Blüten aus der ganzen Welt

Die Winterlinge sind verblüht: Krokusse, Kugelprimeln und Traubenhyazinthen sind die ersten Frühlingsboten im Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth. „Die zweite Winterhälfte war verhältnismäßig kalt, deswegen blüht alles etwa fünf Wochen später als in den Vorjahren“, erklärt der Direktor des Garten Gregor Aas. Was blüht in Nordamerika, Asien und Europa? Im botanischen Garten findet sich alles auf engem Raum. 

Das Außengelände des Gartens ist über 16 Hektar groß, 16.000 Pflanzen wachsen hier. „In ein paar Wochen wird man gar nicht wissen, wohin man zuerst schauen soll, so bunt wird es hier sein“, sagt Aas. Er weiß aber genau, wo auch jetzt die Vorboten des Frühlings zu finden sind: Zurzeit blühen etwa 60 Pflanzenarten.

Der Weg, den Aas einschlägt, führt vorbei an Scheinhasel und Duftschneeball. Auch der Magnolienbaum trägt bereits erste Blütenknospen. In den vergangenen zehn Jahren seien dessen Blüten acht Mal erfroren, sagt Aas. Für dieses Jahr sei er aber guter Dinge, dass es gelingt, den Baum zum Blühen zu bringen. Daneben stehen die rhabarberroten Triebe einer Pfingstrose, die sich dem Sonnenlicht entgegenstreckt. Das war Nordamerika: Weiter geht es in Asien.

Im Himalaya

Im Himalaya ist die Kugelprimel ein besonderer Farbtuper: Die kugelrunden Blütenstände sind weiß, violett und fliederfarben. Damit sticht die asiatische Verwandte der heimischen Schlüsselblume aus einem Meer braungrüner Blätter heraus. Nebenan, in der Steppenlandschaft, spitzen Wildtulpen zwischen den Halmen des kargen Grases hervor.

Den Weg von Asien nach Europa säumt ein Teppich aus Sternhyazinthen, die auch Schneestolz genannt werden. Die kleinen Blumen haben eine sternförmige hellblaue Blüte mit weißem Kreis in der Mitte. Ihren Namen verdanken sie ihrer frühen Blütezeit: Da sie bereits im Vorjahr Reserven in ihren Zwiebeln anlegen, blühen sie meist dann, wenn noch Schnee liegt. „Sie sind mit ihrem Lebenszyklus fertig, bevor die Konkurrenz zu blühen beginnt“, sagt Aas.

Europäische Lärche ist früh dran

In den europäischen Landschaften steht zwischen blühenden Weidenarten die seltene Schaftdolde aus den südlichen Alpen, außerdem blühen Bärlauch, Haselwurz und Märzenbecher. Aus den violetten Blüten einer Schneeheide sammelt eine Hummelkönigin Nektar. Auch für sie und den Staat, den sie in den nächsten Wochen gründen wird, ist der Ökologisch-Botanische Garten ein Zuhause.

Besonders früh blüht in diesem Jahr die Lärche. Auf den vermeintlich kargen Ästen sitzen kleine zapfenförmige rote und ockerfarbene Blüten. „Die roten Blüten sind die weiblichen und die braunen die männlichen“, erklärt Aas und deutet jeweils auf eine Blüte, die etwa halb so groß ist wie sein Daumennagel.

Viel Arbeit im Gewächshaus

Mit schnellen Schritten durchquert Aas die Moorlandschaft, vorbei an Teichen mit Blesshühnern und Stockenten. Sein Ziel ist ein Ort, der eigentlich nur für Mitarbeiter zugänglich ist: Die Gewächshäuser, in denen derzeit hunderte Sämlinge darauf warten, ins Freie gepflanzt zu werden. Tausende Töpfe stehen in den Regalen. Daneben palettenweise Blumenerde. Am Kopfende des Korridors, der kleinere Gewächshäuser miteinander verbindet, ist eine Mitarbeiterin dabei, Setzlinge zu pikieren – vorsichtig löst sie die Wurzeln der kleinen Pflanzen aus dem Erdreich, um sie in größere Gefäße umzutopfen . Aas öffnet eine der Glastüren, hinter der auf einer langen Tischreihe verschiedenste Nutzpflanzen ausgesät wurden.  „Dieses Jahr haben wir in unserem Nutzgarten den Schwerpunkt essbare Blüten“, sagt er. Aus diesem Grund reihen sich in den kleinen Töpfen Kapuzinerkresse, Tabak, Amaranth, verschiedene Laucharten, Pastinaken und auch Basilikum. Bereits vor drei Wochen wurden die ersten Sorten ausgesät, die frostresistenteren unter ihnen dürfe in wenigen Wochen ins Freigelände.

Im Winter ist am meisten zu tun

Schon während des Winters haben die Mitarbeiter die über 1500 Kübelpflanzen, die in den Gewächshäusern stehen, umgetopft und gedüngt. „Das ist eigentlich die arbeitsintensivste Zeit, da wir jede einzelne Pflanze aus dem Topf nehmen, die Wurzeln kontrollieren und dann umtopfen“, erklärt Aas. Die Pflanzen warten nun darauf, nach den Eisheiligen im Mai in das Freigelände gebracht zu werden. Über vier Wochen wird das Team um Aas dafür brauchen.

Info: An jedem ersten Sonntag im Monat finden um 10 Uhr öffentliche Führungen zu speziellen Themen statt.

 

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