Brand in Marktredwitz Tennishallen versinken im Flammenmeer

, aktualisiert am 16.06.2021 - 10:26 Uhr

Der Tennisclub in Marktredwitz steht vor dem Nichts. Ein Großfeuer am Dienstagabend vernichtet alles. Mehr als 200 Wehrleute kämpfen gegen die Flammen an. Der Schaden liegt im sechsstelligen Euro-Bereich.

Marktredwitz - Ein Großbrand hat am gestrigen Dienstagabend die Tennishallen des Marktredwitzer Clubs an den Drei Bögen völlig vernichtet. Lichterloh steht die vordere Tennishalle mit einem Mal in Flammen. Und die fressen sich in Windeseile durch die über 50 Jahre alten Hölzer der Fassade, greifen auf die hintere Halle über und hinterlassen nichts als Schutt und Asche.

Während sich viele auf einen spannenden Fußballabend vorbereiten, geht der Alarm in der Einsatzzentrale der Feuerwehr ein. Binnen kürzester Zeit rücken mehr als 150 Feuerwehrleute aus Marktredwitz und der gesamten Umgebung an, um der Flammen Herr zu werden. Später werden noch einmal mehr als 50 Wehrleute dazustoßen, denn die Gefahr ist längst nicht gebannt, als die Halle in sich zusammengestürzt ist. Hinter der Tennishalle ragen viele Bäume in die Höhe, die ebenfalls in Brand geraten könnten. Und gleich dahinter stehen oben am Hang Wohnhäuser.

Schaulustige behindern Einsatzkräfte

Von allen Seiten strömen auch Schaulustige herbei, die den Feierabend gerade im Auenpark oder in den umliegenden Gärten verbringen. „Aktuell erhebliche Beeinträchtigung durch Schaulustige vor Ort, die die An- und Abfahrt der Einsatzkräfte erheblich behindern. Leider.“ Das postet die Integrierte Leitstelle Hochfranken um 20.35 Uhr auf Facebook. Und sie bittet die Menschen, Fenster und Türen zu schließen und daheim zu bleiben. „Und bitte nicht zum Gucken hinfahren, damit die immer noch anrückenden Kräfte nicht behindert werden. Wir danken!“ Daran halten sich leider etliche Menschen nicht. Neugierig stehen sie zwischen Feuerwehrfahrzeugen und sind einfach nur im Weg.

Fliegende Plastiksplitter

Abgekämpft und völlig verschwitzt kommen die ersten Atemschutzgeräteträger aus der Halle. Sie können nichts mehr ausrichten im Innern. Die Flammen schlagen gefährlich hoch. Fette Qualmwolken bahnen sich dazwischen ihren Weg aus dem trockenen Gehölz, Metall und Holz geht berstend zu Boden, Funken fliegen mehr als hundert Meter weit zwischen die Schaulustigen, Plastiksplitter schießen in die Höhe, treffen Passanten, die sich neugierig den Weg zum Brandherd bahnen.

Erschüttert stehen einige Mitglieder des Tennisclubs vor der niederbrennenden Halle. „Gerade vorhin war mein Sohn noch hinten in der Halle und hat Basketball gespielt“, blickt Martina Meister fassungslos in die Flammen. Während Marco Meister noch ahnungslos die Bälle ins Netz wirft, züngeln vorn in der Halle bereits die ersten Flammen aus dem Holz. Eine Spaziergängerin beobachtet das und schlägt Alarm. Marco eilt aus der Halle. Sein Vater Markus, der sich um die Plätze und die Anlage kümmert, ist vor einer halben Stunde noch auf dem vorgelagerten Tennisplatz am Arbeiten gewesen. Immerhin hat es lang genug gedauert, dass die Mitglieder wegen Corona wieder auf den Platz durften.

Wehrleute extrem gefordert

Tennisspieler versuchen am Anfang noch, die Flammen zu löschen. Doch die greifen blitzschnell um sich. Drei kleine Kinder, die eben noch am Kösseineufer neben der Halle gespielt haben, werden von Passanten weggeschickt. Mittlerweile trifft Oberbürgermeister Oliver Weigel am Unglücksort ein. Auch er ist völlig fassungslos. „Unsere Jungs von der Feuerwehr sind zurzeit extremst gefordert. Was die in kürzester Zeit mitmachen müssen, ist der Wahnsinn!“, schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen. Denn in jüngster Zeit müssen die Wehrleute immer wieder zu Großbränden ausrücken. „Jeder Cent, den wir in die Wehr stecken, ist bestens investiertes Geld. Die brauchen die beste Ausrüstung!“ Weigels Frau hat oben vom Garten aus die Rauchsäule gen Himmel steigen sehen. „Ich bin sofort ins Auto gesprungen“, sagt der OB. Auch sein Stellvertreter Horst Geißel trifft ein – und immer mehr Mitglieder des Tennisclubs.

Albtraum für Tennisclub

„Da kann man nur froh sein, dass keiner zu Schaden gekommen ist“, fällt Weigel ein Stein vom Herzen. „Wir waren erst Anfang des Monats mit Vereinsvertretern in der Halle, um über Zukunftspläne zu beraten. Die haben sich heute erledigt“, sagt er beklommen. Mit einem riesigen Getöse fällt das Gerippe der Halle in sich zusammen. Jetzt kann man die Flammen aus der hinteren Halle schlagen sehen. Die Wehrleute fahren die Drehleiter hoch, löschen mittlerweile auch von der Straße oben, damit die Bäume nicht ein Fraß der Flammen werden. Das Feuer hält sie für Stunden auf Trab. Manche liegen auf Kissen erschöpft auf dem Asphalt. Ein trauriger Abend für Marktredwitz, ein Albtraum für den Tennisclub. Die Wehrleute kämpfen bis tief in die Nacht.

Wie die oberfränkische Polizei am Mittwochmorgen mitteilt, beträgt der Schaden etwa 200.000 Euro. Die Kriminalpolizei Hof ermittelt, wie es zu dem Feuer gekommen ist.

 

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