Bislang unbekannter Fund Neue Fischsaurier-Art aus Mistelgau begeistert Forscher

Dank eines Fossilienfunds des Urwelt-Museums konnte ein Forschungsteam nun eine bislang unbekannte Fischsaurier-Art beschreiben. Deren Name würdigt den Fundort bei Mistelgau.

Ein in Auftrag gegebenes wissenschaftliches Artwork von Andrey Atuchin zeigt einen verstorbenen Eurhinosaurus mistelgauensis auf einem Belemnitenschlachtfeld. Foto: Urwelt-Museum Oberfranken

Ein internationales Forschungsteam aus der Schweiz und Deutschland unter Leitung von Gaël Spicher (Jurassica Museum in Porrentruy, Schweiz) hat auf Grundlage von Fossilmaterial des Urwelt-Museums Oberfranken (Bayreuth, Deutschland) eine bislang unbekannte Fischsaurier-Art wissenschaftlich beschrieben. Die Studie erschien in Fossil Record, der frei zugänglichen Fachzeitschrift des Museum für Naturkunde Berlin, schreibt das Urwelt-Museum in einer Mitteilung.

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Name ehrt Fundstelle in Mistelgau

Die neue Spezies trägt den Namen Eurhinosaurus mistelgauensis – benannt nach der oberfränkischen Fundstelle „Tongrube Mistelgau“, die bereits zahlreiche bedeutende Fossilien hervorgebracht hat. „Mit dem Namen wollten wir die herausragende Bedeutung der Fundstelle Mistelgau für die Erforschung von Fischsauriern würdigen“, erklärt Erstautor und Doktorand Gaël Spicher.

Ein über vier Meter langes Skelett von Eurhinosaurus mistelgauensis auf dem Belemnitenschlachtfeld. Das Fundstück ist Teil der Sammlung des Urwelt-Museums Oberfranken. Foto: Urwelt-Museum Oberfranken

Seit 1998 führt das Urwelt-Museum Oberfranken regelmäßige Ausgrabungen in Mistelgau durch. Die Fossilien von Eurhinosaurus mistelgauensis wurden dort geborgen, im Urwelt-Museum präpariert und anschließend wissenschaftlich untersucht. Ein Exemplar liegt auf einem sogenannten „Belemnitenschlachtfeld“ – einer für Mistelgau typischen Ansammlung von Tintenfischskeletten aus der Jurazeit, die Patronenhülsen ähneln.

Fischsaurier – oder Ichthyosaurier – waren die Meere bewohnende Reptilien, die zur Zeit der Dinosaurier lebten und in ihrer Gestalt Delfinen oder Thunfischen ähnelten. Die neue Art zeigt die für Eurhinosaurier charakteristische Verlängerung des Oberkiefers („Überbiss“), vergleichbar mit heutigen Schwertfischen. Im Unterschied zu bislang bekannten Arten besitzt Eurhinosaurus mistelgauensis jedoch besonders robuste Rippen sowie auffällige Merkmale im Gelenk zwischen Kopf und Hals.

„Außergewöhnliche Fossilien“ in Mistelgau gefunden

„Die Benennung einer neuen Art unterstreicht die große Bedeutung, die die Fossilien des Urwelt-Museums Oberfranken für das Verständnis der Jurameere besitzen“, sagt Museumsleiter Serjoscha Evers, der an der Studie selbst nicht beteiligt war. „Die Tongrube Mistelgau liefert weiterhin außergewöhnliche Fossilien aus einer Zeit, aus der es weltweit nur wenige vergleichbare Funde gibt.“

Weitere Untersuchungen zu den Mistelgauer Fossilien sind bereits geplant. Im Zentrum stehen unter anderem Verletzungen an den Skeletten der Fischsaurier, die Rückschlüsse auf ihre Lebensweise zulassen.