Bildungsstudie Landkreis Kulmbach mit solidem Mittelmaß

KULMBACH. Die goldene Mitte oder einfach nur Mittelmaß? Der Landkreis Kulmbach liegt nach einer Studie im bundesweiten Vergleich im Durchschnitt. Das zeigt der Disparitätenbericht 2019 der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung auf. 13 Millionen Menschen leben in strukturschwachen Regionen. Die Einwohner des Landkreises Kulmbach gehören nicht dazu.

Zwischen Dynamik und Krise:

401 Landkreise und kreisfreie Städte sind im Auftrag der Stiftung vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung untersucht worden. Kulmbach zählt zur soliden Mitte und weist auch beim Wohlstandspotenzial durchschnittliche Werte auf. Die solide Mitte umfasst 187 Landkreise mit insgesamt 32,8 Millionen Einwohnern. Doch eine Ausnahme fällt auf: Der Anteil der hoch qualifizierten Beschäftigten ist in der sozialen Mitte im Bundesvergleich am geringsten. Das könnte problematisch werden. „Die Perspektiven für die Erwerbstätigkeit der Zukunft könnten sich hier mit zunehmender Distanz zu den großstädtischen Arbeitsmärkten zum Risiko entwickeln“, schreiben die Forscher. Die solide Mitte in Bayern sei eher in den peripheren Lagen in Grenznähe zu Tschechien und Oberösterreich zu finden.

Weniger Hochschulabsolventen:

Das heißt, Oberfranken und die Oberpfalz sind besonders betroffen. Im Kreis Kulmbach liegt der Anteil der Menschen mit Hochschulabschluss an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei 8,7 Prozent. Im Landkreis Bayreuth sind es 8,3 Prozent und in Wunsiedel 7,9. In der soliden Mitte beträgt der Mittelwert hingegen 10,2 Prozent. Im Durchschnitt hat Deutschland 13,5 Prozent hoch qualifizierte Beschäftigte. Die dynamischen Groß- und Mittelstädte weisen mit 21,4 Prozent den höchsten Anteil auf.

Armut im Alter:

Die meisten anderen Faktoren stellen den Raum Kulmbach in einem positiveren Licht dar. Es sind weniger Menschen von Armut betroffen als in anderen Landkreisen. Die Einwohner haben eine geringe Abhängigkeit von staatlichen Leistungen der Grundsicherung. Deutschlandweit leben 2,6 Prozent der Menschen in Altersarmut. Im Kreis Kulmbach sind es 1,9 Prozent. Ähnlich ist es mit der Kinderarmut. Der Anteil der Einwohner im Alter unter 15 Jahren, die in Haushalten mit Grundsicherungsbezug leben, liegt in Kulmbach bei 5,8 Prozent. Die solide Mitte kommt im Schnitt auf 10,3 Prozent. Deutschlandweit sind es 12,8 Prozent.

Kürzere Lebenserwartung:

Schlechter sieht es bei der Lebenserwartung aus. Ein Neugeborenes wird in Kulmbach statistisch 80,2 Jahre alt und stirbt damit 0,4 Jahre früher als im Schnitt. Auch die medizinische Grundversorgung wird betrachtet. Dabei ist ein Kriterium, wie schnell der nächste Hausarzt mit dem Auto zu erreichen ist. Im Landkreis-Mittel sind es 5,9 Minuten und damit 0,8 Minuten länger als im deutschen Durchschnitt.

Schnelles Internet:

Um in der modernen Arbeitswelt Ungleichheiten abzubauen, ist unter anderem flächendeckend ein schneller Internetzugang nötig. In dem Bereich steht der Landkreis vergleichsweise gut da. 87 Prozent aller Haushalte haben bereits eine Breitbandverfügbarkeit von mindestens 50 Megabit pro Sekunde.

Jedoch sehen die Macher der Studie für Kulmbach weiterhin ein Ungleichgewicht von Zuzügen und Fortzügen. Der rechnerische Gesamtwanderungssaldo liegt bei minus 123,6 Personen je 100 000 Einwohner. In der soliden Mitte liegt der Saldo durchschnittlich bei minus 17 Personen.

Kommunen stärken:

Das Fazit der Forscher und der Stiftung lautet, dass die Kommunen gestärkt werden müssen. Um die wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten auszugleichen, empfehlen die Autoren, dass sich die Finanzmittel künftig am spezifischen Bedarf der Kommunen orientieren sollen. Für finanzschwache Städte und Gemeinden sollte ein Entschuldungsfonds eingerichtet werden, heißt es. „Nur so kann es gelingen, schwache Kommunen aus dem Teufelskreis von Verschuldung, Abwanderung und wirtschaftlicher Schrumpfung herauszulösen.“

Ohne leistungsstarke Kommunen in allen Regionen Deutschlands sind gleichwertige Lebensverhältnisse nicht zu erreichen, sagen die Autoren. Doch die Ausstattung sozialer und technischer Infrastrukturen in den Kommunen sei räumlich höchst ungleich verteilt. Notwendig sei, dass Bund und Länder eine neue Gemeinschaftsaufgabe der regionalen Daseinsvorsorge verabreden.

 

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