Betroffene Frauen sollen geschützt werden Bamberg: Prozess gegen Sex-Arzt findet hinter verschlossenen Türen statt

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Im Fall des ehemaligen Chefarztes Heinz W. (48) am Bamberger Klinikum, der Patientinnen sediert und vergewaltigt haben soll, beginnt am 7. April der Prozess vor dem Landgericht Bamberg. Für den Fall, der deutschlandweit für Aufsehen gesorgt hatte, sind zunächst 12 Verhandlungstage festgesetzt. Ein großer Teil des Prozesses wird hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Foto: dpa Foto: red

Einst war er einer der bekanntesten Gefäßchirurgen, auf der Bestenlisten einer Zeitschrift landete er auf dem Spitzenplatz. In Bamberg genoss der Vater zweier Kinder großes Ansehen. Dann kam der Absturz: Eine Medizinstudentin, die im Klinikum Bamberg ihr praktisches Jahr absolvierte, zeigte ihn wegen sexuellen Missbrauchs und Körperverletzung an. Für eine angebliche Studie zu Beckenvenenleiden soll er ihr ohne ihr Wissen ein leichtes Betäubungsmittel gegeben haben, um sie dann zu missbrauchen. Sie ließ ihr Blut untersuchen, in dem sich noch Reste eines Beruhigungsmittels fanden.

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15 Ermittler durchsuchten daraufhin seine Wohnung und fanden auf seinem Computer etwa eine Million Fotos, die alle den Unterleib von Frauen zeigten. Seine jüngsten Opfer waren nach Angaben der Polizei 17 Jahre, die ältesten 28 Jahre alt. Zehn Frauen waren Patientinnen des Arztes, zwei waren zur mutmaßlichen Tatzeit Mitarbeiterinnen im Bamberger Krankenhaus, eine stammt aus dem privaten Umfeld des Mediziners. Alle Frauen haben Strafantrag gestellt.

Die Taten soll der Arzt zwischen September 2008 und Juli 2014 begangen haben. Teilweise sollen sie mehrfach unter Narkose von W. missbraucht worden sein. Er soll ihnen auch ohne ihr Wissen Gegenstände eingeführt haben. Durch das Mittel hatten die Frauen einen Blackout und keine Erinnerung mehr an die „Behandlung“. Zwölf Fälle sind angeklagt, darunter auch Vergewaltigung.

Seit August vergangenen Jahres sitzt W. in Untersuchungshaft, das Bamberger Klinikum hat den Chefarzt inzwischen entlassen. Und stets betont, dass dies ein Einzelfall sei.

Den sexuellen Vorwürfen widerspricht die Verteidigung vehement. Alles mit medizinischem Hintergrund, sagt Dieter Widmann (53), einer der Anwälte des Chefarztes. Sein Mandant könne dies auch erklären. Auf keinem der Fotos sei der Chefarzt in irgendeiner Form erregt, auch nicht in den Filmen, die er von seinen Untersuchungen gemacht habe. Dort erkläre er sogar, was er gerade mache.

Der Hauptkampf vor Gericht wird darum gehen, ob das, was er gemacht hat, medizinisch zu rechtfertigen ist. Hat er sich über Grenzen hinweggesetzt? Hat er sich genügend abgesichert? Oder war es doch Missbrauch. Alle sogenannten endosonografischen Untersuchungen sind nämlich als Vergewaltigungen angeklagt – keine Vergewaltigungen also im herkömmlichen Sinne, sondern wegen der Einführung von Geräten. Drei Anwälte stehen dem ehemaligen Chefarzt zur Seite.

Allerdings sagen am Verfahren Beteiligte, dass das, was der Arzt eine Studie nenne, „nur am Rande“ etwas mit einer solchen zu tun habe. Nach Informationen des Kuriers beharrt W. aber immer noch darauf, alles wegen medizinischer Studien gemacht zu haben. Gutachter in dem Verfahren soll der bekannte Münchner forensische Psychiater Norbert Nedopil sein. Ob sich W. begutachten lässt, steht noch nicht fest. Er beharrte nach Informationen des Kuriers auf einem anderen Gutachter aus Erlangen.

Fest steht schon jetzt, dass „angesichts des höchstpersönlichen Lebensbereiches“ des Arztes und seiner angeblichen Opfer mit „einem auch länger andauernden Ausschluss der Öffentlichkeit gerechnet werden muss“, sagt Franz Truppei, der Sprecher des Oberlandesgerichtes Bamberg. Dies sei wegen der Wahrung der Persönlichkeitsrechte nötig.

Die Verteidigung kündigte an, „sehr bemüht zu sein, das Verfahren für die betroffenen Frauen möglichst schonend zu gestalten“. Dies sei auch das Bemühen des Angeklagten. Er bedauere, dass seine Patientinnen in ein solches Verfahren hineingezogen wurden. Soweit es in seiner Macht stehe, sei auch er darum bemüht, das Verfahren „möglichst schonend“ für diese zu gestalten.

Dem ehemaligen Chefarzt drohen bis zu 15 Jahre Haft.