Bürger sollen Ideen liefern

Von Ulrike Sommerer

Bad Berneck hat kein Geld. Häuser stehen leer. Der Tourismus funktioniert nicht mehr so gut. Wohin man sieht und hört: getrübte Grundstimmung. „Den Menschen fehlt der Blick für das Schöne Ihrer Ortschaft.“ Stefanie Raab will es nun zusammen mit den Bad Berneckern finden.

Sie ist Stadtentwicklerin und hat mit ihrem Team aus dem Büro coopolis die Aufgabe, das Schöne in Bad Berneck wieder mehr ins Blickfeld der Menschen hier zu rücken. Denn die Stadt habe nicht nur Probleme, sondern eben auch großes Potenzial und viele Chancen. Der Stadtrat legte nun den geografischen Bereich, in dem die Chancen ergriffen werden sollen, fest.

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Das Team von coopolis ist mit der Stadtentwicklung von Bad Berneck beauftragt. Und es hat zuerst einmal festgestellt:

- Seit den 1950er Jahren hat Bad Berneck ein Viertel seiner Einwohner verloren, vor allem in der Altstadt gibt es inzwischen deutlich weniger Menschen.

- Das Durchschnittsalter liegt in Bad Berneck bei über 50 Jahren. Vor allem in der Altstadt gibt es eine „extrem alte“ Bevölkerung.

- In der Altstadt steht jedes fünfte Haus im Erdgeschoss leer.

- Im Bereich Hotel und Gastronomie steht die Hälfte aller Objekte leer.

- Der Großteil der Häuser müsste dringend saniert werden.

Das ist das Untersuchungsgebiet:

Da sich die Probleme vor allem in einem Bereich zeigen, im alten Stadtkern, wurde dieser zum Untersuchungsgebiet bestimmt. Dazu gehört: die Obere Stadt aufgrund des offensichtlichen Leerstands, das Schulgelände mit seinem Bildungsangebot und Teile der Blumenau mit der Genossenschaftsbebauung. Stadtrat Alexander Popp (FWG) verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass vor allem der Kreuzungsbereich beim Supermarkt gestaltet werden muss. „Alle anderen Bemühungen helfen nicht, wenn es da unten aussieht wie bei Hempels unterm Sofa.“ Außerdem müsse man, ergänzte Katharina John (SPD), auch die Blumenau im Blick haben, denn auch dort werde es künftig vermehrt Leerstand geben. Das Gebiet immer größer zu ziehen, davor warnte Christof Seidel (CSU). Es gelte vielmehr dafür zu sorgen, dass die Oberstadt auch für die Menschen aus der Blumenau wieder attraktiver werde. „Wir müssen davon wegkommen, immer nur in die Vergangenheit zu blicken. Wir sind in Bad Berneck nicht schlecht aufgestellt. Aber die Leute brauchen eine Perspektive. Viele in Bad Berneck haben schon abgeschlossen. Wir müssen Bad Berneck neu zünden.“ Die Stadt brauche ein besseres Image.

Die Chancen der Stadt

In der getrübten Stimmung in der Stadt sieht auch Coopolis ein Problem. Dabei könne man viel optimistischer sein, denn die Stadt habe viel zu bieten: historisches Erbe, kulturelles Angebot, günstigen Wohnraum, ein einmaliges Ortsbild, erlebbare Natur, eine gute Verkehrsanbindung, wenn man mit dem Auto anreist.

Coopolis will die Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit und das weitere Vorgehen nun allen Bürgern vorstellen: Am 3. März, 19 Uhr, im Eventzio. Danach müssen die Bad Bernecker selbst ran. Zunächst einmal gilt es, das Untersuchungsgebiet zu erwandern (5. März, 13 Uhr, Treffpunkt am Schwimmbad). Im März und April werden außerdem sogenannte Expertengespräche stattfinden. Am 16. März geht es ums Wohnen in Bad Berneck. Zu diesem Gespräch sollen gezielt die Eigentümer der Gebäude im Untersuchungsgebiet eingeladen werden. Am 17. März geht es um Kunst und Kultur und die Frage, ob das Kulturangebot in der Stadt nicht als Chance für den Tourismus genutzt werden sollte. Am 7. April dann ist Generationen und Soziales das Thema des Gesprächs. Dabei geht es darum, wie das Bad Bernecker Gemeinwesen in der Zukunft aussehen kann. Die Expertengespräche beginnen alle um 19 Uhr und finden in der Bürgerwerkstatt statt.

Beteiligen kann sich jeder aber auch, indem er einfach in eins der Bad Bernecker Wirtshäuser geht. Dort liegen nämlich jetzt Bierfilze aus, auf denen man seine Ideen für die Stadt schreiben und sie anschließend in der Bürgerwerkstatt abgeben kann. Stefanie Raab von coopolis hofft damit auf eine riesige Ideensammlung, was man mit und aus der Stadt machen kann.

Weitere Themen aus dem Stadtrat

Dorferneuerung: Mit der Dorferneuerung in Bärnreuth und der Erweiterung des Feuerwehrhauses kann es sofort losgehen, informierte Bürgermeister Jürgen Zinnert den Stadtrat. Nachdem die Räume im Obergeschoss des Feuerwehrhauses der gesamten Dorfgemeinschaft zur Verfügung stehen sollen, kann die Stadt auf einen Zuschuss in Höhe von 90 Prozent rechnen.

Felsen: Kurhaus- und Rotherfelsen werden im Herbst mit Steinschlagzäunen versehen. Die Kosten dafür werden derzeit auf rund 240000 Euro geschätzt. Die Stadt muss diese Sicherungsmaßnahmen vorfinanzieren. Anschließend soll bei der Regierung von Oberfranken eine Bedarfszuweisung beantragt werden, die den Großteil der Kosten abdecken könnte.

Wasserversorgung: Noch einmal vertagt wurde, einen Auftrag nachträglich abzusegnen. Die Verwaltung hatte ein Ingenieurbüro beauftragt, eine Verbindungsleitung von Heinersreuth nach Bärnreuth zu planen – in der Annahme, dieser Auftrag sei über einen alten Vertrag zur Wasserversorgung abgedeckt. Da dies nicht der Fall war, muss der Stadtrat nun nachträglich grünes Licht geben. Da jedoch verschiedene Planungsphasen nicht ausdrücklich in der Planung aufgeführt sind, will der Stadtrat nun zunächst die Haftungsfrage für diese Planungsphasen geklärt haben. Diskutiert wird hier über eine Summe von knapp 21000 Euro für die Planungsarbeiten des Ingenieurbüros.

Breitbandausbau: Bis Ende des Jahres sollen alle Bad Bernecker schnelles Internet zur Verfügung haben. Konkret geht es jetzt noch um Teile der Blumenau und der Kulmbacher Straße, Frankenhammer, Eichberg, Kösslar, Micheldorf, Nenntmannsreuth, Röhrenhof, Hinterrörhenhof, Juliusthal und Gothendorf. Zusammen mit den Gemeinde Speichersdorf, der Verwaltungsgemeinschaft Weidenberg und Goldkronach will man nun Geld aus dem Breitbandförderprogramm des Bundes beantragen. Den Antrag wird federführend die Stadt Goldkronach stellen.

Bauhof: Nachdem ein Fahrzeug des Stadtbauhofes immer wieder den Geist aufgibt, soll nun ein neues angeschafft werden. Der Stadtrat fasste jedoch noch keinen Beschluss, sondern will erst Angebote anderer Firmen einholen und klären lassen, ob Leasing oder ein finanzierter Kauf günstiger sei.

Theater: Die Freilichtbühne am Schlossturm bekommt einen neuen Bühnenbelag. Das Material wird bezahlt, die Arbeiten werden von den Mitgliedern des Fördervereins historischer Stätten und der Freien Bühne Bayreuth übernommen.