Bildergalerie Hubert von Goisern in der Oberfrankenhalle

Andrea Herdegen

Hubert von Goisern präsentiert in der Oberfrankenhalle sein aktuelles Album „Zeiten & Zeichen“. Der Alpenrocker zeigt sich – wieder einmal – von einer ganz neuen Seite.      

Am Schluss rücken alle eng zusammen. Hubert von Goisern sitzt allein mit der Akustikgitarre auf einem Hocker am Bühnenrand, seine fabelhafte Band hat er in die Garderobe vorgeschickt. Um den österreichischen Multiinstrumentalisten herum stehen die Fans. Endlich, nach fast zweieinhalb Stunden auf den Sitzen der Oberfrankenhalle, dürfen sie nach vorne, um ihm ganz nah zu sein. Sie filmen den Musiker mit ihren Handys, formen  selbst die Worte des poetischen Textes, singen das Liebeslied „Dunkelrot“ leise mit.

„Kennt’s ihr das Libretto?“, hatte von Goisern bereits nach dem zweiten Lied gefragt und gleich abgemildert: „Wenn net, macht’s a nix.“ Mehr als früher singt der Alpenrocker vom Hallstätter See auf Hochdeutsch, nur drei der fünfzehn Lieder seiner aktuellen LP „Zeiten & Zeichen“ sind im Dialekt verfasst. Das Paar aus Flensburg, das extra für dieses Konzert nach Bayreuth gereist ist, wird es freuen. Wegen der Sprache, so glauben die beiden, kommt der Oberösterreicher im Norden Deutschlands nicht so gut an. Deshalb markiere auch Fulda den nördlichen Wendepunkt der Tournee. „Aber wenn der Hubert nicht zu uns kommt, dann kommen wir eben zu ihm“, sagen die Flensburger gut gelaunt.

In der gleichen Reihe sitzen Bayreuther, die von Goisern bereits zum vierten Mal sehen. Sie freuen sich vor dem Konzert „auf Neues“. Und sie bekommen es:  Der Musiker überrascht immer wieder mit unkonventionellen Stilwechseln, seine Lieder sind sperrig und gehen nicht gleich ins Ohr, seine Arrangements sind spitzfindig ausgeklügelt und changieren gekonnt zwischen Rock, Pop, alpenländischen Klängen und Weltmusik.

So bunt wie von Goiserns Repertoire ist auch das Publikum. Manche haben sich pseudo-stilgerecht aufgebrezelt mit Trachtenjanker und Tirolerhut, andere kommen lässig in Jeans und Lederjacke. Neben dem Mädchen mit Lippen-Piercing und blauen Strähnen in der Frisur hat ein grauhaariger Herr seinen Gehstock an den Stuhl gelehnt.

Die rund 1300 Besucher erleben in Bayreuth vor allem Stücke aus dem neuen Album, das – wie von Goisern sagt – „so neu dann a wieder net is“. 2019 geschrieben und produziert, im Corona-Jahr 2020 erschienen, musste „Zeiten & Zeichen“ gut zwei Jahre warten, bis es live präsentiert werden konnte. Prophetisch fast muten manche Zeilen aus Vor-Pandemie-Zeiten an; auch Lockdown-Erfahrungen könnten sie sein: „Manchmal verbirgt sich mir die Zeit und es scheint grad, als stünd‘ die Welt für ein paar Augenblicke still.“

Endzeit-Stimmung flammt auf, wenn die blinden Fenster in dem verfallenen alten Fabrikgebäude, dessen mit Graffiti besprayte Fassade den Bühnenhintergrund bildet, orange aufleuchten. „Wohin soll'n ma rennen, wenn alles wird brennen, wenn all's wird brennen am letzten Tag?“ Wie so oft legt Hubert von Goisern seine Finger in offene Wunden der Gesellschaft. Engagiert erzählt der in Sachen Musik Weitgereiste von den Inuit in Ostgrönland und von den islamischen Fundamentalisten im ägyptischen Asyut, von Erderwärmung, Terror und anderen menschengemachten Katastrophen.  „Wie lang's die Welt no geb'n wird“, das, so singt er, könne schließlich niemand wissen.

Mit "Brenna tuats guat", "Weit, weit weg" und "Heast as nit" kehrt der Unangepasste gegen Ende des Konzerts zu Bekannterem zurück. Die Menschen in der Oberfrankenhalle stehen von ihren Stühlen auf, klatschen und singen mit. Und so gehen die Fans, die das Alte lieben, ebenso zufrieden nach Hause wie die, die – wieder einmal – eine neue Seite an Hubert von Goisern entdecken wollten.

 

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