Bierschoff Experiment gelungen: „Des wird a Bier“

Der Kulmbacher Bierschoff ist zufrieden mit seinem Steinzeit-Bier. Was die Experten in Weihenstephan zum Ergebnis sagen.

Zusammen mit seinen Bier-Klerikern schickte Tobias G. alias „Bierschoff“ das älteste Bier der Menschheitsgeschichte nach Weihenstephan. Foto: Patrick Findeiß

Mit was beginnt eigentlich die Zivilisation? Mit Werkzeugen, mit der Schrift – oder mit dem Bier? Fest steht jedenfalls, dass schon alte Kulturen in der Levante vor rund 13.000 Jahren Bier gebraut haben dürften. Auch die Sumerer und Ägypter brauten eine Art Bier. Für den „Bierschoff“ Tobias G., Kältetechniker aus Kulmbach, und seine „Aprostel“Florian Erdel und Helge Becher war das Ansporn genug, ein Bier nach altertümlichen Rezept zu brauen – wie vor 10.000 Jahren. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen, besser gesagt: Es lässt sich trinken.

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Dafür hat der Bierschoff jetzt auch einen Beleg aus berufenem Munde: Mit zweieinhalb Litern seines Stein-Bieres (das so genannt wird, weil das Brauwasser mit glühenden Steinen erhitzt wurde) hat er sich auf den Weg nach Weihenstephan gemacht, zum Forschungszentrum für Brau- und Lebensmittelqualität der Technischen Universität München. Und die beiden Experten, denen er das Stein-(Zeit)-Bier vorstellte und zu verkosten gab, zeigten sich beeindruckt.

Wie Tobias G. auf Nachfrage dieser Redaktion erzählt, wollten Dr. Mathias Hutzler, Abteilungsleiter Mikrobiologie und Hefezentrum, sowie Dr. Martin Zarnkow, Abteilungsleiter Technologie und Entwicklung sowie Abteilungsleiter Sensorik, das Gebräu auch bei der Gärung beobachten.

Und das aus gutem Grund: Denn die Hefe, die der Bierschoff eingesetzt hatte, stammt aus dem ältesten Hefestamm des Institutes. Und auch den zur Gärung benötigten Laktobazillus bekam Tobias G. von dort. Das Urteil der Experten hat den Bierschoff bestätigt: „Sie haben gesagt, es sei trinkbar, lecker und die Art der Herstellung sei plausibel.“

Gebraut hatten Tobias G. und sein Team das Stein-Bier vor gut zwei Wochen in einem Dorf bei Presseck – sozusagen in heiliger Mission. Denn immerhin ist der Bierschoff als Kulmbacher Kultfugur dafür bekannt, dass er Mahn-Bierkästen aufstellt, Braukessel „segnet“ oder Trauerreden hält, wenn ein Bierlaster einen Unfall hat.

In den Braukessel kamen neben den Weihenstephaner Zutaten unter anderem auch Grünweizen aus der Türkei, den der Kulmbacher von einer Reise mitgebracht hatte, Beifuß statt Hopfen sowie Einkorn- und Emmermalz. Was also auf den ersten Blick wie ein Jux bierseliger Enthusiasten anmutet, ist nichts anderes als experimentelle Archäologie. „Wir wollten wissen, wie die Menschen vor 10.000 Jahren Bier gebraut haben.“ Denn für Tobias G. steht fest, dass das alkoholhaltige Getränk in der Zivilisationsgeschichte der Menschheit eine große Rolle gespielt hat.

Nicht umsonst habe es in Ägypten Hefe-Priester gegeben, denn die Arbeiter wurden zum Teil mit Bier entlohnt. Also haben, so die Lesart des Bierschoffs, nicht nur die Menschen das Bier beeinflusst, sondern auch das Bier die Menschen.

Und nach der Fahrt nach Weihenstephan kann der Bierschoff zufrieden konstatieren: Das Bier-Experiment hat funktioniert. Oder anders gesagt: „Des wird a Bier.“