. Von der anfänglichen Million Fotos, die der Staatsanwalt bekannt gegeben hatte, blieben etwa 60 übrig. Den zwölf angeblich betroffenen Frauen hat das Klinikum wenige Monate nach Bekanntwerden der Vorwürfe jeweils 15.000 Euro bezahlt. Die Sache ins Rollen gebracht hatte eine damals 27-jährige Studentin, die sich nach einer „Untersuchung“ bei W. an kaum mehr etwas erinnern konnte. Ihr Vater, selbst ein Arzt, hatte ihr in der gleichen Nacht Blut abgenommen und testen lassen. Darin fanden sich hohe Werte eines starken Beruhigungsmittels.

Auch von dem ruhigen Angeklagten, der zu Anfang sogar noch vor Gericht scherzte, ist nicht mehr viel übrig geblieben. W. ist nach fast zwei Jahren U-Haft gereizt und wird öfter laut. Schmallippig stützt er seinen Kopf auf den Arm, immer schreibt er viel mit, selbst die Daten der Fotos von den Frauen. Dem stunden- und seitenlangen Verlesen der Foto-Daten folgt er aufmerksam. „Zwei in der zweiten Reihe quatschen immer miteinander“, ruft er wütend, er könne sich nicht konzentrieren.

Viele Anträge, die seine drei Verteidiger gestellt haben, hat das Gericht abgeschmettert. So hält W. die Gutachter, die Richter und die beiden Schöffen für befangen. Noch immer ist nicht über diesen Befangenheitsantrag gegen über die ganze Kammer entschieden.

Der Prozess wird im Juni fortgesetzt. Allerdings hat W. noch andere Probleme. Er ist Gefängnissprecher in der JVA Bamberg. Dort, so sagt er, seien bis zu 30 Mitgefangene in den Hungerstreik getreten. Es gehe um einen kollektiven Einschluss und verkürzten Freigang. Er werde sich darum kümmern, sagte er dem Kurier.