Bio-Großhändler Erneut Vorwürfe gegen Dennree

TÖPFEN. Erneut gibt es Vorwürfe gegen den Bio-Großhändler Dennree aus Töpen (Landkreis Hof). Der Betriebsratsvorsitzende und sein Stellvertreter sollen nicht wie üblich am Ende des Monats, sondern erst am 4. und 5. September ihr Gehalt ausgezahlt bekommen haben.

Publik gemacht hatte das Gewerkschaftssekretär Paul Lehmann. Er fragte auf der Facebook-Seite des Unternehmens Dennree-Gründer Thomas Greim öffentlich, warum er so mit dem Betriebsrat umgehe.

Vorwurf: Dennree würde einen Betriebsrat verhindern

Dennree schrieb daraufhin, dass sich das Unternehmen nicht zu Personalien äußere, „aus Rücksicht auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Die Antwort auf eine Anfrage unserer Zeitung klingt inhaltlich ähnlich. Gegen Lehmanns Vorwurf „verwahren wir uns ausdrücklich“, schreibt Personalchef Uwe Zimmermann. Gewerkschafter Lehmann wertet das Vorgehen von Greim als Machtspiel. Im Frühjahr war es bereits zu einer Auseinandersetzung zwischen Verdi und der Unternehmensführung gekommen.
Dennree würde die Gründung eines Betriebsrates behindern, lautete damals der Vorwurf. Der Biohändler dementierte dies. „Die Initiative von Kollegen zur Gründung eines Betriebsrats begrüßen und unterstützen wir ausdrücklich“, hatte Zimmermann damals beteuert.

Gewerkschaft sieht Gängeleien

Doch die Arbeitnehmerseite fühlte sich „schikaniert“: Räume für Sitzungen würden nicht zur Verfügung gestellt, Dennree wolle die Kosten für Betriebsratsseminare nicht übernehmen. Gewerkschaftssekretär Lehmann sieht sich mit dem neuesten Fall bestätigt, dass das Unternehmen den Betriebsräten das Leben schwer machen will. Die Beteuerungen des Unternehmens, man begrüße ausdrücklich die Gründung einer Arbeitnehmervertretung, bezeichnet Lehmann als Heuchelei. „Ich mache den Job jetzt schon eine Weile und kenne viele Unternehmen, aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, klagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Gehalt soll zu spät kommen

Mittlerweile werde kaum noch miteinander gesprochen, mehrere Arbeitsgerichtsprozesse stehen an oder laufen bereits. Demnächst wohl auch zum aktuellen Fall. Betriebsratsvorsitzender Paul Fischer habe eine Säumnisgebühr seiner Bank zahlen müssen, weil aufgrund der verspäteten Gehaltszahlung die Miete nicht abgebucht werden konnte, berichtet Lehmann. Fischer, der zurzeit im Urlaub weilt, bestätigt das unserer Zeitung in einer E-Mail. „Wenn das zweimal passiert, können Mieter bekanntlich gekündigt werden“, schimpft Lehmann.

Schulungen zu "Störenfreiden im Betrieb"

Dennree hat nach Angaben von Lehmann insgesamt 15 Betriebsräte. Der Vorsitzende des Gremiums und sein Stellvertreter seien für ihre Tätigkeiten zu 100 Prozent vom Geschäftsbetrieb freigestellt. Die dritte Vollzeitstelle teilen sich mehrere Personen. Dennree beschäftigt in der Firmenzentrale in Töpen nach Angaben von Lehmann 1200 Mitarbeiter. In Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland arbeiten fast 6000 Mitarbeiter für den Bio-Großhändler. Der lässt sich nach Auskunft von Lehmann juristisch von Schreiner und Partner vertreten, einer Anwaltskanzlei, die sich auf Personalumstrukturierungen in Betrieben spezialisiert hat und auch Seminare anbietet. So gibt es zum Beispiel Schulungen mit dem Titel „Störenfriede im Betrieb – so trennen Sie sich von schwierigen Mitarbeitern“ oder „Die häufigsten Betriebsratssünden – die richtigen Reaktionsmöglichkeiten auf 18 ,Klassiker’ der Betriebspraxis“.

Unternehmen zahle nicht einmal annähernd Tariflohn

Im Internet finden sich Dutzende Berichte über das Vorgehen der Kanzlei aus dem Sauerland, deren Handeln Undercover-Journalisten einst als „psychologische Kriegsführung“ bezeichneten. Lehmann erhielt nach eigener Auskunft von der Kanzlei nach seinem öffentlichen Schreiben an Dennree eine Unterlassungsaufforderung. Für den Gewerkschaftssekretär bleibt es ein Rätsel, warum sich der führende Biohändler im deutschsprachigen Raum derart gegen eine betriebliche Mitbestimmung wehrt. Dennree habe im vergangenen Jahr seinen Umsatz um fast sechs Prozent auf 1,025 Milliarden Euro gesteigert, was auch auf die guten Leistungen der Mitarbeiter zurückzuführen sei. Doch das Unternehmen zahle nicht einmal annähernd Tariflohn.

Firmenchef Thomas Greim sagte einmal in einem Interview mit der „Taz“, Tariflöhne seien Mainstream, würden für die Discounter gemacht. Die würden viel mehr Umsatz pro Mitarbeiter generieren. Dennree erwirtschafte zwar einen großen Umsatz, aber wenig Gewinn. 2012 nur 180 000 Euro, damals laut Greim lediglich 0,1 Prozent des Umsatzes.

 

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