Champions League "Erbarmungsloses Drama": Guardiola scheitert schon wieder

Trainer Pep Guardiola verpasste mit Man City erneut das Halbfinale der Champions League. Foto: Martin Rickett/PA Wire

Es klappt einfach nicht mehr mit der Champions League. Schon wieder scheitert Pep Guardiola mit Manchester City vorzeitig. Nach einem spektakulären und dramatischen Sieben-Tore-Kracher steht Tottenham Hotspur im Halbfinale. Die Spurs könnten City noch mehr wehtun.

Manchester - Pep Guardiola sackte auf die Knie. Ungläubig und enttäuscht schlug der Starcoach die Hände über dem Kopf zusammen.

Der spektakulärste Sieg der Saison war für Manchester City in Wirklichkeit die bitterste Niederlage - auch für den Trainer. Trotz des 4:3 (3:2) gegen Tottenham Hotspur (Hinspiel: 0:1) im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals hatte der Spanier zum dritten Mal nacheinander mit dem englischen Fußball-Meister die Vorschlussrunde der Königsklasse verpasst. "Das ist hart, das ist grausam", klagte Guardiola nach dem denkwürdigen Abend, "aber wir müssen das akzeptieren."

Die britische Presse feierte den atemberaubenden Sieben-Tore-Kracher bereits als Klassiker. "Verrückt, bekloppt, brillant", titelte die Zeitung "Telegraph", BBC Sport nannte es "ein erbarmungsloses Drama", und die "Times" schrieb: "Spurs und VAR zerstören Citys Traum von vier Titeln."

Während die schon lange chronisch titellosen Spurs "ihre Zweifler verstummen ließen" (BBC), muss sich Guardiola Fragen gefallen lassen. Als Coach des FC Barcelona holte er zweimal den Henkelpott, mit dem FC Bayern ging er leer aus, und nun war für ihn mit City zum dritten Mal vorzeitig Schluss. "Das ist Guardiolas Schuld", befand die Boulevard-Zeitung "Mirror".

City-Fans hatten andere Schuldige. Der Video-Assistent (VAR) war in der Nachspielzeit zum Einsatz gekommen. Raheem Sterling hatte das vermeintliche 5:3 für Man City geschossen. Das Stadion bebte, jubelnd sprang Guardiola in die Luft, während Spurs-Coach Mauricio Pochettino erstarrte. Doch der türkische Schiedsrichter Cüneyt Çakir hatte bei der Ballabgabe kurz vorher eine Abseitsposition gesehen, die sich im Video bestätigte.

Schon 20 Minuten früher hatte Çakir beim spielentscheidenden 3:4 durch Fernando Llorente wegen eines vermeintlichen Handspiels den Video-Assistenten konsultiert. Das Tor zählte allerdings - zum Ärger von Guardiola, der damit nicht einverstanden war. "Ich unterstütze VAR", sagte er. "Aber vielleicht ist das Tor aus einem Winkel ein Handspiel, vielleicht aus Sicht des Schiedsrichters nicht."

Zuvor hatten sich die Premier-League-Clubs einen Schlagabtausch geliefert: frühe City-Führung durch Sterling (4. Minute), Doppelpack für die Spurs durch Heung-Min Son (7./10.), Ausgleich Bernardo Silva (11.). Als Sterling (21.) auch das 3:2 schoss, wurde das Stadion zum Tollhaus. "Ich bin so stolz auf die Spieler und die Fans", sagte der geknickte Guardiola nachher. "Ich habe so einen Lärm noch nicht gehört, seit ich in Manchester bin. Aber Fußball ist unvorhersehbar."

Tottenham agierte dann nervös und fehlerhaft. Als Sergio Agüero (59.) zum 4:2 traf, sah Man City wie der sichere Halbfinalist aus. Dann kam der eingewechselte Llorente, der eigentlich nur als Notlösung galt, und entschied das Duell für die Spurs, die nun zum ersten Mal seit der Saison 1961/62 Halbfinale des wichtigsten europäischen Vereinswettbewerbs stehen. "Ein unglaubliches Spiel", sagte Tottenham-Coach Mauricio Pochettino. "Ich bin so glücklich, so stolz. Meine Spieler sind Helden." Die Londoner treffen in zwei Wochen auf Ajax Amsterdam.

Im schlimmsten Fall könnte Tottenham für Man City auch noch in der Meisterschaft zum Stolperstein werden. Am Samstag treffen die Teams in der Liga wieder aufeinander. "Wir müssen eine Reaktion zeigen", forderte Guardiola, der mit City zwei Punkte hinter dem Spitzenreiter Liverpool liegt, aber ein Spiel weniger absolviert hat. "Wir haben für die Premier League viel gekämpft, neun oder zehn Monate. Es liegt jetzt in unserer Hand." Sollte City am Samstag den nächsten Dämpfer kassieren, könnten die Clubbosse in Manchester nachdenklich werden.

 

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