BRK Kulmbach Neutralität als oberstes Gebot

Melitta Burger
Stefan Adam ist bei den Einsätzen seines Kulmbacher BRK-Teams, wie in der Dreifachturnhalle in Weiher, persönlich dabei. Wenn es um Hilfe in Krisensituationen wie in der Ukraine geht, legt das Rote Kreuz Wert auf Neutralität. Foto:  

Das Rote Kreuz hält sich mit jeglicher Parteilichkeit strikt zurück. Nur so, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Stefan Adam, ist Hilfe in Brennpunkten möglich.

Wenn es um die Ukraine geht, dann fällt bei den Aktiven des Roten Kreuzes niemals das Wort „Krieg“. Peter Maurer, Präsident des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) beispielsweise spricht von einem „Konflikt“ und adressiert die „Konfliktparteien“. Auch wenn die ganze Welt das Wort „Krieg“ verwendet; das Rote Kreuz muss es sich verkneifen.

Zum einen, weil offiziell kein Krieg erklärt worden ist. Das ist eine Formalität für die meisten Menschen, in gewissen Kreisen aber ist sie von echten Bedeutung. Am wichtigsten für das Rote Kreuz, das Helfer in praktischen allen Krisenregionen der Welt einsetzt, um humanitäre Hilfe zu leisten, ist die Neutralität. Es wird keine Stellung bezogen, es werden keine Urteile gefällt.

Nur so kann Hilfe in den Brennpunkten geleistet werden

Das, erklärt der Kulmbacher BRK-Kreisgeschäftsführer Stefan Adam, ist die Grundlage dafür, dass die Mitarbeiter des Roten Kreuzes meist von allen Konfliktparteien zumindest akzeptiert werden. Nur so kann Hilfe mitten drin in den Brennpunkten geleistet werden. Die Verpflichtung zu dieser Neutralität gelte aber nicht nur in den Krisengebieten, sondern überall.

Als Christopher Kreuzer von den BRK-Bereitschaften in Neuenmarkt am Freitag eine Gruppe von ehrenamtlichen Helfern auf ihren Einsatz für eine Flüchtlingsgruppe aus der Ukraine vorbereite, machte er sehr deutlich: Schuldzuweisungen gegenüber welcher Konfliktpartei auch immer sollen unterlassen werden, wenn man im Namen oder unter dem Logo des Roten Kreuzes unterwegs ist.

Sieben Grundsätze

Stefan Adam erklärt, warum es so wichtig ist, dass sich Vertreter des Roten Kreuzes, sobald sie als solche erkennbar sind, neutral verhalten müssen. Es gehe darum, allen Menschen in Not zu helfen, unabhängig welcher „Seite“ oder Religion sie angehören. „Die Neutralität ist einer der sieben Grundsätze des Roten Kreuzes, ebenso wie die Unabhängigkeit und die Unparteilichkeit. Diese Grundsätze sind die Basis unseres gemeinsamen Denken und Handelns beim Roten Kreuz.“ Auch die Universalität habe große Bedeutung. „Man sieht das gerade jetzt sehr deutlich: Wir machen Corona-Abstriche und helfen gleichzeitig Flüchtlingen.“ Die Bandbreite , sagt Adam, sei groß.

Das Rote Kreuz oder auch seine Schwesterorganisationen wie etwa der Rote Halbmond, seien in jedem Land der Erde vertreten. „Viele Parteien und Gruppen vertrauen uns, weil wir auf Neutralität sehr großen Wert legen. Dadurch haben wir Zugang zu Plätzen und Orten, die anderen verschlossen sind. So können wir direkt vor Ort helfen und unterstützen. Deswegen ist es auch sehr wichtig, wenn wir jetzt, wo wir als Deutsches Rotes Kreuz unter dem Dach des internationalen Roten Kreuzes diese Neutralität sehr hoch halten und in Anspruch nehmen.“

Lebensbedingungen der Menschen verbessern

In der Ukraine leistet das IKRK nach eigenen Angaben, soweit die Sicherheitslage dies zulässt, dringend benötigte humanitäre Hilfe und lebensrettende Unterstützung. Medizinischen Teams sind ebenso im Einsatz wie Wasser- und Infrastrukturingenieure, die daran arbeiten, mehr als drei Millionen Menschen Zugang zu sauberem Wasser zu verschaffen und die Lebensbedingungen von Tausenden Menschen zu verbessern, deren Häuser durch schwere Kämpfe beschädigt wurden.

Das IKRK wurde 1863 gegründet und ist weltweit tätig. Es hilft Menschen, die von Konflikten und bewaffneter Gewalt betroffen sind und fördert die Einhaltung der Gesetze zum Schutz von Opfern. Das IKRK ist eine neutrale, unabhängige und unparteiliche Organisation, deren Mandat auf den Genfer Abkommen von 1949 beruht. Sein Sitz ist in Genf in der Schweiz und es ist in mehr als 100 Ländern tätig.

Das IKRK ist bereits seit 2014 mit einem Team von mehr als 600 Mitarbeitenden in der Ukraine tätig. Es arbeitet eng mit der Ukrainischen Rotkreuzgesellschaft und seinen Partnern in der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung zusammen, um auf die umfassenden und immer weiter steigenden humanitären Bedürfnisse in der Ukraine zu reagieren, heißt es von der Dachorganisation.

 

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