Das Alter spielt eine entscheidende Rolle
Liebesaffären beispielsweise haben das Potenzial, ganze Familien zu sprengen, wenn die Wahrheit zutage tritt. Je älter die Menschen sind, desto weniger wollen sie aber von Untreue erfahren und meiden brisantes Wissen. Diesen Zusammenhang hat Ralph Hertwig, Psychologe am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin mit Kollegen in einer Studie herausgefunden, die 2021 im Fachblatt „Psychology and Aging“ erschien. Mit dem Alter verschieben sich also die Prioritäten. Laut der sozioemotionalen Selektivitätstheorie tendieren junge Menschen dazu, zukunftsorientierte Ziele anzuvisieren. Ältere Menschen hingegen bevorzugen auf die Gegenwart gerichtete Ziele, wie zum Beispiel psychisches Wohlergehen.
Es könnte also auch als Zeichen emotionaler Reife gewertet werden, bestimmte Informationen nicht verarbeiten zu wollen. „Die Vorstellung, dass ein brennender Instinkt der Neugierde uns in jeder Lebenssituation antreibt – dieser Topos des unstillbaren Wissensdursts – ist jedenfalls falsch“, so Hertwig. Das Verhältnis zwischen Wissen-Wollen und Nicht-Wissen-Wollen sei wesentlich komplexer. Und Letzteres hat für die Betroffenen eben auch manchmal Vorteile.
Wissen oder Nicht-Wissen – wer bevorzugt was?
Emotionen
Antizipierte Reue bedeutet, das emotionale Best-Case-Szenario vom Worst-Case-Szenario abzuziehen. Bleiben gedanklich negative Emotionen, entscheiden sich die Betroffenen für das Nicht-Wissen. „Dies widerspricht allen Theorien“, sagt Gerd Gigerenzer. Normalerweise gehen Wissenschaftler davon aus, dass Menschen das Wissen dem Nicht-Wissen vorzögen.
Risiko
In seiner Untersuchung hat der Berliner Wissenschaftler Gerd Gigerenzer festgestellt, dass vor allem risikoscheue Menschen zum vorsätzlichen Ignorieren neigen. Auch Menschen, die Zusatzversicherungen – wie etwa eine Rechtsschutzversicherung – abschließen, neigen stärker zum vorsätzlichen Ignorieren. Denn eine Versicherung abzuschließen bedeutet, absehbare regelmäßige Kosten gegenüber unsicheren unabsehbaren Kosten vorzuziehen.