Knackpunkt ist die Frage, wie Grenzkontrollen zwischen dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland und dem EU-Mitglied Irland verhindert werden können. Falls dies nicht gelingt, wird ein Wiederaufflammen des Konflikts zwischen mehrheitlich katholischen Befürwortern einer Vereinigung der beiden Teile Irlands und mehrheitlich protestantischen Loyalisten befürchtet. Johnson lehnt den im bisherigen Austrittsabkommen vereinbarten Backstop - also die Garantieklausel für eine offene Grenze in Irland - strikt ab.
Spekuliert wird nun über einen Ausweg aus dem Brexit-Streit, demzufolge nur das verhältnismäßig kleine Nordirland eng an EU-Regeln gebunden bliebe. Dadurch wären jedoch Kontrollen für Waren notwendig, die aus Großbritannien nach Nordirland kommen. Das lehnte die DUP bislang strikt ab, von deren Stimmen die Minderheitsregierung der im Juli zurückgetretenen Premierministerin Theresa May im Parlament abhing. DUP-Brexit-Experte Sammy Wilson dementierte denn auch den "Times"-Bericht sofort in einem BBC-Interview: Es habe bloß einen Fortschritt in Form einer veränderten Einstellung gegeben. Der irische Sender RTÉ sprach am Samstag von einem "Brexit-Glücksspiel".