Bio-Lebensmittel Kontrollen, Kontrollen, Kontrollen

M. Bäu.
Der hochmoderne Zweikammer-Druckverweser Foto: Matthias Bäumler

Im Lebensmittelhandel ist Qualität alles. Bei Ziegler Organic in Wunsiedel beschäftigen sich die Mitarbeiter vom Feld bis zum Warenausgangslager mit dem Thema.

Susanne Konnerth könnte auch eine gute Detektivin sein. Sie hat eine exzellente Spürnase und sitzt genau deshalb beim Wunsiedler Bio-Getreidehändler Ziegler Organic an entscheidender Stelle: Susanne Konnerth ist Qualitätsbeauftragte. Die hohe Qualität der Produkte ist der große Trumpf. „Unsere Kunden müssen sich absolut darauf verlassen können“, sagt Geschäftsführer Christof Götz.

Die Kontrollen des Bio-Getreides beginnen nicht erst, wenn sie in schweren Säcken in Wunsiedel eintreffen. Bereits auf dem Feld haben Agraringenieure die Qualität im Blick. Sind Amaranth, Quinoa und Co. im Land, durchlaufen sie ein vielschichtiges Prüfsystem verschiedener Ökokontrollstellen, der Lebensmittelüberwachung und des hauseigenen Labors. „Wir analysieren zum Beispiel die Reinheit des Getreides, damit keine Spuren von Nüssen anhaften. Dies könnte der Fall sein, wenn ein Agrarhändler vorher im Silo Nüsse gelagert hatte und anschließend, ohne es zu reinigen, Getreide einfüllt“, erläutert Susanne Konnerth. Die Kontrolle ist für Allergiker wichtig, die auf Nüsse reagieren.

Schnellwarnsystem für Lebensmittel

Obwohl kein Tag dem anderen gleicht, gibt es für die Qualitätsbeauftragte eine Konstante: Sie sichtet täglich sämtliche Lebensmittelwarnungen, die das Bundesamt für Verbraucherschutz herausgibt. „Das ist das offizielle Schnellwarnsystem. Sollte es einen für uns relevanten Rückruf geben, reagieren wir sofort.“ So ist es vorgekommen, dass am Hamburger Hafen ein Container begast worden ist, in dem anschließend Obst für den Weitertransport gelagert wurde, obwohl der Behälter nicht für Lebensmittel vorgesehen war.

Im Wunsiedler Labor ziehen die sechs Lebensmittelingenieure und -Techniker ebenfalls Proben und untersuchen sie auf bestimmte Parameter. Bei Sesam oder Leinsaaten ist etwa der Feuchtegehalt wichtig – dieser darf einen vorgegebenen Wert nicht überschreiten. Auch die Sensorik und die Wasseraktivität (aw-Wert) begutachten die Techniker. In Zusammenarbeit mit externen akkreditierten Laboren veranlasst Ziegler Organic die Analyse auf Pestizidrückstände, Allergene, Schwermetalle, Pilze und andere produktspezifische Parameter. Es ist vordergründig kostspielig für das Unternehmen, im Fall der Fälle Chargen aus dem Verkehr zu ziehen. „Allerdings ist unser höchstes Gut das Vertrauen unserer Kunden. Jeder muss sich darauf verlassen können, ein einwandfreies Lebensmittel geliefert zu bekommen“, betont Christof Götz noch einmal.

Mit Druck gegen Insekteneier

Bereits zuvor im Lager haben die Getreidesäcke weitere Kontrollen durchlaufen. So röntgen die Mitarbeiter jeden einzelnen. Sollten klitzekleine Steinchen oder Metallsplitter enthalten sein, entfernen sie diese sofort.

Als eines der wenigen Unternehmen in Deutschland betreibt Ziegler Organic einen Zweikammer-CO2-Druckentweser, mit dem ein theoretisch möglicher Schädlingsbefall der Ware ausgeschlossen wird. Dabei verdrängt Kohlensäure in dem Behälter den Sauerstoff. Die natürliche Kohlensäure dringt mit einem Druck von 25 bar in den Organismus ein und zerstört die Zellen, falls sich Insekten-Eier zwischen den Getreidekörnern befunden hätten. Dies ist notwendig, da Bio-Lebensmittel weniger mit Chemie behandelt werden.

In einem hoch spezialisierten Lager wie in Wunsiedel ist Insekten- oder Mäusebefall so gut wie ausgeschlossen – Ziegler arbeitet präventiv auch mit einem Schädlingsbekämpfer zusammen. Weltweit betrachtet hingegen vernichten Insekten gut 25 Prozent der gesamten Ernten.

„Ein Lager für unterschiedlichste Getreidesorten zu betreiben mag sich wenig anspruchsvoll anhören, aber auch hier steckt der Teufel im Detail. Letztlich ist eine komplexe Logistik notwendig, bis das Getreide beim Lebensmittelbetrieb und im Supermarktregal liegt“, sagt Götz.

 

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