Briten-Virus „Ein abgeschlossener Fall“

Es klingt nach Uneinigkeit zwischen Klinikum Bayreuth und dem Gesundheitsamt, vor allem nach der Mitteilung, dass das mutierte Corona-Virus in Bayreuth aufgetaucht ist. Foto: Ralf Münch

Die Öffentlichkeit erfuhr nicht sofort vom Auftauchen der gefährlichen Virus-Variante in Bayreuth. Warum, erklärt das Landratsamt damit, dass der Fall längst abgeschlossen sei. Aber es bleiben Fragen. Zum Beispiel die, ob zwischen Klinik und Gesundheitsamt Zoff herrscht.

Bayreuth - Es scheint zu knirschen zwischen Landratsamt und Klinikum. Das lässt sich aus zwei Pressemitteilungen schließen, die beide Institutionen am Mittwoch zum Auftauchen der gefährlichen Briten-Variante des Corona-Virus verschickt haben.

Mittwoch, 16.12 Uhr: In einer Pressemitteilung gibt das Klinikum bekannt, dass die neue Virus-Mutation in Bayreuth aufgetreten sei. Die Klinik mache sich Sorgen, des Infektions-Geschehens im eigenen Haus dadurch noch schwerer Herr zu werden. Zumal die Personal-Situation immer enger werde. Das Klinikum will alle Patienten entlassen, wo dies möglich sei und ihre mehr als 3300 Mitarbeiter testen lassen. Ein erster Hilfeschrei des Klinikums.

Der Ärztliche Direktor und Pandemiebeauftragte der Klinikum Bayreuth GmbH, Prof. Thomas Rupprecht, wird mit den Worten zitiert: „Es geht darum, unsere Leistungsfähigkeit zu erhalten, um Patienten, ob mit oder ohne Covid, helfen zu können. Der Schlüssel dazu ist der Schutz unserer Mitarbeiter.“

Dr. Thomas Bollinger, Leitender Oberarzt und Fachimmunologe am Institut für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Klinikums kündigte an, das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zu bitten, „uns durch seine Task-Force mit Expertise und bei der Umsetzung weiterer eventuell notwendiger Maßnahmen zu unterstützen“. Weiter forderte er: „Eine stetige Belieferung mit Impfstoff, um die Impfaktion für Mitarbeiter verlässlich fortsetzen und ausbauen zu können, würde der Klinikum Bayreuth GmbH zudem helfen.“ Ein zweiter, klarer Hilferuf an die Politik. Das Landratsamt erwähnte Bollinger übrigens nicht.

Mittwoch, 19.02 Uhr: In einer Pressemitteilung reagiert das Landratsamt auf die Anfragen des Kuriers. Dort wird bestätigt, dass „in der Stadt Bayreuth der erste Fall der englischen Variante des Coronavirus entdeckt worden“ sei. Weiter wird darauf hingewiesen, dass der Fall weder am Klinikum aufgetreten sei noch mit dem Infektions-Geschehen dort etwas zu tun habe.

Die Pressemitteilung des Landratsamtes liest sich an zwei Stellen wie Vorwürfe ans Klinikum: „Es ist beabsichtigt, das Klinikum, das bislang erforderliche Infektionsschutzmaßnahmen, wie in Häusern dieser Versorgungsstufe üblich, selbst etabliert hat, durch die Behörden zu unterstützen.“ Das klingt, als ob die Behörde dem Klinikum, salopp gesagt, nicht zutraut, die Situation alleine zu meistern.

Dies ist auch an einer zweiten Stelle zu vermuten: „Eine zusammenfassende Darstellung des gesamten Geschehens – auch zur Kommunikation etwa mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit konnte durch das Klinikum noch nicht vorgelegt werden.“

Mittwoch, 19.37 Uhr: Klaus von Stetten, Leiter des Gesundheitsamtes, schrieb kurz nach Erscheinen der Pressemitteilung seiner Behörde in Facebook: „Eine Presse-Ente – es wurde bisher bei keinem Patienten die englische Mutation nachgewiesen“. Es folgt ein Smiley.

Mittwoch, am Abend. Auch die für Bayreuth zuständige CSU-Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer kümmert sich in der Zwischenzeit. Sie sprach nach eigenen Angaben zufolge mit dem neuen CSU-Gesundheitsminister Klaus Holetschek. „Ich habe um mehr Impfstoffzuweisung gebeten“, sagt sie. Der habe sich ans Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gewandt. Sie hofft „schwer, dass diese Ausnahmesituation am Klinikum besondere Aufmerksamkeit und Kümmern des LGL erfährt“.

Donnerstag, 11.15 Uhr. Der Kurier stellt Fragen zu den offensichtlich atmosphärischen Störungen zwischen Klinik und Gesundheitsamt. Und will wissen, warum die Öffentlichkeit nicht früher über das Auftauchen der gefährlichen Virus-Variante informiert wurde.

Donnerstag, 17.14 Uhr. Warum das Landratsamt das Auftauchen der Virus-Variante am vergangenen Samstag nicht sofort der Öffentlichkeit gemeldet hat, erklärt es schriftlich: Es liege daran, „dass es sich um einen abgeschlossenen Fall handelt. Die betroffene Person ist bereits seit über zwei Wochen nicht mehr ansteckend und seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr in Quarantäne.“

Weil der Fall für das aktuelle Infektionsgeschehen keine Rolle spielte, habe sich nicht die Frage einer schnellstmöglichen Veröffentlichung gestellt. Die Person wurde bereits am 21. Dezember in einer Bayreuther Hausarztpraxis getestet, am nächsten Tag sei das Gesundheitsamt informiert worden. Ein zweiter Abstrich wurde am Heiligen Abend im Testzentrum in Aichig gemacht. Dieser Test wurde am 26. Dezember in das LGL-Labor für Humanvirologie in Oberschleißheim gebracht, wo die Sequenzierung erfolgte, also geschaut wurde, ob es sich um die Briten-Variante des Virus handelt.

In Großbritannien, woher die Person kam, wurde kein Test gemacht. Sie ging sofort in Deutschland in Quarantäne, weil sie aus einem Risikogebiet kam. Erst am 16. Januar wurde laut Mitteilung des Landratsamtes das Klinikum Bayreuth informiert.

Die geplanten Reihentestungen der mehr als 3300 Mitarbeiter am Klinikum beginnen am Samstag und ziehen sich bis Montag hin.

Zur Frage, ob das Landratsamt Kritik an Corona-Konzept des Klinikums oder an dessen Kommunikations-Strategie übt, antwortet das Landratsamt lapidar: „Unserer Medienmitteilung von gestern ist diesbezüglich nichts hinzuzufügen.“

 

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