C&A-Nachbarn in Aufbruchstimmung

Von Norbert Heimbeck

Überwiegend heiter ist die zu diesem frühlingshaften November passende Stimmung am oberen Ende der Bayreuther Fußgängerzone. Seitdem bekannt wurde, dass das C&A-Gebäude verkauft wurde, herrscht Aufbruchstimmung in der oberen Richard-Wagner-Straße.

Chakib Khalbous hat direkt gegeneüber vom C&A-Haus einen Feinkostladen eröffnet. Wie viele seiner Nachbarn freut er sich darauf, dass in dem Gebäude wieder Leben einkehren soll. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Innerhalb weniger Wochen haben in diesem Bereich mehrere neue Geschäfte eröffnet: ein Kosmetikstudio, ein Versicherungsbüro, ein Feinkostladen. Zusammen mit den schon länger hier angesiedelten Geschäften ist rund um die Stadtbibliothek und den ehemaligen C&A ein kleines Nahversorgungszentrum entstanden, das im Vergleich zum textilorientierten Rotmain-Center durch seine Branchenvielfalt auffällt.

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Wie berichtet, hat das Nürnberger Unternehmen Koch-Invest das seit Jahren leer stehende C&A-Gebäude erworben. Geschäftsführer Thomas Männel sagte auf Kurier-Anfrage: "Wir sind in der Phase, in der wir potenzielle Nutzer ansprechen. Die Resonanz ist sehr gut, wir konten auch schon erste Begehungen des Gebäudes vereinbaren." Am liebsten möchte der neue Eigentümer den Begriff C&A "aus den Köpfen der Bayreuther herausbringen". Aus welcher Branche die Interessenten für das 6500 Quadratmeter große Gebäude kommen, lässt sich Männel nicht entlocken. Aber gegen Ende des ersten Quartals 2016 will er "einen Nutzermix zusammengestellt" haben.

Zufrieden mit der BMTG

Direkt gegenüber dem Gebäude betreibt Andreas Klein eine Confiserie: "Wir haben uns immer gefreut, wenn drüben Licht anging," schmunzelt er. Umso größer sei die Freude, wenn jetzt Nägel mit Köpfen gemacht würden. Er bestätigt, dass sich Aufbruchstimmung ausbreite: "Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren oft das Gefühl, die Stadt hätte uns hier oben vergessen. Aber jetzt hatten wir schon vier Treffen mit der BMTG, die Aktion mit den Palmen und Liegestühlen im Sommer kam sehr gut an." Seit der Eröffnung der Stadtbibliothek im RW21 verzeichnen Klein und seine Nachbarn deutlich höhere Besucherzahlen: "Wir merken das immer montags, wenn das RW21 geschlossen hat."

"Unser Sorgenkind"

Petra Bock führt ein Teefachgeschäft. Sie spricht gar von Euphorie über die Verkaufsnachricht: "Der leere C&A war immer unser Sorgenkind. Wir haben sogar Weihnachtsbäume zur Deko gekauft, weil es sonst keiner gemacht hat." Auch die Tatsache, dass in den vergangenen Wochen mehrere neue Geschäfte im Umkreis von wenigen Dutzend Metern eröffnet haben, freut Petra Bock: "Wir haben hier einen schönen Branchenmix als Gegenpol zum Rotmaincenter." Die Palmen-Aktion im sommer sei bei Kunden und Touristen gleichermaßen gut angekommen, sagt Bock und lobt die Stadt dafür.

Neuer Gemüseladen

Vor sechs Wochen hat Chakib Khalbous einen Gemüse- und Feinkostladen gegenüber dem C&A eröffnet. Auch er hat schnell von den Plänen zur Revitalisierung des Hauses erfahren: "Das wäre für uns alle hier oben sehr gut." Früher habe es oft geheißen, dieses Eck sei tot, erzählt Khalbous, der am unteren Ende der Fußgängerzone außerdem das Shisha-Café betreibt: "Aber ich merke davon nichts." In den wenigen Wochen seit Eröffnung habe er sogar schon Stammkunden gewinnen können.

Alle drei Unternehmer weisen im Gespräch auf die Vielfalt der Geschäfte hin: Bäcker, Metzger, Gemüseladen, ein Asia-Markt, Spezialitätenläden, Friseure und Kosmetikstudio sowie weitere Dienstleister sind auf einer Strecke von nicht einmal hundert Metern neben und gegenüber RW21 und C&A zu finden. Andreas Klein: "Was viel zu wenig bekannt ist: Wir haben hier eine Vielzahl von Parkplätzen: Kurzzeitparken ist am RW21 möglich, der Geißmarkt ist kaum fünf Minuten entfernt und das Parkhaus im Sonnenhaus ist auch nicht weit." Also alles Sonnenschein am oberen Ende der Fußgängerzone?

Gastwirtin klagt

Erika Telle betreibt seit 27 Jahren die Gaststätte Oberes Tor schräg gegenüber vom C&A. Sie teilt die Hoffnung ihrer Nachbarn nicht. Klagt, dass Bürgerfest, Weinfest und sämtliche Märkte in der Maximilianstraße stattfänden: "Ab dem Sternplatz ist Schluss, da kommt kein Mensch mehr zu uns herauf." Sie fühlt sich von der Stadt im Stich gelassen, sagt, die erste Novemberwoche sei trotz schönen Wetters geschäftlich schlecht gelaufen. Schließlich findet Telle doch noch einen positiven Punkt: "Die neue Villa Wahnfried zieht schon ein paar Leute mehr an. Das ist bestimmt nicht schlecht."