Bläser zu Gast in Selb Musikalische Reise zu Jupiter und den Jedis

Kerstin Starke
Das große Orchester der Audi Bläserphilharmonie unter Leitung von Pietro Sardo spielte im Rosenthal-Theater vorwiegend Filmmusik. Foto: Florian Miedl

Die Audi Bläserphilharmonie spielt im Rosenthal-Theater ein Benefizkonzert für Schloss Erkersreuth. Das Programm ist voller Kraft und Ausdruck, die Zahl der Zuhörer und damit der Erlös könnten größer sein.

In den Dienst der guten Sache hat sich die Audi Bläserphilharmonie zu Hause in Ingolstadt und anderswo schon häufiger gestellt. Nun taten es die Musiker und ihr Dirigent Pietro Sarno auch in Selb. Im Rosenthal-Theater gab das große Orchester ein Benefizkonzert zugunsten der Renovierung von Schloss Erkersreuth. Und, um es gleich vorwegzunehmen: Sowohl der Zweck des Konzerts als auch das exzellente Ensemble hätten mehr Zuschauer verdient. So kamen am Ende dank der rund 100 Musikfreunde im Saal immerhin wenigstens 1500 Euro zusammen.

„Star Wars Saga“

Der Erlös ist das Eine. Musikalisch lassen sich die Zuhörer von den Bläsern gern mitnehmen in unbekannte Welten. Prägend für den ersten Teil, der „Future Sound“ überschrieben ist, wird die „Star Wars Saga“ von John Williams. Als die markante Eröffnungsfanfare und die Motive des kriegerischen Imperial March oder ruhigere Passagen aus dem Science-Fiction-Epos erklingen, huscht vor dem geistigen Auge der Millenium Falke durchs Bild, und die imperialen Truppen marschieren auf. Einen ebensolchen Wiedererkennungswert hat später auch das „Star Trek“-Thema, bei dem sich die Zuhörer kurz auf der Brücke neben Captain Kirk oder – jüngere Fans – Captain Picard wähnen dürfen.

Daneben spielen die Musiker, von Pietro Sarno inspiriert und exakt geführt, weitere allgemein weniger bekannte „himmlische“ Werke wie „Beyond the Horizon“, „Meteorhythmo“, „Dylan’s Flight“ oder der Jupiterhymnus aus Gustav Holsts über 100 Jahre alter, aber immer noch frischer „Planetensuite“. Mit dem zumindest den Filmfans im Saal bestens bekannten „Rocky“-Thema „Gonna Fly Now“ mit der berühmten Eröffnungsfanfare schicken die Musiker ihr Publikum in die Pause.

Ursprung als Werksorchester

Die Audi Bläserphilharmonie, die vor 60 Jahren als Werksorchester gegründet wurde, besteht bis heute zu zwei Dritteln aus Mitarbeitern der Audi AG. Sie ist aufgebaut wie ein Symphonieorchester, nur dass die Klarinetten und Oboen den Platz der ersten und zweiten Geigen einnehmen; ihnen gegenüber sind – von wo sonst die Celli und Kontrabässe erklingen – die Flöten platziert, hinter ihnen die Bass-Saxofone, denen sich die Saxofone, Fagotte, die Tuba sowie die Posaunen, Hörner und Trompeten anschließen. Über allen Bläsern thront etwas erhöht das üppig ausgestattete Schlagwerk, das in Selb von fünf Schlagzeugern gespielt wird und immer wieder Akzente setzt; auch optisch, etwa wenn der Trommler bei der Star-Wars-Saga Leuchtschlägel benutzt und damit an die Laserschwerter der Jedi-Ritter erinnert.

„Lord of the Dance“

Waren es vorwiegend bekannte Stücke, die den ersten Teil des Konzerts prägten, so erklingen nach der Pause vor allem Originalkompositionen für Blasorchester. Eröffnet wird dieser Teil von den schmissigen „Sea Songs“ von Ralph Vaughan Williams und der seelenvollen viersätzigen „Hymn of the Highlands“, die schottische Motive aufgreift, darunter im zweiten Satz Anklänge an das bekannte „Should auld acquaintance“. Ein Highlight in diesem zweiten Konzert-Teil ist zweifellos „Lord of the Dance“, das die Bläser in einem wunderschönen Arrangement präsentieren. Das berühmte Thema führt die Solo-Oboe ein, dann übernimmt das gesamte Orchester die Melodie, die schnell und immer schneller daherkommt und sich automatisch die Vision von wirbelnd tanzenden Füßen auf dem Parkett einschleicht.

Die Bläserphilharmonie kann auch Big-Band-Sound. Natürlich. Unter Beweis stellt sie das mit Bart Howards „Fly Me to the Moon“ aus dem Jahr 1954. Zum guten Schluss verabschiedet sich die Audi Bläserphilharmonie aus dem Rosenthal-Theater noch einmal mit einem Hit: dem weltbekannten ersten Marsch aus „Pomp and Circumstance“ von Edward Elgar.

 

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