Böheim-Chef Martin Weiß: Gerüchte über Schließung aus der Luft gegriffen Pegnitz: Durchhalteparolen bei Brauerei

Die Konzerte in der Pegnitzer Böheim-Brauerei für dieses Jahr sind gesichert. Foto: red

Dieses Gerücht ist wohl doch nicht so völlig ohne Substanz. Das Gerücht, die Böheim-Brauerei mache noch in diesem Jahr dicht, wolle nur noch den Flinderer „mitnehmen“. Inhaber Martin Weiß gibt zwar Durchhalteparolen aus. Aber auch beim Waldstock-Verein, der die Immobilie regelmäßig für Veranstaltungen nutzt, hat man schon „etwas läuten hören“.

Die Durststrecke der Brauer-Vereinigung unter Leitung von Martin Weiß dauert an. Doch der Auerbacher Diplom-Braumeister widerspricht den erwähnten Gerüchten, er werde sein Engagement als Mehrheitsgesellschafter zum Jahresende beenden. „Das sind nur Vermutungen, völlig aus der Luft gegriffen.“ Seit knapp fünf Jahren ist die Getränke Weiß GmbH Mehrheitsgesellschafter der Brauer-Vereinigung. Rückblickend stellt Weiß fest: „Wir haben eine schwere Zeit hinter uns, speziell in Pegnitz.“ Das betreffe aber nur das Brauerei-Engagement. Mit dem Umsatz im „Getränkestadl“ in der Robert-Koch-Straße zeigt er sich aber hochzufrieden.

Dennoch bestätigt er den generellen Abwärtstrend in der Bierbranche. So sei der Pro-Kopf-Verbrauch an Bier in zehn Jahren von durchschnittlich 150 Litern um rund ein Drittel auf 100 Liter gesunken. „Bier ist unter Druck“, kommentiert der Pegnitzer Brauerei-Chef diese Entwicklung. Nur stark auf den Export ausgerichtete (Groß-)Brauereien könnten sich dieser Abwärtsentwicklung entziehen.

Die ursprünglich geplanten Wachstumsabsichten konnte Getränke Weiß in Pegnitz nicht in vollem Umfang verwirklichen. „Wir mussten Maßnahmen ergreifen.“ So sollte Weiß zufolge die betriebliche Situation verbessert werden. Auch der Personalbestand war verringert worden, etwa durch den Renteneintritt von Mitarbeitern.

Weiter mit Waldstock-Verein

Weitergeführt werden soll auch künftig die Zusammenarbeit mit dem Waldstock-Verein. Das bestätigt auch Waldstock-Vorsitzender Martin Häckel im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir haben die Zusicherung von Martin Weiß, dass wir heuer unser Programm durchziehen können.“ Der Verein zur Förderung der Jugendkultur nutzt die Brauerei-Gebäude nun schon ein paar Jahre als Veranstaltungsort, neudeutsch: Location. Und das mit Erfolg, wie Häckel betont. Der Zuspruch ist da, das habe natürlich auch etwas mit dem ganz besonderen Flair des Gebäudekomplexes zu tun. Ein morbider Charme, hinter dem aber ein Problem steckt, wie auch Häckel bewusst ist: Das Ensemble müsste dringend saniert werden. Gerade mit Blick auf die sanitären Anlagen: „Wir müssen da immer mobile Toiletten herholen, das ist nicht so ganz ideal.“ Aber Waldstock fühlt sich wohl in der Brauerei, hat dort seine gesamte Technik eingelagert, hat auch am Beschallungssystem gebastelt, um die Klangverhältnisse zu verbessern. Auch dies mit Erfolg. Häckel hofft, dass es auch 2016 weitergeht, ist optimistisch, weiß aber auch: „Das letzte Wort ist da nicht gesprochen, wir müssen jetzt einfach abwarten.“

Brauerei-Flinderer

Erstmalig stemmt die Brauer-Vereinigung heuer einen Brauerei-Flinderer. Auch das Pegnitzer Brettl werde wieder ein bis zwei Veranstaltungen in den Räumen durchführen können, sagt Martin Weiß. Im WM-freien Jahr fehlt Weiß damit dieser Umsatzbringer bei einem Fan-Event. Nicht alle Veranstalter und örtliche Vereine hatten auch Verständnis dafür, dass jetzt für das Ausleihen von Biergarnituren eine Gebühr verlangt wird. „Das war früher umsonst.“ Manch einer der Interessenten sei deshalb zu Mitbewerbern abgewandert. Wenig erbaut ist er auch davon, dass auf manchen entliehenen Biergarnituren „nur noch Kaffee“ ausgeschenkt werde. „Da wurde früher nur Bier getrunken“, erinnert er sich. „Die Konkurrenz wird immer größer“, fasst Martin Weiß die Entwicklung im Bierhandel zusammen. Immer schwieriger werde die Bierabnahme auch im Bereich der Landgastronomie. „Fast jeden Monat macht einer von unseren Kunden zu.“

Der auch kommunalpolitisch aktive Auerbacher Stadtrat und weitere Landrats-Stellvertreter im Landkreis Amberg-Sulzbach beklagt außerdem die immer schwierigere Lage des Mittelstandes. Dies gelte nicht nur für Brauer, sondern auch für Bäcker und Metzger. Diese würden auch bei der Stromabnahme gegenüber Großfirmen benachteiligt.

Im Falle seines eigenen Brauerei-Engagements gibt er jetzt für sich und die verbliebenen Firmenmitarbeiter die Devise aus: „Man muss erst mal durchhalten.“ Dennoch sei letztlich „ungewiss, was die Zukunft bringt“.

 

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