Brauer und Biergartenbetreiber nach wie vor uneins Gregori-Streit noch nicht abgehakt

Von Michael Grüner
Wer ist der Eigentümer der Biergartenhütte auf dem Schlossberg? Zwischen der Stadt und den beiden Pegnitzer Brauereien ist man sich nicht so ganz einig. Ein
Gespräch der beiden Partien soll nun für eine einvernehmliche Lösung sorgen.Foto: Klaus Trenz Foto: red

Die Flasche Limo hat beim Gregorifest auf der Schlossberg-Wiese 2,80 Euro gekostet. Der neue Biergartenbetreiber Frank Ambrasat  löste damit einen Sturm der Entrüstung beim traditionellen Kinderfest aus. Das ist jetzt knapp vier Monate her. Und trotzdem noch nicht abgehakt. Zumindest nicht für die Böheim Brauerei.

 
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Turnusmäßig war in diesem Jahr die Böheim Brauerei mit der Belieferung des Gregorifestes an der Reihe. Sie wechselt sich immer jährlich mit der Jura Bräu ab. So sieht es die Vereinbarung mit der Stadt vor und die gilt weiter. Mit Frank Ambrasat hat auf dem Schlossberg heuer ein neuer Wirt den Biergarten übernommen. Nach den massiven Beschwerden über die exorbitant hohen Getränkepreise hatte dieser auf Anfrage des Kuriers gleich nach dem Kinderfest erklärt, durch sein kurzfristiges Einspringen habe er nichts mehr an den seiner Meinung nach überhöhten Einkaufspreisen für Böheim-Getränke ändern können.

Das lässt ihm keine Ruhe

Seit dem Jahr 2010 ist der Auerbacher Martin Weiß (62), selbst Braumeister, Geschäftsführer der Pegnitzer Böheim Brauerei. Er hat die kleine Braustätte übernommen. Ihn hat das ganze Thema bis heute nicht zur Ruhe kommen lassen. Kurz nach dem Gregorifest war Weiß schwer erkrankt. Konnte sich des Themas nicht annehmen, geschweige denn sich zum Vorwurf der „überhöhten Einkaufspreise“ äußern. Er hat jetzt den Weg an die Öffentlichkeit gesucht, weil ihn diese Vorhaltungen keine Ruhe gelassen haben. Die einzelnen Punkte:

Preise auf dem Tisch

Preisgestaltung: Weiß legte der Redaktion die Einkaufspreise auf den Tisch, die zeigen, zu welchen Konditionen die Getränke an Biergarten-Wirt Ambrasat geliefert worden sind: Das Orangenlimo zu 31 Cent, das Spezi zu 39 Cent, das Wasser zu 30 Cent, die Apfelschorle zu 47 Cent und die Zitronenlimonade zu 33 Cent. Das waren die Nettopreise für jeweils 0,5-Liter-Flaschen. Laut Hans-Ulrich Warber von der Stadt Pegnitz hat das Spezi bei Gregori drei Euro, die Limonaden und das Wasser 2,80 Euro gekostet.

Weitaus günstiger

Frank Ambrasat hingegen erklärt im Gespräch mit dem Kurier, dass er mit seinem Vertrag mit einer Kulmbacher Brauerei bei weitem günstiger einkaufe. Was die Preisgestaltung an Gregori betreffe, müsse er mit einkalkulieren, dass er zehn Leute zusätzlich habe holen müssen, da auch Vor- und Nacharbeiten zu leisten waren. Außerdem habe er drei Tage vor dem Fest auf Bitte der Stadt einspringen müssen. „Ich wollte diesen Ausschank von Anfang an nicht übernehmen“, sagt er rückblickend.

Bürgermeister Uwe Raab hingegen vertritt hier eine klare Meinung: „Diese Preise waren untragbar und sie dürfen sich auch nicht wiederholen.“ Bei Gregori handle es sich um ein Kinderfest und da seien Preise über zwei Euro für eine Limo zu teuer, so Raab. Bisher nahm die Stadt nur beratend Einfluss auf die Getränkepreise.

Probleme beim Ausschank: Das Bier floss nur tröpfchenweise mit viel Schaum. Weiß wundert das nicht, nachdem er sich bei seinem Mitarbeiter erkundigt hatte. „Es wurde ein einziges Kabel gelegt und an die Mehrfachsteckdose dann zwei Durchlaufkühler und eine Kaffeemaschine angeschlossen. Das kann nicht funktionieren.“ Und wenn, so der Böheim-Chef, ständig die Sicherung fliege, könne bei 38 Grad kein Durchlaufkühler mehr das Bier auf eine ordentliche Temperatur bringen.

Ambrasat sieht das ganz anders: Für das Verkabeln des Geländes war beim Gregorifest die Stadt zuständig. Mit der Brauerei sei dann auch die Ausstattung mit Kühlwagen und Schankanlagen abgesprochen worden. Diese Anlagen seien dann aber nicht wie vereinbart gestellt worden. Damit habe auch kurzfristig keine Änderung an der Stromverteilung mehr gemacht werden können. Laut Ambrasat sei ein Ausschankwagen gestellt worden, der schon beim Flinderer in Buchau nicht richtig funktionierte. „Das war kein Problem der Stadt“, sagt der Biergartenwirt.

Warum aus der Eifel?

Ambrasat versteht auch nicht, warum eine heimische Brauerei einen Wagen einer Großbrauerei aus der Eifel auf den Weg schickt. Er würde bei so einer Gelegenheit für das heimische Bier werben. Und noch mehr schüttelt Ambrasat den Kopf darüber, dass ein und derselbe Schankwagen eine Woche später beim Mittelaltermarkt in der Innenstadt im Einsatz war und erneut nicht richtig funktionierte. Die Warteschlangen: Der Auerbacher Braumeister Weiß wundert sich. In all den Jahren, in denen die Böheim Brauerei das Kinderfest auf dem Pegnitzer Schlossberg beliefert hat, habe es keine Probleme gegeben. Auch nicht beim Ausschank.

Ein heißer Tag

Ambrasat sieht das anders. Gregori war ein heißer Juni-Tag, und als der Schankwagen nicht funktionierte, habe sich schon eine lange Warteschlange gebildet. Der Biergartenwirt überlegte dann, seine eigene Anlage in Betrieb zu nehmen, wollte dazu aber das Einverständnis der Stadt. Es habe aber eine Stunde gedauert, bis Klarheit herrschte. „Es war dann den ganzen Nachmittag nicht mehr möglich, die Schlange abzubauen.“ Zudem, so Ambrasat, hätten sich seine Mitarbeiter Beschwerden anhören müssen, für die sie nichts konnten. Der Biergartenwirt schlug erneut vor, dass im kommenden Jahr eventuell Vereine den Ausschank übernehmen sollen. Außerdem hätte er, bei längerem Vorlauf, direkt auf der Festwiese eine eigene Getränkeversorgung nur für die Kinder aufgebaut.

Martin Weiß enttäuscht

Weiß hingegen ist in höchstem Maße enttäuscht. Er habe sich in Pegnitz mit dem Kauf der Brauerei engagiert, um die Marke Böheim zu erhalten. Betriebswirtschaftlich habe er versucht, vernünftig aus der Sache zu kommen. Und er hat neue Ideen für das Jahr 2016, dann werde sich zeigen, wie die Zukunft der kleinen Brauerei aussehen kann. Es gehe nur auf diese Art. Gasthäuser machen dicht, es gebe weniger Stammtische und damit auch weniger Bierabsatz. „Wir müssen neue Chancen suchen“, sagt Weiß. „Aber das müssen die Jungen machen“, fügt er hinzu. Und er ist sehr zuversichtlich: Sohn Ralph ist in Nürnberg gastronomisch tätig und dessen Bruder Klaus in München. „Mit sehr gutem Erfolg“, so Weiß, der derzeit in der Böheim Brauerei noch einen Brauer beschäftigt. Die Logistik wird über Getränke Weiß erledigt.

Wem gehört denn nun die Hütte?

Jede Seite beansprucht das Eigentum für sich: Wem gehört jetzt eigentlich die Holzhütte für den Biergartenbetrieb auf dem Schlossberg? Die Stadt sucht jetzt das Gespräch mit den beiden ortsansässigen Brauereien.

Raab: 2008 ausgelaufen

Bürgermeister Uwe Raab erklärt auf Anfrage der Redaktion, dass die Biergartenhütte im Jahr 1998 auf dem Schlossberg auf städtischem Grund gebaut worden sei. Finanziert wurde sie damals je zur Hälfte von den beiden Pegnitzer Brauereien. Raab: „Im Gegenzug wurde dafür ein Getränkelieferungsvertrag mit beiden Brauereien für die Gesamtdauer von zehn Jahren vereinbart“. Diese ist folglich zum Ende des Jahres 2008 ausgelaufen.

Steht auf Grund der Stadt

Für die Stadtverwaltung war damit die Sache eigentlich seit 2008 vom Tisch. Laut Raab ist man im Rathaus davon ausgegangen, dass die Hütte der Stadt gehört, auf deren Grund sie auch steht. Der Bürgermeister räumt gegenüber dem Kurier aber ein, dass die beiden Brauereien, die Böheim Brauerei und Jura Bräu, dies anders sehen. Derzeit laufen laut Raab Gespräche, um über diese Frage eine „einvernehmliche Lösung zu erzielen“, wie er auf eine Anfrage der Redaktion mitteilte. An dieser Gesprächsrunde wird eigenen Angaben zufolge auch der neue Biergartenwirt Frank Ambrasat teilnehmen, der die Hütte von der Stadt angepachtet hat.

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