In der Hand hat er einen Pack Zettel. Auf jedem davon steht ein Unternehmen, dessen Aktienkurs sich herausragend entwickelt hat. Veolia zum Beispiel. Eine Firma, die in den Feldern Wasser/Abwasser, Abfallentsorgung und Energieversorgung aktiv ist.

Manchmal blickt Kauper, Hunderte Besucher sind an diesem Tag zum „Aktionärstag“ in die Kulmbacher Stadthalle gekommen, in fragende Gesichter. Nicht jeder kennt die Unternehmen, die der „Börsen-Punk“ als Wachstumschampions vorstellt. Genau das ist seine Botschaft: Es müssen nicht immer bekannte Namen mit spektakulären Geschäftsbereichen sein, die für Anleger interessant sind.

Die Deutschen und Aktien? Das ist alles andere als eine Liebesbeziehung. Im vergangenen Jahr besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts nur rund 10,3 Millionen Bürger Anteilsscheine von Firmen oder Aktienfonds. Dabei hat Deutschland mehr als 80 Millionen Einwohner.

Lust auf Dax

Ein beklagenswerter Zustand, diagnostiziert Kauper, der sich schon als Schüler gerne mit Finanzmärkten beschäftigte. „Ich finde es schade, dass viele Leute keine Aktien haben.“ Als „Börsen-Punk“ will er das ändern. Er möchte Lust machen auf Dax, Dow Jones, Eurostoxx und Co.

Für ihn ist es unverständlich, dass viele Menschen zwar von der Qualität bestimmter Unternehmen überzeugt sind, aber nicht über Aktien an deren Geschäftserfolg beteiligt sind. „Warum kaufen Sie keine Aktien von Unternehmen, deren Produkte Sie gut finden?“, ruft der 46-Jährige ins Publikum.

Dabei seien die Alternativen wenig prickelnd, ätzt er. Wer sei schon mit 0,1 Prozent Zinsen auf dem Sparbuch zufrieden? Ganz zu schweigen von den Negativzinsen, die drohen? Aktien hingegen versprächen mittel- und langfristig ordentliche bis sehr gute Renditen.

"Kein Teufelszeug"

Aktien also. „Das ist kein Teufelszeug“, betont Kauper. Nur - und das stellt er auch klar: Ein bisschen Arbeit ist schon nötig, wenn man erfolgreich investieren will. Konkret heißt das, dass sich Anleger informieren müssen.

Kauper spitzt zu und spöttelt, damit seine Botschaft auch wirklich gehört wird. Es sei eben nicht nur wichtig, die besten „Black Friday“-Shoppingangebote zu kennen oder ausgiebig die Anleitung zum Aufbau des neuen Ikea-Regals zu studieren. Auch das Thema Geldanlage brauche Aufmerksamkeit.

Als „Börsen-Punk“ gibt Kauper regelmäßig Tipps auf „Aktionär TV“, dem Fernsehsender der Kulmbacher Börsenmedien AG. 25.000 bis 30.000 Zuschauer pro Woche sehen seine Auftritte.

Kauper bekommt viel Lob, beim „Aktionärstag“ in Kulmbach schreibt er sogar Autogramme, doch manchmal hagelt es auch Kritik. Zum Beispiel bei seiner kritischen Analyse von Tesla. Einige Fans des US-amerikanischen Elektroautoherstellers waren „not amused“.

Angesprochen darauf, schmunzelt Kauper, der mit seiner Familie in Trebgast im Landkreis Kulmbach wohnt. „Ach, ich bin abgehärtet durch den Fußball“, sagt er. Früher spielte er bei der Spielvereinigung Bayreuth und beim damaligen FC Bayern Hof in der Bayernliga und beim SV Friesen in der Landesliga.

„Der Gino Lettieri hat mich manchmal richtig zusammengefaltet“, erinnert sich der gebürtige Kulmbacher an seinen impulsiven Trainer bei den „Gelb-Schwarzen“ in Hof. Und mit Stefan Stadelmann habe er in der Kabine oft über Aktien fachgesimpelt.

Mit B-Trainer-Lizenz

Kauper war nach seiner aktiven Fußballerlaufbahn in Hof sogar Co-Trainer unter Chefcoach Miloslav Janovsky. „Von ihm habe ich sehr viel gelernt“, unterstreicht der 46-Jährige rückblickend. Natürlich verfolge er den Weg der Bayern, sagt Kauper. „Ich lese immer die Spielberichte am Montag in der Zeitung.“ Er freue sich sehr, wenn die Mannschaft gewinnt.

Neben Aktien ist Fußball die zweite große Leidenschaft des Trebgasters. Er hat früher für TV Oberfranken berichtet. Heute begleitet er regelmäßig den ARD-Fernsehkommentator Bernd Schmelzer bei den Turnieren der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Kaupers Job: taktische Analyse. Er sammelt Informationen über Strategien und Spielzüge und ergänzt damit das Wissen des Kommentators.

Kauper, der Schmelzer auch bei der Weltmeisterschaft der Frauen im Sommer dieses Jahres assistierte, profitiert dabei stark davon, dass er eine B-Trainerlizenz erworben hat. „Das hat mein taktisches Verständnis enorm bereichert. Ohne dieses Wissen, wären Analysen für mich in dieser Form nicht möglich“, macht er deutlich.

Fußball-Experte, Finanzjournalist und „Börsen-Punk“ – „ich habe meine Hobbys zum Beruf gemacht“, betont der Trebgaster. „Das ist ein großes Glück, weil man seine Arbeit dann mit großer Leidenschaft macht.“