Bürgermeister Bäuerlein fürchtet negative Folgen - Sorge um das Trinkwasser Schadet Maisanbau dem Fremdenverkehr?

Von Peter Engelbrecht

Die zunehmende „Vermaisung“ der Landschaft schade dem Fremdenverkehr, warnte der Aufsesser Bürgermeister Ludwig Bäuerlein (CSU). Er sieht die Folgen des Biogasanlagen-Booms kritisch. Doch der Bauernverband bestritt die Probleme.

Maisanbau, soweit das Auge reicht. Foto: red

Einige Touristen hätten sich ihm gegenüber geäußert, dass der Landschaftsgenuss beim Wandern durch den verstärkten Maisanbau nicht mehr möglich sei, sagte Bäuerlein im Gespräch mit unserer Zeitung. Wenn dies so weitergehe, hätten die Gäste gesagt, würden sie nicht mehr nach Aufsess kommen. „Es gibt Wanderwege, an denen rechts und links ein bis zwei Kilometer lang nur Maisfelder stehen.“

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Bäuerlein verwies auf den hohen Stellenwert des Tourismus in seiner Gemeinde mit jährlich rund 20.000 Übernachtungen. In und um Aufsess gebe es fünf Biogasanlagen: Zwei stünden in der Gemeinde und jeweils eine in den umliegenden Orten Hollfeld, Voitmannsdorf und Brunn. „Es gibt Schwerpunkte, wo die Vermaisung zugenommen hat.“

Bäuerlein beklagte auch, dass durch die schweren Maistransporte von den Feldern zu den Biogasanlagen Wege und Straßen kaputtgemacht würden. „Wir haben schon konkrete Schäden festgestellt, die Gemeinde muss dafür aufkommen.“ Und er sorgte sich um die Grundwasserbelastung durch Nitrat und Pestizide infolge des verstärkten Maisanbaus. „Mais muss intensiv gedüngt und gespritzt werden“, der Anbau sollte zurückgedrängt werden. „Durch die intensive Bewirtschaftung ist irgendwann der Boden tot“, verwies er auf Erfahrungen in den USA.

Nach Angaben des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gibt es in Stadt und Landkreis Bayreuth derzeit 46 Biogasanlagen. Derzeit sei eine Stagnation erkennbar, erläuterte der Fachberater für Pflanzenbau, Friedrich Asen. Im Landkreis Bayreuth sei im vergangenen Jahr 21,7 Prozent der Ackerfläche mit Silomais bebaut worden, das waren fast 7000 Hektar. Zu Beginn des Biogasbooms 2006 waren es rund 4000 Hektar. „Solange der Anbau nicht mehr als 25 Prozent der Ackerfläche beträgt, ist das in Ordnung“, betonte Asen. Auch der Kreisobmann des Bauernverbandes, Karl Lappe, sieht das Thema gelassen. Von einer „Vermaisung“ könne nicht gesprochen werden. Er räumte ein, dass der Maistransport mit schweren Fahrzeugen durchgeführt werde. Die Tonnage sei begrenzt, Straßenschäden seien auszuschließen, sagte Lappe, der Bürgermeister von Mistelgau ist. Auch der Verein „Wohlfühlregion Fichtelgebirge“ hatte bei einer Präsentation im Landratsamt Anfang November die „Vermaisung der Landschaft“ als Schwäche im Landkreis bezeichnet. Auf Nachfrage hieß es, die Aussage stelle keine Meinung des Regionalmanagements dar. Inzwischen habe man die Aussage in „Vermaisung touristisch relevanter Landschaft“ abgeändert. Laut der Bioenergieregion Bayreuth werden in einzelnen Gemeinden bereits 35 Prozent der Ackerfläche für Energiepflanzen verwandt.