Brücken-Allianz Auf der Suche nach neuen Ideen

Christl Schemm
Ein Projekt der Brücken-Allianz Bayern-Böhmen, das mit Mitteln aus dem Regionalbudget gefördert worden ist, sind Schilder mit alten Flurnamen und Ortsbezeichnungen des allgemeinen Sprachgebrauchs im Arzberger Stadtteil Röthenbach. Das Bild zeigt das Schild für das Baugebiet am Olatsberg, das im Volksmund „Millionenhügel“ genannt wird. Foto: Stadt Arzberg

Das Entwicklungskonzept für die Brücken-Allianz Bayern Böhmen soll für die nächsten Jahre fortgeschrieben werden. Bei einem Treffen in Arzberg können Kommunalpolitiker ihre Anregungen einbringen.

Zusammen geht’s besser, zusammen kann man mehr erreichen. Das dachten sich wohl auch vor nun fast 20 Jahren die politischen Entscheidungsträger, als sie sich im Februar 2004 dazu entschieden, ihre sechs Städte und Gemeinden in der Brücken-Allianz Bayern-Böhmen zu vereinen. Seither haben Arzberg, Hohenberg, Schirnding, Thierstein, Thiersheim und Höchstädt jede Menge Projekte – rund 85 – auf die Beine gestellt: vom Kronfleisch-Flyer bis zum Jugendkunstprojekt, von der Beleuchtung der Burg Hohenberg bis zum Bau von Radwegen. In Arbeitskreisen entwickelten die Bürgerinnen und Bürger Arbeitsprogramme, die ein Regionalmanagement koordiniert. All das geschieht unter dem Dach der „Integrierten Ländlichen Entwicklung“ (ILE), für die das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) zuständig ist. Sitz der Brücken-Allianz ist Arzberg. Der aktuelle Vorsitzende ist der Arzberger Bürgermeister Stefan Göcking.

Neue Projekte

Für Dienstagabend waren die Stadt- und Gemeinderäte aus allen sechs Mitgliedskommunen in den Festsaal der Arzberger Bergbräu eingeladen. Hintergrund ist, dass das „Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept“ (ILEK) für den Bereich der Brücken-Allianz Bayern-Böhmen fortgeschrieben werden muss. Das ist die Voraussetzung dafür, dass auch weiterhin Fördermittel fließen und neue Projekte angegangen werden können.

Nach Arzberg gekommen waren auch Diplom-Geograf Andreas Hacke und seine Mitarbeiterin Nicola Zips vom Stadt-, Orts- und Regionalentwicklungsbüro Geoplan in Bayreuth sowie Tobias Alt vom ALE Bamberg.

Guter Ansatz

Um die Brücken-Allianz zukunftsfähig zu machen und weiterzuentwickeln, sei die Mithilfe der Kommunalpolitik sowie der Bürgerinnen und Bürger nötig, sagte Bürgermeister Stefan Göcking. Die Allianz sei weit mehr als das Regionalbudget, mit dem in den vergangenen beiden Jahren viele Kleinprojekte auf den Weg gebracht worden sind. „Ich sehe uns als Pendant zu den weit größeren Gemeinden und aufgrund unserer Gesamteinwohnerzahl als starke Stimme im Landkreis“, betonte der Vorsitzende. Der Corona-Pandemie wegen sei die grenzüberschreitende Kommunikation leider etwas „eingeschlafen“. „Das dürfen wir nicht vergessen, und zwar sowohl Richtung Tschechien als auch Konnersreuth“, meinte Göcking. Ein guter Ansatz zusammenzuarbeiten, sei auch das neue Flächenmanagement, das es ermögliche, Flächen gemeinsam zu halten und zu entwickeln.

Verschiedene Handlungsfelder

Tobias Alt vom ALE verwies darauf, wie wichtig es sei, die Kommunalpolitikerinnen und -politiker einzubinden. Das bestätigte auch Andreas Hacke vom Büro Geoplan, das mit der Fortschreibung des ILEK beauftragt ist. Bei Gesprächen mit den Bürgermeistern, in Fachgesprächen, bei Treffen der Lenkungsgruppe, bei einer Online-Bürgerbefragung sowie der Evaluierung 2021 seien bereits Vorschläge für neue Projekte gesammelt worden. Im Februar solle dazu ein weiterer Ideen-Workshop stattfinden. Am Ende dieses Prozesses werde die Fortschreibung des Konzepts öffentlich vorgestellt.

Über den Berg

Ausführlich blickte der Fachmann in einer Präsentation auf verschiedene Handlungsfelder. Zwar verliere die Region Einwohnerinnen und Einwohner, aber dass deswegen alles schlecht sei, stimme einfach nicht. In den vergangenen Jahren sei sogar ein positiver Wanderungssaldo verzeichnet worden. Nach Einschätzung Hackes zeigen sich Tendenzen, dass sich die Einwohnerzahlen konsolidieren und junge Menschen wieder vermehrt in der Region bleiben oder sogar von außen nachrücken. Den Unternehmen im Allianz-Bereich bescheinigte der Planer, gut aufgestellt zu sein. Der Gastronomie gehe es gut. Es gebe Anfragen für Betriebsansiedelungen und eine hohe Nachfrage nach Bauland. „Beim Strukturwandel sind wir über dem Berg“, meinte Hacke. In Sachen Kultur gebe es viele Veranstaltungen, auch solche mit überregionaler Anziehungskraft.

Als Bereiche, in denen es teilweise nicht so gut aussehe, hätten sich die ärztliche Versorgung, die Erreichbarkeit von Lebensmittelmärkten und Treffpunkte für Jugendliche herausgestellt. Auch der Öffentliche Personennachverkehr (ÖPNV) werde als nicht ausreichend empfunden. Und: Die Brücken-Allianz hat augenscheinlich ein Problem, sich nach außen darzustellen, ihre Erfolge zu präsentieren und sich generell bekannter zu machen. „Die Leute fühlen sich nicht gut informiert“, sagte Hacke.

Wie es mit der Allianz weitergehen soll, wird also in den nächsten Monaten entschieden. Einen Baustein dafür trugen beim Treffen in Arzberg die Stadt- und Gemeinderäte bei, indem sie ihre Ideen und Anregungen zu den verschiedenen Handlungsfeldern auf großen Papierbögen niederschrieben.

Pro Jahr 100 000 Euro

Förderung
Ein guter Ansatz, die Arbeit der Bücken-Allianz nach außen zu vermitteln, ist das Regionalbudget, mit dem in den vergangenen beiden Jahren mehr als 40 Kleinprojekte mit positiven Effekten für die Allgemeinheit gefördert worden sind (wir berichteten mehrfach). Jeweils 100 000 Euro gibt es dafür pro Jahr an Fördermitteln. Aktuell können noch Anträge eingereicht werden. Antragsformulare und weitere Informationen gibt es unter www.bayern-boehmen.de. Ausführlich stellte ILE-Umsetzungsbegleiterin Sabine Ehm die vielen Projekte vor, von denen Vereine, Verbände, Stiftungen, Privatpersonen, Kirchen und Kommunen profitierten. Die Förderung diene dazu, die Lebensqualität zu sichern und weiterzuentwickeln, die regionale Identität zu stärken.

 

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