Ob Vincent Kompany, der nach seiner Sperre beim Hinspiel im Stadion wieder hautnah bei der Mannschaft weilen durfte, da immer noch über den "letzten Satz" nachdachte, den er in der Kabine sagen wollte, um auch noch "das letzte Prozent" Motivation und Hingabe aus seinen Spielern herauszukitzeln?
Die Botschaft der Anhänger bei der Choreo vor dem Anstoß war auf einem Spruchband jedenfalls klar: "Schießt uns ins Finale!" Doch bevor Kane und Kollegen den ersten Schuss auf das PSG-Tor abgaben, lag der Ball im Kasten von Schlussmann Neuer. Ein simpler Doppelpass zwischen Chwitscha Kwarazchelia und Fabián Ruiz öffnete viel Raum für den georgischen Stürmer.
Fehlstart wie im Real-Heimspiel
Kwarazchelia bediente mit großer Übersicht den Ex-Dortmunder Dembélé, der unhaltbar für Neuer vollendete. Schon im Hinspiel waren die Urgewalt Kwarazchelia und der Weltfußballer Dembélé als Doppel-Torschützen zum Bayern-Alptraum geworden. Es ging also ganz bitter los für die Bayern, so wie im Viertelfinale gegen Real Madrid, als es nach einem krassen Neuer-Patzer schon nach einer halben Minute 0:1 stand.
Der Unterschied: Damals hatten die Münchner das Hinspiel in Madrid gewonnen. Jetzt lagen sie im Gesamtergebnis mit zwei Toren in Rückstand. Die Rollen waren damit verteilt. Der Ball gehörte Bayern, und Paris konnte ganz auf Umschaltaktionen setzen. Kompanys Elf - diesmal mit Konrad Laimer statt Alphonso Davies in der Startelf - musste sich reinbeißen in die Partie.
Große Aufregung bei Handszene
Kane war der Vorarbeiter in vorderster Linie, Díaz und Olise die dynamischen Solisten, die das PSG-Tor am ehesten in Gefahr brachten. Für große Aufregung sorgte dann eine Hand-Szene. PSG-Stratege Vitinha klärte im eigenen Strafraum - und der Ball prallte an den abgespreizten Arm von João Neves. Und was entschied Schiedsrichter João Pinheiro? Kein Elfmeter! Die Münchner Profis protestierten auf dem Platz, die Fans pfiffen lautstark.
Bayern rennt erfolglos an
Kurz darauf verhinderte Neuer mit einem Reflex das 0:2 bei einem Kopfball des kleinen Portugiesen João Neves, der schon in Paris mit dem Kopf getroffen hatte (33.). Die letzten Aktionen vor der Pause gehörten dann Jamal Musiala, der bis dahin total neben sich stand. Hacke Olise, Schuss Musiala - Torwart Matwei Safonow tauchte ab und verhinderte mit einem Reflex das 1:1 (44.).
Dann war Pause. Zeit zur Neuausrichtung. Aber welche Möglichkeiten hatte Kompany personell? Der verletzte Nationalstürmer Serge Gnabry wäre jetzt Gold gewesen für eine erfolgreiche Aufholjagd. Weiter anrennen. Mehr blieb nicht. Alles versuchen.
Mehr blieb nicht möglich gegen einen Gegner, der viel kontrollierter als im wilden Hinspiel agierte, als die Pariser in ihrer Euphorie eine 5:2-Führung beinahe komplett aus der Hand gegeben hätten. Wiederholung? Nein. Die Bayern suchten verzweifelt Lösungen, fanden sie aber zu spät mit dem 1:1 von Kane. Was blieb nach dem Schlusspfiff waren Frust, Wut - und große Leere.