Bürger in Leups und Büchenbach haben sich mit den Anlagen arrangiert – Ärger wegen Eisklumpen Windräder kein Aufreger mehr

Von Klaus Altmann-Dangelat

Im Winter werden wieder Eisklumpen von den Windrädern fallen. Die Firma Ostwind denkt bereits voraus: Sie möchte wegen der Eiswurfgefahr im Windpark Lindenhardt-Tannberg auf Waldwegen die Wanderer warnen können. Ein entsprechender Antrag wird in der Stadtratssitzung am Montag behandelt. Das nahm der Kurier zum Anlass, in der Region zu fragen, wie sich die Bürger mit den riesigen Bauwerken arrangiert haben.

Die neuen Nachbarn grüßen vom gegenüberliegenden Hang herüber: Die Windräder thronen geradezu über dem Leupser Neubaugebiet. Foto: Ralf Münch Foto: red

Die Umfrage in den Ortschaften Leups und Büchenbach ergab ein ziemlich eindeutiges Bild: Die Menschen haben sich mit den etwas überdimensionierten Nachbarn abgefunden. Je länger die Anlagen schon stehen, desto weniger fallen sie im Alltagsleben auf. Schnee und Eis werden jedoch für einigen Unmut sorgen. „Wenn ich im Winter wieder meinen Sohn nach Bayreuth fahre“, so Brigitte Schmitt aus Büchenbach, „wird es hin und wieder gefährlich. Denn dann kommt es vor, dass große Eisklumpen, die vom Rotor fallen, auf der Straße in Richtung Trockau landen. Denen muss man rechtzeitig ausweichen.“

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Weil dies im gesamten Bereich der Windräder der Fall ist, möchte die Firma Ostwind in gefährdeten Bereichen Klappschilder und sogenannte Wechselverkehrszeichen aufstellen. Es handelt sich dabei um Hinweiszeichen, die im Bedarfsfall gezeigt, geändert oder aufgehoben werden können.

Warum fallen aber keine Eisklumpen auf die Autobahn? Jörg Stricker, dem Leiter der Trockauer Autobahnmeisterei, ist kein solcher Fall bekannt. Die Antwort liefert Ostwind: Die Anlagen in Autobahnnähe besitzen Sensoren, die auf Kälte reagieren.

Windanlage wird automatisch gestoppt

Wenn sich eine Eisschicht auf den Rotorblättern bildet, wird die Windanlage automatisch gestoppt. Die Folge: Das Eis rutscht senkrecht nach unten und bleibt im engeren Umfeld des Windrades liegen. Dadurch werde verhindert, dass Eisklumpen in Richtung Autobahn geschleudert werden.

An der A 9 entsteht der neue Windpark Buchau. Es ist das zweite Projekt, das die Firma Ostwind gemeinsam mit der Stadt Pegnitz umsetzt. Nach dessen Fertigstellung wird auch der neue Windpark von der Stadt im Eigenbetrieb geführt. „Das Windprojekt ist damit ein weiterer Baustein in dem von Ostwind vor Ort angeregten sogenannten Windcluster, in dem die ganze Breite der heute möglichen kommunalen Bürgerbeteiligung und Wertschöpfung zum Tragen kommt“, so Ostwind-Sprecher Christoph Markl-Meider. In Buchau sehen das viele Bürger anders, viel kritischer - der Kurier berichtete ausführlich. Doch die Bürger, die vom Kurier in Leups und Büchenbach befragt worden sind, gehen mit der Situation sehr entspannt um.

Benjamin Schmitt aus Leups: „Mich stören die Windräder nicht. Falls sie Lärm produzieren, wird er von der Autobahn übertönt. Windschatten haben wir manchmal im Frühjahr, wenn die Sonne ungünstig steht. Aber das ist schon alles.“ Die Familie ist vor zwei Jahren eingezogen, die Schmitts wussten also, dass sie sehr große Nachbarn haben. „Wir haben die Windräder ja schon von Trockau aus, wo wir vorher gewohnt haben, gesehen.“

"Man gewöhnt sich daran"

Brigitte Schmitt wohnt in Büchenbach in dem Haus, das den Windrädern am Nächsten ist. Auch sie fühlt sich nicht gestört, „man gewöhnt sich daran“. Die Familie nutzt die Anlagen zur Wettervorhersage. Denn die Rotoren werden nach der jeweiligen Windrichtung positioniert.

Rosi Bauer aus Büchenbach geht viel mit ihrem Hund spazieren. Deshalb kennt sie die Windräder aus jedem Blickwinkel. „Optisch war das schon eine Umgewöhnung“, sagt sie, aber man gewöhnt sich daran, man blendet es einfach aus. Aber man muss schon sehen“, fügt sie hinzu, „dass es bei uns in der Region im Umkreis von wenigen Kilometern schon sehr viele solcher Windräder gibt.“

Daniel Bauernschmitt wohnt im Leupser Neubaugebiet: „Wir haben gerade gebaut, als auch die Windräder errichtet worden sind. Wir wussten also, was auf uns zukommt. Wir haben kein Problem damit, unsere Lebensqualität wird dadurch nicht geschmälert.“ Man wisse ja, dass die Räder wichtig für die Energiewende sind.

Keine urtypische Landschaft

Ähnliche Töne vernimmt man auch von „der“ Institution, die sich um den Erhalt der Heimat kümmert, vom Fränkische-Schweiz-Hauptverein (FSV). Sprecher Reinhard Löwisch meint beispielsweise: „Als in Gosberg bei Gräfenberg vor etwa zehn Jahren das erste Windrad aufgestellt worden ist, gab es viele Proteste. Heute stört sich keiner mehr daran.“ Im Gegenteil: „Das Windrad wird mittlerweile als Wegweiser für Wanderer genutzt, weil es schon von weitem sichtbar ist.“

Der Fränkische-Schweiz-Verein sei angetreten kennzeichnende Orts- und Landschaftsbilder zu schonen und zu erhalten. „Die Gäste, die zu uns kommen, erwarten eine intakte, wenig gestörte urtypische Landschaft“, heißt es in einer Resolution aus dem Jahr 2013. Für Bereiche an der Autobahn könne man das aber nicht in Anspruch nehmen, so Löwisch weiter.

Die Bereiche an der A 9 und die A 70 (wo sich mittlerweile zahlreiche Solarflächen befinden) würden nicht mehr zu dieser „urtypischen Landschaft“ zählen. Auch wenn sich in der Nähe von Körbeldorf mit dem Kleinen Kulm die höchste Erhebung der Fränkischen Schweiz befindet. Ähnliches gelte für den Lindenhardter Forst.