Bruinsmas Statement Neuzugang führt Medi-Team zum 95:89-Sieg

Stark unter dem Korb, von außen und selbst bei der Humba mit den Fans: Medi-Forward Evan Bruinsma (am Ball, gegen Henry Pwono) war der Mann des Abends. Foto: Peter Kolb

BASKETBALL. Trug der Aufwärtstrend von Medi Bayreuth nach zwei Fiba-Europe-Cup-Erfolgen und einem Bundesliga-Sieg noch leicht fragile Züge, so darf man ihm nach dem hart erkämpften 95:89 (49:33) gegen die formstarken Löwen Braunschweig ausreichende Stabilität attestieren. Vor allem weil es ein besorgniserregendes Tief nach der Pause gegeben hatte, die Mannschaft von Coach Raoul Korner aber abgeklärt und selbstbewusst darauf reagierte.

 

Besonders beeindruckend war neben dem hohen Maß an Energie des gesamten Medi-Teams die Vorstellung eines Mannes, der von nicht wenigen Anhängern schon als „nicht ligatauglich“ gebrandmarkt worden war: Evan Bruinsma bot eine Partie der Extraklasse.

Vorzugsweise auf der Viererposition, aber auch als Center-Alternative erledigte der 26-Jährige Forward die ihm gestellten Aufgaben mit Bravour. Mit 23 Punkten war er nicht nur Topscorer der Partie. Er hatte auch wesentlichen Anteil daran, dass sein Team mit einem 49:33-Vorsprung in die Pause gegangen und dass dieses Polster in der Schlussphase nicht komplett dahingeschmolzen war. Und außerdem: „Seine Humba war exzellent, es war die beste Humba eines Ausländers seit Jahren“, scherzte Korner nach dem Spiel.

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Großes Lob von Raoul Korner

Nichts erinnerte an diesem Abend an Bruinsmas Anfangszeit im Medi-Team, als er sich zaudernd und unsicher präsentierte, Bälle verlor, freie Würfe versemmelte und sich so den Zorn des eigenen Anhangs zuzog. Auch Korner hatte den schweren Einstand seines Neulings nicht vergessen, als er nach der Partie zu einer Laudatio ansetzte. „Er hat heute genau das gezeigt, was wir uns von ihm erhofft haben. Das ist der Bruinsma, den wir verpflichtet haben“, sagte der Medi-Coach, um dann noch einen Seitenhieb auf Bruinsmas Kritiker anzubringen. „Manche Spieler brauchen einfach etwas länger. Aber Heroes of Tomorrow heißt nicht, den Spieler zu killen, zu verdammen, zu beschimpfen oder verbal in die Wüste zu schicken. Das war heute ein Statement von seiner Seite, dass er in die Liga gehört und dass er uns noch sehr viel Freude machen kann.“

Evan Bruinsma selbst hatte diese Lobeshymne gar nicht mitbekommen, als er fast unbemerkt, in kurzen Hosen und mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze die Halle verlassen hatte. Auf seine persönliche Leistung angesprochen, blieb er ganz Schwiegermuttis Liebling. Er dankte überaus höflich, sprach davon, dass er sich nicht habe beirren lassen und beim Training weiter Gas gegeben habe, als es nicht so gelaufen war, um dann aber sofort das Team in den Fokus zu rücken. „Wir haben heute alle miteinander einen enorm guten Job gemacht, weil wir die Bretter recht gut kontrolliert haben und einfach unheimlich viel investiert haben.“

Man konnte ihm schwerlich widersprechen. Das Invest war in der Tat herausragend – vom Tippoff weg – und riss auch die Zuschauer mit. Mit starker Defense vor allem in unmittelbarer Korbnähe gegen den als Schlüsselspieler auserkorenen Löwen-Center Scott Eatherton erkämpfte sich Medi eine Führung, die ab dem 10:9 (5.) kontinuierlich anwuchs. Während im ersten Viertel Nate Linhart (6 Punkte) die Führungsrolle inne hatte, übernahm nach der ersten Pause Bruinsma, markierte zwölf Punkte und führte sein Team zu einer komfortablen 49:33-Pausenführung. „Wir waren in der Tat ein wenig überrascht von der Bayreuther Intensität und vielleicht auch ein bisschen von der Atmosphäre“, gestand nach der Partie Löwen-Kapitän Thomas Klepeisz. Besagte Atmosphäre hatte spätestens nach Bruinsmas zwei verwandelten Freiwürfen zum Ende der ersten Halbzeit Playoff-Format.

Medi-Durchhänger nach der Halbzeit

Allerdings kühlte die Stimmung zu Beginn des dritten Abschnitts schnell wieder ab. Hier merkte man schnell, dass die Bayreuther Psyche doch noch ein wackeliges Gebilde ist. Binnen dreieinhalb Minuten hatten die Gäste, die von Mann- auf Zonenverteidigung umgestellt hatten, ihren 16-Punkte-Rückstand auf vier Punkte (50:46, 24.) eingedampft. Mehr aber ließen sich die Bayreuther zunächst nicht abnehmen, weil die Center Andreas Seiferth und Reid Travis unter den Körben weiterhin erstklassige Arbeit leisteten und das Teamplay wieder in Gang kam.

Heikel wurde es erst in der Schlussphase, als erst Travis (4:41 Minuten vor Ende bei 80:73) und kurze Zeit später Seiferth (2:48 / 84:75) mit dem fünften Foul auf die Bank gezwungen wurden. Aber es gab ja immer noch Bruinsma. Mit einem Dreier 1:46 Minuten traf er zum wieder beruhigenden 87:81-Vorsprung, ehe es ihm James Woodard 61 Sekunden vor Ende gleich tat. Entschieden war die Partie aber erst, als sich die Bayreuther bei 18 Sekunden Restspielzeit einen Aufbaupass der Löwen eroberten. Der Eroberer? Na wer schon…

Stimmen zum Spiel

Raoul Korner (Trainer Bayreuth): Es war ein wichtiger und schöner Sieg für uns, der unseren Aufwärtstrend noch einmal ganz klar untermauert. Hut ab, dass sich die Mannschaft nach dem Durchhänger zu Beginn der zweiten Halbzeit mit so viel Energie zurück ins Spiel gekämpft hat. Aber wir hatten dann die Big Plays auf unserer Seite. Es waren am Ende einige Kleinigkeiten, die den Ausschlag ergaben und das Spiel nicht komplett kippen ließen.

Pete Strobl (Trainer Braunschweig): Zunächst herzlichen Glückwunsch an Raoul Korner und seine Mannschaft zum verdienten Sieg. Sie haben als Mannschaft definitiv besser zusammengespielt als wir. Besonders in der ersten Halbzeit waren wir nicht konsequent genug. Als junge Mannschaft müssen wir lernen, dass es auswärts schwer ist, einen Sieg einzufahren. Das muss man aber erst lernen und nicht als selbstverständlich erachten, dass dieser Sieg einfach so passiert, so etwas muss man sich hart erarbeiten.

Thomas Klepeisz (Braunschweiger Kapitän): Es war ein sehr intensives Spiel, in dem wir den Kampf zu spät angenommen haben. In der ersten Halbzeit hatten wir noch nicht die Playoff-Mentalität, und deswegen haben wir verloren. Wir sind zwar schnell wieder herangekommen, hatten dann aber zu viele Aussetzer in der Defensive. Insgesamt war es ein tolles Spiel in großartiger Atmosphäre.

Bastian Doreth (Bayreuther Kapitän): Einerseits haben wir Scott Eatherton gut aus dem Spiel genommen, andererseits haben wir sehr gut getroffen – das waren die Schlüssel zum Erfolg.

 

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