Der Service entstand in den 1940er Jahren in England und kam Anfang der 1960er Jahre nach Deutschland. Das Nachbarschaftshaus an der Berliner Urbanstraße versorgte im Juli 1961 erstmals 30 Kreuzberger Rentner mit warmen Mahlzeiten. Ein Essen kostete damals 20 Pfennig. Heute ist dieser Dienst vor allem für ältere und sozial schwache Bürgerinnen und Bürger nicht mehr wegzudenken. Viele Wohlfarts- und Hilfsorganisationen bieten Essen auf Rädern an; nicht selten sind die Helfer von BRK, Arbeiterwohlfahrt, Arbeiter- und Samariterbund (ASB) oder Caritas oft auch willkommene Gesprächspartner für einsame Menschen. Im Raum Auerbach sorgen das Bayerische Rote Kreuz und der ASB für volle Mägen.

Vorläufer im Landkreis

Das Rote Kreuz betreibt den Menüservice in Auerbach seit knapp 20 Jahren. „Wir waren damals der Vorläufer dieses Systems, nicht nur vor Ort, sondern im ganzen Landkreis“, erklärt Markus Popp, Leiter des BRK Auerbach. Früher seien die Kunden überwiegend mit Tiefkühlkost beliefert worden, die sie dann selbst zubereiten mussten. „Wir begannen erstmals damit, frisch zubereitete Mahlzeiten als Menü mit Vor-, Haupt- und Nachspeise – warm in jeden Haushalt zu liefern.“

Velden startete 1975

Der ASB begann in den 1970er Jahren mit dem Service Essen auf Rädern. Es war der frühere Ortsverband Velden, der am 1. Dezember 1975 damit startete. Bei den Auerbacher Samaritern war ein öffentliches Probeessen 1986 mit gerade einmal zwei Personen der Auftakt, weiß Roland Löb, Regionalvorstand des ASB-Regionalverbands Jura. „Die damaligen Akteure waren sich unsicher, ob überhaupt die Dienstleistung aufgenommen werden soll, aber sie haben sich zum Glück nicht beirren lassen.“

Drei Mitarbeiter beim BRK

Beim BRK fahren geringfügig Beschäftigte (450 Euro-Jobber) das Essen aus. Die drei Mitarbeiter beliefern die Kunden nach einem geregelten Dienstplan mit nur einem Fahrzeug. Das BRK versorgt den gesamten Gemeindebereich von Auerbach von Ranna bis Ranzenthal. „Einen größeren Radius beliefern wir nicht, weil dann das Essen an Qualität verlieren würde“, betont Popp. Die verschiedenen Menüs könnten vom Kunden gewählt werden. Das BRK liefert täglich, auch am Wochenende und an Feiertagen. Dabei müsse der Kunde keinerlei Vertragsbindung mit dem BRK eingehen, er könne frei wählen, wann und wie oft er beliefert werden möchte.

Täglich zuverlässig

Die Zeiten, als Zivildienstleistende die Mahlzeiten gebracht haben, sind auch beim ASB längst vorbei. Heute beschäftigt man zwölf Teilzeitkräfte und Mini-Jober plus eine Verwaltung- und Organisationskraft, die dafür Sorge tragen, dass die frisch gekochten Menüs gebracht werden. „Da rollt eine kleine Flotte mit vier Fahrzeugen täglich durch die Region“, schildert Löb. Der ASB ist von Trockau bis kurz vor Hersbruck, von Pottenstein bis Königstein vertreten. „Das sind weite Strecken und ein großflächiges Gebiet mit diversen logistischen Herausforderungen im Sommer wie im Winter. Aber alle Bezieher bekommen ihr Essen täglich zuverlässig und mit einem Lächeln geliefert“, sagt Löb. Bei manchen Kunden sei der tägliche Kontakt sozusagen der Hauptgang und das eigentliche Essen nur das Dessert, weil der Besuch unserer Mitarbeiter oft der Einzige sei. „Unsere geschulten Kräfte erkennen beim Überbringen der Mahlzeiten auch, wenn sich an der Situation der Menschen etwas ändert. Deshalb ist da immer auch ein kleines Stück Sicherheit dabei.“

35 bis 50 Haushalte

Zwischen 35 und 50 Haushalte beziehen Essen auf Rädern vom Roten Kreuz. Die Anzahl bleibe weitgehend stabil, mit geringen Schwankungen nach oben oder unten. Die meisten Kunden würden sich dankenswerterweise längerfristig für diese Dienstleistung entscheiden. Auch in Corona-Zeiten laufe der Service weiter wie bisher, allerdings unter Beachtung geltender Hygienevorschriften. „Das ist auch sehr wichtig für die Menschen, für die der Besuch unseres Dienstes häufig die einzige Möglichkeit für ein kurzes Gespräch am Tag bietet.“

110 Mahlzeiten

Der ASB liefert täglich circa 110 Mahlzeiten zu den Senioren. Weitere 140 Portionen stelle man den Kindertagesstätten und Schulen zur Verpflegung bereit. Roland Löb: „In den vergangenen Jahren hat die Nachfrage zugenommen. Da zeigt sich zum einen die demographische Entwicklung und zum anderen ist die Hemmschwelle, sich mit dem Essen unterstützen zu lassen, niedriger geworden. Das althergebrachte Klischee des ‚Arme-Leute-Essens‘ ist in der Asservatenkammer verschwunden.“ Durch die Übernahme der Dienstleistung vom Diakonieverein Pegnitz habt der Mahlzeitendienst des ASB im vergangenen Jahr nochmals einen Schub bekommen.

Überwiegend Senioren

Der Service des BRK werde von Kunden unterschiedlichen Alters angenommen. Zwar seien es überwiegend Senioren, aber auch Personen, die noch berufstätig seien. „Oder Leute, die kurzfristig keine Möglichkeit haben, selbst zu kochen oder einzukaufen oder die die Leistung unfallbedingt von einer Versicherung bezahlt bekommen“, sagt Popp. Es gebe täglich eine Suppe und als Nachspeise Obst, Joghurt oder Kuchen, das Hauptmenü wechselt von klassischer Mehlspeise wie Kaiserschmarrn bis hin zu Schweine- oder Sauerbraten und Fisch. Gekocht wird in der Küche der St. Johannes Klinik, der Markus Popp dafür herzlich dankt. „Schließlich ist das ein zusätzlicher Aufwand, der zum täglichen Klinikbetrieb hinzukommt. Eine klassische Buchung sei nicht nötig, wer möchte, könne unter der Telefonnummer 09643/91199 oder 09621/47450 anrufen und die Wunschtermine den BRK-Mitarbeitern mitteilen. „Dabei sind wir relativ flexibel, sodass Zu- oder Abbuchungen bis einen Tag vorher jederzeit möglich sind.“

Hygiene oberstes Gebot

Hygiene sei beim Essen auf Rädern ohnehin oberstes Gebot, antwortet der ASB-Vorstand auf die Frage nach dem Prozedere in Corona-Zeiten. „Wir handeln ja mit Lebensmitteln. Das Gesundheitsamt prüft da auch regelmäßig. Jetzt gibt es noch die Masken dazu und die entsprechenden Abstandsregeln vor allem bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Das lässt sich alles ganz gut umsetzen und ist eben auch zur Sicherheit aller Beteiligten.“

Sehr verlässlicher Partner

Der ASB arbeitet seit langem mit dem Auerbacher Jakobushof „hervorragend zusammen“. Löb: „Das hat sich bestens eingespielt, auch weil der Jakobushof ein sehr verlässlicher Partner ist.“ Das habe sich auch während der heißen Corona-Phase im Frühjahr gezeigt. „Wir sind froh, täglich frisch gekochte Mahlzeiten anbieten zu können.“ Chefkoch Marco lasse sich bei den Menüs immer wieder etwas einfallen. Er sorge mit seinem Team für einen ausgewogenen Speiseplan, der alle Anforderungen widerspiegle. „Da darf es schon einmal ein Stück Gänsebraten mit Kloß und Rotkohl sein. Suppe und Dessert sind auch kein Thema“, sagt Löb. Bei den Bestellungen ist der ASB-Regionalverband flexibel. „Wenn’s an einem bestimmten Tag oder nur für ein paar Tage sein soll, ist das kein Problem. Wenn man zwei Tage vorher die Anforderung bekomme, könne man alles problemlos organisieren.

Essen nur im Mehrweggeschirr

Das BRK nutzt schon immer nur Mehrweg-Geschirr. Jede Mahlzeit werde in verschließbarem Porzellangeschirr geliefert, das sich in einer geschlossenen Thermobox befinde. Darin blieben die Speisen circa eineinhalb Stunden „schöpffrisch“, wie es im Fachjargon heißt. Nach Gebrauch sollte der Kunde das Geschirr lediglich kurz unters Wasser halten, gespült werde in der Küche. Am Folgetag werde die gebrauchte Box abgeholt.

Täglich frisch gekocht

Ähnlich sieht es bei den Samaritern aus. Durch Spenden und Mitgliedsbeiträge habe man vor einigen Jahren für einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag Thermo-Mehrweggeschirr angeschafft. „Damit konnten wir die silbernen Henkelmänner, die auch schon Mehrweg waren, aber von der Ästhetik und vom Wärmeerhalt nicht mehr zeitgemäß waren, abschaffen“, betont Roland Löb. Da täglich frisch gekocht und nicht nur aufgewärmt werde, gebe es beim ASB keine Aluschalen oder ähnliches.